| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||
| Datum: | 28. 04. 2005 | ||||||||||
| Zeit: | 21.30 bis 23.30 MESZ | ||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX-200, Minolta Dimage Z3, Philips ToUCam pro | ||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Heute ist ein guter Abend zum Testen. Der Himmel ist sehr klar, das Seeing aber nicht überragend. Von meiner doch noch in der Stadt gelegenen Beobachtungsstation beschliesse ich, einige fotografische Tests am Jupiter durchzuführen. Das Match lautet: Digicam gegen Webcam. Die Konfiguration der Digicam: Fix montiert an einem 75mm Projektionsokular von William Optics. Die Konfiguration der Webcam: Mit direkt vorgeschraubter 1,5x Barlowlinse. Ich beginne mit einem Überblicksfoto: Jupiter und Jupitermonde. Das geht nur mit der Digicam, denn die Webcam hat kein so grosses Bildfeld angesichts des kleinen Chips und 4,5m Brennweite. 1/4s bei 400 ISO, und schon sind die Jupitermonde hervorragend gut zu sehen, allerdings ist Jupiter überbelichtet. Es wäre auch möglich, die Sache so zu belichten, dass Jupiter mit Streifen und die Monde zu sehen sind, das ist dann ein bisserl eine Spielerei in der Ausarbeitung. Die Schärfe? Na ja. Ohne Selbstauslöser wäre nichts zu machen gewesen, den Rest laste ich dem Seeing an - dessen Hauptursache im Moment noch die warme Luft im Tubus ist.
Jetzt geht es an den Planeten selbst. Mit dem Zoom der Kamera hole ich Jupiter genauer heran, komme natürlich schon in den Bereich des Digitalzoom. Erste Erkenntnis: Runter mit den ISO. Bei 400 ISO fast nur Rauschen, also 100 ISO und länger belichten. 1/60s reicht ohnedies aus für Wolkendetails. Nun, viel Detail wird es nicht. Eine Einzelaufnahme kann da einfach nichts ausrichten. Trotz Selbstauslöser, der Verwackeln (bei dieser Äquivalentbrennweite von einigen Dutzend Metern, ich muss noch nachrechnen) verhindert.
Nächster Versuch: Die Z3 kann Serienaufnahmen, optional drei oder 10 Bilder auf einmal. Allerdings kann sie in diesem Modus keinen Digitalzoom und auch keinen Selbstauslöser. Damit wird Jupiter auf dem Chip recht klein und der Vorteil der 4 Megapixel ist eigentlich dahin. In diesem "Paparazzo-Modus" schiesse ich in rascher Folge 90 Fotos, ein gefundenes "Fressen" für Registax. Durch die kürzere Äquivalenbrennweite kann ich auch viel kürzer belichten, 1/300s bei 100 ISO - nicht schlecht.
Registax kann die Hälfte der 90 Aufnahmen verwerten, um eine Qualitätsschranke von 85 Prozent zu halten. Das Ergebnis kann sich schon sehen lassen, immerhin ist der GRF jetzt deutlich zu erkennen. Und auch schon das grosse Hauptproblem: JPEG-Bilder sind ungeeignet zum Stacken. Also das nächste Mal in einem unkomprimierten Format. Ob sich da 90 Fotos oder mehr auf dem Chip ausgehen? Jedenfalls ist damit eines klar: (Digitale) Planetenfotografie ohne Computer ist nicht sinnvoll möglich! Zu guter Letzt kommt die Webcam dran, und es zeigt sich, dass sie auch bei eher durchschnittlichem Seeing noch immer ungeschlagen ist. Zwar beträgt die Belichtungszeit jetzt 1/25s und es ist Nachverstärkung erforderlich (man kann jetzt einmal auf die eher bescheidenen ISO der Kamera schließen), und 640x480 Pixel ist weit von den 4 Megapixel der Digicam entfernt, doch beim Planeten brauchen wir beides nicht: Hohe Empfindlichkeit und eine große Chipfläche. Und der unschlagbare Vorteil der Webcam ist, dass sie nicht 50 oder 100, sondern im konkreten Fall in etwas mehr als einer Minute an die 1000 Bilder aufnimmt. Das gibt viel mehr Dynamik und das Ergebnis ist das detailreichste Bild.
So schlägt die 70€ Webcam die 350€ Digicam, und auch bei einer 3000€ Digitalkamera würde es nicht anders aussehen. Jedes Objekt hat seine bevorzugte Technik (und auch Fernrohr), bei Planeten ist es die Webcam. Trotzdem werden weitere Tests folgen. Aber eines ist klar: Ohne Computer läuft gar nichts ... |