| Bericht: |
Wie am Vortag, klart es auch heute Nacht nach einem eher wolkigen Tag auf; die Durchsicht ist
für Wiener Verhältnisse passabel und das Seeing besser als am Vortag.
Nachdem es mir gestern gelungen ist, drei der schwachen äußeren Jupitermonde mit meinem
12" LX200 aufzunehmen, möchte ich heute zu einem kompletten Rundumschlag ausholen und möglichst
alle dieser kleinen Monde, die in meiner Reichweite liegen, erfassen. Hoffentlich versteckt sich keiner!
Anders als gestern bereite ich mich gut vor; mit den Ephemeriden der IAU und Suchkarten, die ich mit
dem Sternatlas von AstroArt auf Basis des USNO-Sternkatalogs erstelle, geht es gezielt ans Werk.
Ich kann sofort entscheiden, ob die Position annähernd stimmt, und die gesuchte Stelle so
einigermaßen in die Mitte des Bildfeldes rücken. Sowohl der Atlas als auch die
Ephemeriden der IAU geben die Koordinaten bezogen auf J2000 aus; daher muss ich nach jeder
Einstellung am Fernrohr die paar Bogenminuten Präzession nachrücken. Für alle,
die sich fragen, warum ich nicht einfach Starry Night verwende: Die Bahnen der äußeren
Jupitermonde in Starry Night sind nur genähert, die Positionen stimmen nicht einmal ansatzweise. Wer
zu viel Zeit hat, kann die Bahnelemente der IAU in Starry Night übernehmen.
Ich verkürze die Brennweite mittels
zweier f/6.3 Reducer auf ca. 1 Meter, das gibt auch bei mäßigem Seeing kleine Sterne und
ein großes Bildfeld. Allerdings ist ein Flatfield unerläßlich und die Nähe
Jupiters macht sich oft sehr unangenehm bemerkbar. Es wird nicht leicht, ich muss aus der Stadt heraus
jenseits von 19mag kommen. Ob das gelingt?

Jupiter und J I - IV, 3s |
So kennen wir Jupiter. Drei Sekunden Belichtungszeit, der Planet und
die vier Galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Callisto sind überbelichtet.
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J VI - Himalia, 120s, 15,6 mag; starke Jupitereflexe.
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Himalia haben wir schon gestern besucht. Mit 15,6 mag ist sie keine allzu große
Herausforderung. Die Reflexe von Jupiter sind stark, doch zum Glück schattet irgend etwas
ab und gibt den Blick auf J VI ungetrübt frei. Kein Problem mit 120 Sekunden.
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J VII - Elara, 240s, 17,6 mag.
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Auch Elara hatten wir gestern schon. Heute macht sie mir keine so rechte Freude,
sie "versteckt" sich nahe einem 12,8 mag "hellen" Stern. Da tut sie sich mit ihren
17,6 mag schon etwas hart, aber es geht noch. Jupiter, weiter entfernt, hält
sich in Grenzen.
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J VIII - Pasiphae, 240s, 17,2 mag.
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Auch Pasiphae kennen wir schon, sie gestaltet sich unerwartet schwierig. Ob die
scheinbare Helligkeit stimmt? Ich würde ihr nicht mehr als 18,5 mag geben.
Wenigstens steht sie frei von helleren Sternen. So, das waren die drei bekannten
äußeren Monde, jetzt betreten wir schwieriges Neuland.
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J IX - Sinope, 2 x 240s, 18,6 mag.
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J IX - Sinope: Der nur 36km grosse Mond wurde 1914 von Nicholson als 9. Jupitermond entdeckt. Er umkreist den
Riesenplaneten in 23,7 Mio. km Abstand retrograd einmal in 758 Tagen. Die Nymphe Sinope widerstand
angeblich den Reizen des Zeus! Meiner Kamera widersteht sie (gerade noch einmal) nicht, obwohl sie
sich mit ihren 18,6 mag nahe eines 6,8 mag hellen Sterns versteckt, mit 2 x 240s Belichtungszeit ein echtes Monster,
und noch dazu ein Satellit glaubt, seinen Senf dazu geben zu müssen.
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J X - Lysithea, 240s, 19,1 mag.
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Es wird schwierig, wir bewegen uns jenseits der 19 mag. Der nur 76km grosse Mond Lysithea wurde 1938 von
Nicholson als 10. Jupitermond entdeckt. Er umkreist den Riesenplaneten in 11,7 Mio. km Abstand einmal in 259 Tagen.
