Jupiter im Biergarten

Plutzerbräu, Spittelberg, Schrankgasse, 02. 05. 2005

20050502api21.html

Beobachter:Roland Graf, Michael Menedetter, Alexander Pikhard
Datum:02. 05. 2005
Zeit:21.30 bis 23.15 MESZ
Ort:Plutzerbräu, Spittelberg, Schrankgasse
Geogr. Länge:irrelevant
Geogr. Breite:erst recht
Seehöhe:
System:und überhaupt
Instrument:18" Starsplitter Dobson
Bedingungen:

Durchsicht:ausreichend (3)
Aufhellung:sehr schlecht (5)
Seeing:ausreichend (3)
Temperatur:+25 °C
Bemerkungen:In einer engen Gasse zwischen hohen Häusern unter heller Straßenbeleuchtung ...

Bericht:

Montag Abend, unser erster Astrotreff im Mai. Es ist ein wunderbarer, sommerlicher Abend, und dennoch lauschen viele dem interessanten Vortrag von Walter Koprolin über Zwerggalaxien. Nach dem Vortrag mache ich zu Roland die scherzhafte Bemerkung, ob er angesichts des herrlichen Wetters nicht sein Teleskop vor dem Plutzerbräu aufstellen will. Roland verschwindet wortlos und ich führe andere Gespräche weiter.

Etwa eine Viertelstunde später kommt Roland wieder mit den Worten "Teleskop ist aufgebaut!". Es beginnt ein sehr bemerkenswerter Abend, obwohl uns das nach dem Sternabend beim Praterfest (samt lautem Rockkonzert) eh nicht mehr erschüttern kann. Der Anblick des eigenartigen Dobsons führt zunächst wohl eher dazu, dass sich die zahlreichen Gäste in den Gastgärten des Spittelberg eher verschlucken. Neugierige und vor allem verwunderte Blicke. Als ich das Geschehen fotografiere, denken die meisten wohl an ein Werbeshooting oder sonst eine Art Performance. Ok, das passt in diese Gegend.

Doch dann kommt Dynamik in die Sache. Irgendwann fasst ja doch jemand Courage und fragt, was wir da machen. Wir stehen in der Schrankgasse, ein paar Blicke zu Saturn gehen sich aus. Ja klar darf man zum Saturn schauen - erste Begeisterung!

Leider verschwindet Saturn hinter den Dächern. Wir rollen das unübliche Gerät an den Tischen vorbei zur Stiftgasse. Jetzt sind alle Blicke auf uns gewendet, Touristen fotografieren uns. Jupiter wird anvisiert, ist da. Schön! Und jetzt beginnt es, das Sterngucken. Gäste, Passanten, Einheimische, Touristen, alle kommen sie, suchen interessiert ein Gespräch, beobachten Jupiter, erfreuen sich seines Anblicks.


Erst kommen wenige, ...

... dann immer mehr

In dieser Situation punktet die Astronomie uneingeschränkt. Niemand von den hier Anwesenden hatte heute, trotz des schönen Wetters, geplant, auf eine Volkssternwarte zu gehen. Definitiv nicht, sonst säßen sie nicht hier. Aber wenn die Volkssternwarte schon vorbeikommt, kann man ruhig einen Blick zwischen Hauptspeise und Dessert riskieren.

In den kurzen Gesprächen kommt Interessantes heraus: Viele haben ein eigenes Teleskop, mehr, als wir vermutet hätten. Viele interessieren sich wirklich für die Natur des Planeten und seiner Monde. Keine einzige esoterische Frage! Und immer wieder Klagen, dass man über Astronomie viel zu wenig lernt. Wir jedenfalls fühlen uns bestätigt, und lustig war diese spontane Aktion allemal. Das wurde übrigens auch durchwegs positiv aufgenommen: Dass wir, obwohl fachlich durchaus top da, nicht vor so einer schrägen Aktion zurückscheuen. Wir fühlen uns noch einmal bestätigt.

Jupiter war übrigens, trotz der hier total lausigen Bedingungen, sehr schön. Später, zu Hause, mache ich noch ein Webcam-Foto. Rasch, bevor die Wolken aufziehen.


Jupiter, F=4,5m, 3. Mai, 00.14 Uhr MESZ

Jupiter als bildende Unterhaltung im Biergarten. Sozusagen der Planetenplutzer im Plutzerbräu!