Jupiter mit 7 Monden

Wien 12, 08. 05. 2005

20050508api22.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:08. 05. 2005
Zeit:22.00 bis 00.30 MESZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX200, StarlightXpress MX916
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:+9 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Unerwartet klar, am S-Horizont noch Restwolken
Bericht:

Es ist ja unglaublich; nach einem kühlen, regnerischen Sonntag, der die Stimmung vom NTT nahtlos fortgesetzt hat, klart es am Abend auf und sogar der kalte Wind legt sich. Jupiter strahlt vom Himmel, und so schicke ich mich an, ein ganz besonderes Projekt zu beginnen; eigentlich hatte ich mir das für das NTT vorgenommen, aber in gewisser Weise ist es zeitlos.

Im 21mm Pentax funkeln die vier Galileischen Jupitermonde, das Seeing ist alles andere als berauschend. Und diese vier Monde, nein, auf die habe ich es heute nicht abgesehen. Jupiter hat noch mehr Begleiter! Von den zahlreichen äußeren Jupitermonden (55 sind derzeit bekannt) liegen mindestens 7 in Reichweite meiner MX916 CCD-Kamera am 12" LX-200; sie sind heller als 20 mag und da ich mit 8 Minuten Belichtungszeit schon auf 20,1mag gekommen bin, muss das gehen. Das Problem ist nur, wie findet man diese Monde mit ihren wunderschönen Namen?

Wer den Astronomical Almanac nicht sein Eigen nennt, kann im Internet online Ephemeriden generieren; die kleinen, äußeren Monde sind so weit von Jupiter entfernt, dass sie schlicht und einfach wie Kleinplaneten aufgesucht und fotografiert werden. Auch Starry Night ist durchaus nicht ungeeinget, zeigt aber leider nicht genug Sterne. Um die Umgebungssterne zu identifizieren, muss man den USNO-Sternkatalog verwenden, er reicht auch bis über die 20. Größenklasse hinaus.

Ich positioniere das Teleskop anhand der scheinbaren Rektaszension und Deklination der Monde (ich nehme mir heute die "helleren", also Himalia, Elara und Pasiphae vor) und nehme mit STAR2000 automatisch nachgeführte Aufnahmen von 2 bzw. 4 Minuten Belichtungszeit bei einem auf f/6.3 verkürzten Öffnungsverhältnis (F=1890mm) auf (2x2 Binning für die Aufnahme, 4x4 Binning für den Leitstern). Es sind jeweils etliche Sterne auf den Aufnahmen zu erkennen, leider vom Seeing ziemlich verwaschen, und auch jede Menge grauslicher Reflexe vom doch nicht so fernen Jupiter. Auf Dunkelstrom und Flatfield verzichte ich aus Zeitgründen, aber es sollen ja keine "schönen" Bilder werden, Hauptsache, die kleinen Monde sind drauf.

Ich nehme die erste Identifikation mit dem Aladin-Sternatlas des Centre de Données astronomiques de Strasbourg vor. Es gelingt mir, auf den Aufnahmen - jeweils deutlich unterhalb der Bildmitte, das ist klarerweise ein Aufstellungsfehler meines LX200 - einen "überflüssigen" Punkt mit der richtigen scheinbaren Helligkeit zu identifizieren, doch deutlich abseits der von JPL Horizons berechneten Position. Was ist da faul? Ich probiere die gleiche übung mit dem USNO-Katalog und der Star Atlas Funktion von AstroArt, gleiches Ergebnis, am Atlas liegt es also nicht (hatte ich auch nicht erwartet); also muss es an den Ephermiden liegen. Ich nehme den Natural Satellites Ephemeris Service der IAU, und siehe da, auf einmal passen die beobachteten Positionen ganz genau. Fazit: Die Ephemeriden des JPL sind bei weitem nicht so genau wie jene der IAU; ich bessere das gleich einmal auf unseren Astropraxis Online Seiten aus!

Hier noch einmal die verwendeten Internetseiten:

Für alle drei Ressourcen braucht man gute Astronomie- und Englischkenntnisse und auch eine ordentliche Porition an Intuition, was die Bedienung der Seiten anbelangt. Aber immerhin handelt es sich um Werkzeuge, mit denen auch Profis arbeiten. Es gibt auch Onlinedokumentationen.

Jetzt aber zu den Ergebnissen:


J VI - Himalia, 15,6 mag; starke Jupitereflexe.

Der nach der Nymphe Himalia benannte, nur 186km grosse Mond wurde 1904 von Perrine als 6. Jupitermond entdeckt. Er umkreist den Riesenplaneten in 11,5 Mio. km Abstand einmal in 251 Tagen. Himalia ist der hellste der äußeren Jupitermonde und derzeit 15,6 mag hell; kein Problem für eine 2 Minuten lang belichtete Aufnahme. Himalia steht Jupiter derzeit recht nahe, was zu den unangenehmen Reflexen im Bild geführt hat.


J VII - Elara, 17,6 mag; Hintergrund etwas aufgehellt.

Der nach der Nymphe Elara benannte, nur 76km grosse Mond wurde 1905 von Perrine als 7. Jupitermond entdeckt. Er umkreist den Riesenplaneten in 11,7 Mio. km Abstand einmal in 260 Tagen. Elara ist nur 17,6 mag hell und daher waren hier schon vier Minuten Belichtungszeit erforderlich und trotzdem geht der schwache Mond, vor allem wegen des Seeings, fast unter. Wie Himalia steht auch Elara am Rand des Bildfelds, aber zum Glück noch innerhalb -- ich habe nach der JPL-Ephemeride eingestellt! Wie war das mit den Marslandungen? Die schwächsten Sterne im Bild, sofern man sie noch als solche bezeichnen kann, haben ca. 18 mag.


J VIII - Pasiphae, 17,2 mag; wegen schlechterem Seeing mit 40 Iterationen Lucy-Richardson-Filter!

Der nach der Gattin des Minos und Mutter des Minotaurus benannte, nur 50km grosse Mond wurde 1908 von Melotte als 8. Jupitermond entdeckt. Er umkreist den Riesenplaneten in 23,5 Mio. km Abstand retrograd einmal in 735 Tagen. Das Seeing bei dieser Aufnahme ist schon sehr schlecht, so dass ich mich entscheide, einen Deconvolution-Filter einzusetzen: 40 Iteration mit dem Lucy-Richardson-Algorithmus machen die "hellen" Sterne (12 bis 14 mag) zwar zu grotesken Artefakten, bringen aber die schwächeren Pünktchen besser heraus.

Huch, das war knapp; mit den ungenauen Ephemeriden hätte ich um ein Haar daneben "geschossen", doch zum Glück habe ich die Monde alle noch erwischt. Weitere drei, mit viel Herausforderung vielleicht fünf, äußere Jupitermonde warten noch, und natürlich noch Amalthea, die eine ganz besondere Schwierigkeit darstellt.

Zum Abschluss nehme ich noch M104, den Sombreronebel, mit 4 Minuten Belichtungszeit auf, doch auch er leidet sehr unter dem immer schlechter werdenden Seeing.


M104, 4 Minuten, grauslich, nur zur Dokumentation der guten Durchsicht

Fortsetzung folgt!