Lysithea war eine Tochter des Okeanos und eine der zahlreichen Geliebten des Zeus. Trotz starker Jupiterreflexe im
Bild macht das 19,1 mag schwache Objekt keine besonderen Schwierigkeiten, das macht mir Mut.
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J XI - Carme, 240s, 18,1 mag.
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Carme und Zeus sind die Eltern der kretischen Göttin Britomartis.
Der nur 40km grosse Mond wurde 1938 von Nicholson als 11. Jupitermond entdeckt.
Er umkreist den Riesenplaneten in 22,6 Mio. km Abstand retrograd einmal in 692 Tagen. Mit 18,1
mag macht Carme keine besonderen Schwierigkeiten, Jupiter ist weit entfernt und daher gibt es
auch keine Reflexe.
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J XII - Ananke, 2 x 240s, 19,3 mag.
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Die Schicksalsgöttin Ananke ("Zwang") ist die Mutter der
Adrastea. Der nur 30km grosse Mond wurde 1951 von Nicholson als 12. Jupitermond entdeckt.
Er umkreist den Riesenplaneten in 21,2 Mio. km Abstand retrograd einmal in 631 Tagen. Mit 19,3 mag
ist Ananke eine Herausforderung und geht noch dazu in Jupiterreflexen fast unter. Ein Grenzfall, aber sie
ist zu erkennen.
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Das war eigentlich das Programm für einen Zwölfzöller. Doch
da ich Ananke schon auf einer 4-Minuten-Aufnahme erkennen kann (die hier
veröffentlichen Jpeg-Bilder haben leider nicht die gleiche Qualität
wie die rohen FITS-Bilder), wage ich noch ein Experiment. Eine Ephemeride zieht
mich noch in ihren Bann, doch es gilt, 21 mag zu erreichen. Ob das geht? Mein
bisheriger Rekord mit diesem Instrument liegt bei 20,1 mag bei 5 Minuten, ohne
Fokalreduktion, in Mariazell, aber an einem nicht perfekten Abend. Es ist einen
Versuch wert! Vier mal vier Minuten ...

Jupiter XIII - Leda, 4 x 240s, 21,0 mag |
Es ist ein eigenartiges Gefühl, ein Objekt aufzunehmen, an dessen
Entdeckungsmeldung man sich noch selbst erinnern kann (abgesehen von einem
Kometen). Der 13. Jupitermond, später Leda genannt, ist nur 16 km gross
und wurde erst 1974 von Charles Kowal entdeckt. Kann ich als Amateur einen
Planetenmond erreichen, der vor etwas mehr als 30 Jahren entdeckt wurde? So
schlecht waren die Instrumente doch damals nicht mehr. Und doch, ich kann!
Es ist zwar ein Grenzfall, dieses winzige, 21,0 mag schwache Pünktchen
auszumachen, aber es ist da, trotz heller Jupiterreflexe.
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Jupiter XIII - Leda, Ausschnittsvergrößerung |
40 Iterationen Lucy-Richardson-Filter bringen das schwache Objekt,
das gleichzeitig meinen Helligkeitsrekord darstellt, doch unverkennbar
heraus. Es ist ein erhabenes Gefühl, diesen kleinen Jupitermond zu
"sehen". Unglaublich, was die Amateurtechnik heute kann. Unglaublich aber
auch, was wir Amateuere alles gelernt haben.
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Ich habe heute Nacht Jupiter mit 12 Monden aufgenommen; Jupiter V, Amalthea,
fehlt noch, doch das ist eine ganz, ganz schwierige Sache, die CCD-Kamera allein
reicht da nicht aus; zu nahe bei Jupiter. Doch die Zahl ist insofern faszinierend,
als 12 die Anzahl der Monde des Jupiter war, die in meinem Mittelschulatlas stand
(abgesehen davon, dass es nicht sehr sinnvoll ist, derartige Zahlen zum Schulstoff
zu machen). Das war "damals" der Stand der Forschung. Und wurde heute Nacht, zu
Hause, in relativ kurzer Zeit nachvollzogen, auch wenn ich Amalthea durch Leda
ersetzt habe.
Zu den Namen habe ich unter www.monde.de
noch eine sehr interessante Geschichte gefunden: Erst 1976 bekamen [die äußeren Jupitermonde]
auch Namen. Dabei führte man das Prinzip ein, dass prograde (rechtläufige)
irreguläre Jupitermonde einen auf a endenden Namen bekommen, wohingegen retrograde (rückläufige) irreguläre
Jupitermonde einen auf e endenden Namen bekommen.
Sag noch einer, dass Astronomie nicht in jeder Hinsicht spannend ist ...
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