Mond, Saturn und Eskimonebel

Wien Josefstadt, 15. 04. 2005

20050415bre21.html

Beobachter:Bernhard Rems
Datum:15. 04. 2005
Zeit:21.00 MESZ
Ort:Wien Josefstadt
Instrument:LX90, Meade DSI
Bedingungen:

Durchsicht:ausreichend (3)
Aufhellung:ausreichend (3)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:3.5
Wind:leicht
Bemerkungen:Im Verlauf der Beobachtung Aufziehen einer hohen Dunstschicht.

Bericht:

Ermutigt durch das brauchbare Ergebnis meiner ersten Jupiterbeobachtung mit dem Meade DSI am gestrigen Abend, beschloss ich, mich heute an Saturn und Mond zu wagen. Als Experiment hatte ich auch einen Versuch am Eskimonebel (NGC 2392) eingeplant, allerdings ohne größere Hoffnungen, da ich immer noch absoluter Anfänger mit der Kamera bin.

Zunächst beobachtete ich Saturn visuell mit einem 18mm Ultima. Die Ringteilung war schön zu sehen, ebenso unterschiedliche Regionen in der Saturnatmosphäre. Obwohl das Seeing eigentlich keine größere Vergrößerung zuliess, setzte ich danach für die CCD-Aufnahme eine 2x Barlow vor den DSI. Das Ergebnis (nachbearbeitet in einer Evaluationsversion von Maxim DL) können Sie hier sehen. Ich habe mir von der Kamera bezüglich Planeten eigentlich weniger erwartet als sie bereits jetzt in der zweiten Nacht mit einem unerfahrenen Anwender leistet.

Als nächstes versuchte ich mich an einer kombinierten Aufnahme von Saturn und seinen Monden. Dazu nahm ich zunächst Saturn (diesmal ohne Barlow) auf, um dann einer weitere Aufnahme zu machen, die den Planeten zwar eminent überbelichtete, aber dafür einige Monde zeigte. Die beiden Bilder habe ich dann in Photoshop bearbeitet und übereinander gelegt. Bei Enceladus habe ich etwas "geschummelt", denn er ging im Glow des überbelichteten Planeten fast verloren (war aber auf der überbelichteten Aufnahme deutlich zu erkennen). Wieder muss ich sagen, dass mich die Möglichkeiten der CCD-Astronomie mit dieser Low Cost Kamera begeistern. Zur Erinnerung: Es war meine zweite Nacht mit dem Instrument, und ausser einigen Webcam-Versuchen an Mars und Mond im Jahr 2003 habe ich keinerlei Erfahrung mit der CCD-Photographie.

Weiter ging es zum Mond. Hier schnell Theophilus und Konsorten nahe des Terminators eingestellt und kurze Serien aufgenommen (wieder ohne Barlow). In der Nachbearbeitung habe ich weniger mit Schärfe als mir dem Histogramm gespielt - und auch hier bin ich eigentlich für s "First Light" am Mond sehr zufrieden. Der DSI führt übrigens während der Aufnahme softwaremäßig nach (das bedeutet, dass man ein Feature makiert, das danach immer an die gleiche Stelle geplottet wird). So habe ich ca. 30 Aufnahmen mit guter Qualität (auch hier sucht die Software automatisch die besseren Bilder raus) stacken lassen. Netter Nebeneffekt: Ich konnte im Verlauf der Beobachtungsnacht sehen, dass das LX90 sehr exakt nachführt und keinen erkennbaren periodischen Fehler zeigt.

Nach dem Mond habe ich mich dann noch (weil relativ in der nähe liegend) am Eskimonebel versucht. Ich habe ihn auch deshalb gewählt, da er sehr nahe einen relativ hellen Stern besitzt, der gut für die Software-Nachführung geeignet ist. Ich wollte eigentlich nur sehen, ob die CCD-Kamera unter diesen doch suboptimale Stadtbedingungen überhaupt etwas aufzeichnet, und schoss schnell eine Serie von 12 Bildern zu je 5 Sekunden (Ich taste mich erst langsam an länger belichtete Einzelaufnahmen heran, weil ich erst sehen muss, wo die Grenz dessen liegt, was durch winzige Nachführfehler des Antriebs sinnvoll ist (und 5 Sekunden gehen problemlos). Nach diesen 12 gestackten Aufnahmen war in der Kamerasoftware eigentlich nichts wirklich brauchbares zu sehen, also liess ich es gut sein und baute wieder ab, um die gewonnenen Aufnahmen dann in der Wohnung am größeren Computer nachzubearbeiten.

Und da war dann eigentlich das Erstaunen groß: Da war er plötzlich, der Eskimonebel, in Farbe und in seiner ganz typischen Form - und das nach 1 Minute gesammelter Belichtungszeit und ohne viel Herumspielen an den Kameraeinstellungen. Der schwächste registrierte Stern auf der Aufnahme ist übrigens 13.6mag visuell! Ich freue mich schon heute auf weitere Beobachtungsnächte.