Beobachtung

Edlach/Rax, 01. 04. 2005

20050401sfl21.html

Beobachter:Dr. Thomas Schröfl
Datum:01. 04. 2005
Zeit:21.00 bis 23.00 MESZ
Ort:Edlach/Rax
Geogr. Länge:15 48 11
Geogr. Breite:47 41 21
Seehöhe:600
System:
Instrument:NexStar 11 GPS, Pentax 75 SDHF
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:2 °C
Luftfeuchtigkeit:52

Bericht:

Ein vergessenes Kabel für die externe Festplatte ermöglicht es mir erst heute die Berichte vom letzten Wochenende an unsere Hompage zu schicken.

Nach der langen Winterpause, die ich mir astronomisch mit viel Lesen, Theorie und der Vorbereitung meines Vortrages über Hochenergieastrophysik vertrieben habe, kommt nun endlich das ersehnte erste Wochenende mit strahlendem Frühlingswetter. Schon am Nachmittag wird die Kuppel innen und außen gereinigt und alles wieder in Schuß gebracht und justiert und gegen Ende der Dämmerung geht es los.

Wie nicht anders zu erwarten, schlägt gleich am Anfang die Elektronik wieder erbarmungslos zu. Während der Alignment-Prozedur will der Tubus des C11 beim Nivellieren um jeden Preis mit der Taukappe vorne drauf durch die Gabel schwenken. Ein manuelles Two-Star-Alignment beendet diese Faxen rasch.

Orion steht zwar schon recht tief im Westen wo Durchsicht und Seeing fernab von optimal sind aber M42 will ich mir nach so langer Zeit doch nicht entgehen lassen. Im 35er Panoptic = 70x steht M42 prächtig im Okular, im Zentrum die Fledermausform mit Ansätzen einer grau-blau-grünlichen Schattierung. Bis zum Gesichtsfeldrand kann ich feine Filamente erkennen und im Zentrum die vier Trapezsterne.

Da ich schon in der Gegend bin geht es weiter zu Alnitak und dem Flammennebel, der vom Stern überstrahlt eher wie ein Halo als ein Nebel wirkt.

Weiter nach Süden schwenke ich zu Sirius, der wie ein funkelnder Brilliant strahlt. Eine nicht zu schaffende Herausforderung ist es ihn von seinem derzeit sehr nahe stehenden Begleiter zu trennen. Gelegentlich vermeine ich im Seeingflimmern einen gelblichen und einen bläulichen Fleck ineinander verschwimmen zu sehen.

Zum Abschluß geht es zenithwärts in die Zwillinge zu Saturn, dessen Ringe noch immer prachtvoll weit offen stehen. Wie sooft in dieser Gegend wird es ein Spiel mit dem Seeing, das in der Regel kaum über 200 facher Vergrößerung sinnvoll hergibt.

Der heutige Abend dient auch dem Zweck mit erheblicher Verspätung mein Weihnachtsgeschenk auszuprobieren, zwei Televue 8-24mm Click-Stop-Zooms für das Baader-Bino, um mir soweit wie möglich das lästige Wechseln von jeweils zwei Okularen zu sparen. 50 Grad Gesichtsfeld sind zwar heute nicht berauschend entsprechen aber gutem Plössl-Standard. Wie alles, was aus dem Hause Al Nagler kommt, sind die beiden Okulare von hervorragender optischer und mechanischer Qualität und das zu einem für Nagler noch vernünftigen Preis. Ihr unschätzbare Vorteil am Bino sind die Rastungen bei 8, 12, 16 und 24mm, anderenfalls ein vernünftiger Einsatz am Bino nicht möglich wäre. Kleiner Wermuthstropfen: sie sind nicht völlig parfokal, sodaß bei Brennweitenänderungen ein Nachfokussieren notwendig ist. Auch bei höchster Vergrößerung scharf stellen und dann die Vergrößerung zu reduzieren geht daher nicht. 8mm Okularbrennweite sind am C11 mit 350x deutlich zu viel für die Seeingbedingungen, aber am Optolyth-Refraktor decken sie jedoch ca. 30-90x ab.

Da ich heute mit Tochter Mariella alleine in Edlach bin und ihr Ausdauervermögen auch kältebedingt zu Ende geht, machen wir um 23:00 Schluß.