Mond und Jupiter

Wien 12, 22. 04. 2005

20050422api20.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:22. 04. 2005
Zeit:20.00 bis 22.00 MEZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX200, Minolta Dimage Z3, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:ausreichend (3)
Aufhellung:schlecht (4)
Seeing:ausreichend (3)
Temperatur:+8 °C
Wind:leicht aus NW
Bemerkungen:Starke Aufhellung durch fast vollen Mond, gegen Ende Aufzug von Wolken.
Bericht:

Es ist etwas zu kühl für die Jahreszeit, aber was für ein Abend. Der fast volle Mond steht nahe bei Jupiter, ein Anblick, der niemandem entgehen kann.


Mond und Jupiter im Digicam-Schnappschuss

Ich wende mich zunächst dem Riesenplaneten Jupiter zu; sollten Wolken aufziehen, habe ich beim Mond mehr Chancen als beim Planeten, außerdem verrät ein Blick durchs Teleskop gutes Seeing. Jupiter erweist sich heute als ungewöhnlich stürmisch ...


Stürmischer Jupiter. Webcam, F=6m, verkleinert. 22:13 MESZ

Die Farben der Bänder und Zonen sind heute so auffällig, dass schon visuell die weißlichblaue Färbung der Zonen und die weinrote Färbung der Bänder deutlich wird. In der naturgemäß stark kontrastverstärkten Webcam-Aufnahme werden die Farben noch verstärkt und das mächtige Sturmgebiet genau in der Mitte der Planetenscheibe in der EZ ist extrem deutlich. Bemerkenswert auch, dass das SEB (im Bild das obere EB) in sich zwei dunkle Bänder zeigt und dass in der Südhemisphäre des Planeten nicht weniger als 5 (!) Bänder zu sehen sind, weiters ein mehr als deutliches Weißes Oval. Die Nordhemisphäre ist vergleichweise ruhig, in der sehr dunklen Polkalotte sind auch zwei Weiße Ovale zu erkennen.

Doch jetzt zum Mond. Nicht ganz zwei Tage vor Vollmond darf man sich nicht mehr allzu viel Relief erwarten, dennoch ist die Phase interessant.


Mond. Digicam-Schnappschuß durch 50mm Plössl.

Der noch vorhandene Terminator ist extrem interessant, zeigt er doch sehr seltene Formationen. Das recht gute Seeing läßt mich abermals zur Webcam greifen.


Hevelius links von der Mitte), Cavalerius (darüber), Hedin (links) und Olbers (l. oben)

Grimaldi (der große, dunkle Krater links von der Mitte) und Riccioli (links am Terminator)

Der weit in Richtung Südpol markante Terminator verleitet mich zu einem Randmosaik, doch dann entdecke ich den Reiz der Albedostrukturen auf der schon fast voll beleuchteten Mondscheibe. Die Webcam-Aufnahmen, die so entstehen, erinnern frappant an jene Bilder, die Raumsonden von viel ferneren Welten senden, nicht zuletzt an die Bilder, die Cassini von Titan zur Erde schickt. Wer sagt, der Vollmond ist langweilig? Es scheint, als müßten wir auch dieses Vorurteil revidieren ...


Mondterminator, nicht einmal zwei Tage vor Vollmond. Oben rechts (teilweise abgeschnitten) Schickard, links daneben der erhabene (!) Krater Wargentin; oben am Terminator Inghirami. Links in der Bildmitte, am Terminator, Bailly, der größte von der Erde aus sichtbare Mondkrater (303km Durchmesser).

Der Strahlenkrater Proclus am Rand des Palus Somni ist eine der hellsten Albedo-Strukturen auf dem Mond

Wer kennt diese Region? Am Rand des Mare Fecunditatis um die Krater Goclenius (der markante Ring) und Gutenberg (links davon)

Oder diese Region? Am Übergang vom Mare Serenitatis (links) zum Mare Tranquillitatis (unten) mit den Kratern Plinius (links unten), Vitruvius (der helle Ring nahe der Bildmitte) und Maraldi (der dunkle Krater rechts oben)

Ihn kennt wohl jeder: Copernicus. In dieser Beleuchtung einmal ein ganz anderer Anblick. Bemerkenswert, wie sich hier das helle Innere des Kraters von der Umgebung abhebt und wie gut die Ansätze des Strahlensystems zu erkennen sind.

Dieses nette "Mondvogerl" trägt einen grauslichen Namen: Palus Epidemiarum, Sumpf der Epedemien. Oben die beiden Krater Campanus und Mercator, der "Schnabel" ist der Lacus Timoris (See der Furcht), rechts der Krater Wilhelm.

Bei den Webcam-Aufnahmen kam wirklich ein leichtes Cassini-Gefühl auf. Und ich denke, in Zukunft habe ich nicht einmal mehr bei Vollmond eine Ausrede, nicht zu beobachten ...