Antares-Bedeckung

St. Martin / BL, 27. 04. 2005

20050427twe00.html

Beobachter:Thomas Weiland
e-Mail:weiland@a1.net
Datum:27. 04. 2005
Zeit:00.30 bis 01.30 MESZ
Ort:St. Martin / BL
Instrument:Spektiv 30x75 auf Stativ
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Wind:kein
Bemerkungen:Heiter bis wolkig

Bericht:

Alles deutete auf eine "Neuauflage" meiner Beobachtung vom 4. Februar dieses Jahres hin: wieder herrschte über Teilen Mitteleuropas Schlechtwetter, und wieder schien der Süden und Südosten Österreichs bevorzugt zu sein. Allerdings waren die sich auf dem Satellitenbild andeutenden Wolkenlücken größer als beim letzten Mal. Eigentlich hätte ich das Ereignis gern von Wien aus gesehen, quasi ein Nachvollziehen der Entdeckungsbeobachtung des Begleiters durch Johann Tobias Bürg in der Nacht vom 13. auf den 14. April 1819. Doch davon werde ich mich wohl verabschieden müssen, die Wettersituation erscheint mir zu riskant.

Ein leichter Regenschauer gegen 22 Uhr MESZ bestärkt mich schließlich, den Ort zu wechseln. Wieder begebe ich mich auf die A 2, diesmal jedoch mit der halben Ausrüstung, schließlich haben wir ja Ende April. Außerdem möchte ich nicht so weit fahren. Und siehe da, kurz nach Wiener Neustadt, reißt die Wolkendecke auf, über dem Wechselgebiet ist es einmal mehr über weite Strecken klar. Ich hüte mich jedoch, abzufahren, die Täler sind hier eng, und bis ich einen geeigneten Platz gefunden hätte, wäre die Sache wohl vorbei. Also taste ich mich noch bis Pinkafeld vor. Doch das war ein Fehler! Plötzlich wirkt Jupiter, der noch eben strahlend hell am Himmel stand, kraftlos und matt, wenig später kann ich erkennen, dass sich der eben aufgegangene Mond mühsam durch aufziehende Wolken kämpft. Was tun? Umkehren ist keine Lösung, daher fahre bei der nächsten Ausfahrt (Lafnitztal) ab und begebe mich in Richtung Oberwart. Dort bietet sich allerdings das gleiche Bild. Tief im Norden klar, ebenso im Südosten, dazwischen unberechenbare Wolken. Noch lugt der Mond, der wie ein orangefarbener Lampion über der Landschaft hängt, durch besagten Streifen, doch mir ist klar, dass das nicht ewig hält.

Mit einem unangenehmen Gefühl im Bauch schreibe ich den Eintritt ab und konzentriere mich auf die Fahrt. Weiter geht es über Bernstein und Lockenhaus (böse Erinnerungen an die Sonnenfinsternis 1999 werden wach ...) in Richtung Oberpullendorf. Der klare Streifen im Norden bewegt sich nach wie vor kaum vom Fleck, währenddessen vor mir, also im Osten, einzelne Wolken den Himmel zieren. Den Mond geben sie jedoch nicht frei. Eigentlich geschieht mir ja recht, wäre ich daheim geblieben. Wahrscheinlich trinken jetzt in Wien ein paar Astro-Kollegen zwischen Ein- und Austritt gemütlich eine Tasse Kaffee. Doch für tiefschürfende Gedanken habe ich keine Zeit. Endlich, bei Oberpullendorf, bietet sich endlich die Gelegenheit, nach Norden abzuzweigen. Ich mache von der Bestimmung der S 31 Gebrauch (Schnellstraße ...), und sobald ich den Mond im Seitenspiegel erkennen kann (bei St. Martin) biege ich ab. Ein Parkplatz rechts der Straße nach Horitschon sieht verlockend aus, zu meinem Schrecken bemerke ich jedoch, dass die Bäume höher sind, als ich gebrauchen kann. Daher haste gegenüber eine Wiese hinauf, in der einen Hand mein Spektiv, in der anderen Notizbuch, Stoppuhr und GPS. Das Fernrohr habe ich wieder einmal umsonst mitgenommen. Aber immerhin habe ich jetzt freie Sicht, in den wenigen verbleibenden Minuten konzentriere ich mich auf die Stelle, an der jeden Moment der Begleiter des roten Riesen erscheinen muss. Doch was ist das?! Gerade in diesem Moment schieben sich ein paar Wolkenfetzen ins Gesichtsfeld, sie zerteilen sich jedoch, und wie durch ein Wunder bleibt der "kritische" Bereich (etwas nordwestlich des Mare Crisium, das wie "angebissen" am Terminator liegt) unverdeckt. Und da ist er auch schon (23:10:09,7 UTC; persönliche Gleichung (0,4s) bereits abgezogen)! Angesichts des fast vollen Mondes viel schwächer als im Februar und praktisch rein weiß. Exakt 5,3s später (23:10:15,0 UTC; persönliche Gleichung (0,3s) abgezogen) blitzt das Pünktchen auf, und Antares A macht seinem Namen alle Ehre. Allerdings wirkt er gegenüber meiner ersten Beobachtung eher gelb bis orange, wahrscheinlich wieder mal eine Frage des Kontrasts ... Doch das kümmert mich nicht wirklich, ich bin in Hochstimmung und mache mich daran, mittels GPS die Ortskoordinaten zu bestimmen (16°26'22,5" E; 47°34'15" N; 315 m; WGS 84). Dann trete ich gelöst die Heimfahrt an. Mit der Tatsache, dass es auch diesmal klappt, habe ich eigentlich nicht gerechnet!