Jupiter - Digicamtest

Wien 12, 11. 05. 2005

20050511api22.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:11. 05. 2005
Zeit:22.00 bis 23.30 MESZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX-200, Minolta Dimage Z3
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Temperatur:+7 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Klar.
Bericht:

Ein verrückter Abend; noch vor kurzem hat es noch geregnet, doch es klart mehr und mehr auf. Es ist unangenehm kalt für die Jahreszeit und das Seeing ist nicht berauschend. Aber ein paar Tests sollten doch durchgeführt werden. Heute geht es um die Digitalkamera. Nachdem ich gestern auf der Universitätssternwarte damit angefangen habe, möchte ich heute erforschen, wie gut Aufnahmen vom Jupiter mit einer Digicam werden können.

Die Minolta Dimage Z-3 hat zwei Modi zur Mehrfachbelichtung; einer, bei dem man den Auslöser festhält und der Aufnahmen macht, bis man ausläßt. Und einen, der bei jedem Auslösen gleich einmal 10 Bilder macht. Und dann gibt es natürlich auch noch den Video-Modus.

Die Kamera wird mittels 52mm Adapter und Projektionsokular fix am Fernrohr montiert, Halten ist bei Dauerbelichtungen eher nicht angesagt.

Serie 1: Ich wähle den ersten Mehrfachbelichtungsmodus, stelle Jupiter ein und scharf, zoome hinein, bis Jupiter so richtig gross auf dem Sucher erscheint. Ich stelle die Auflösung auf 640 x 480 herunter, wegen der Bildgröße beim Stacken, und wähle beste Qualität. Los geht's. Nach etwas mehr als 180 Bildern zu je 1/50s Belichtungszeit bei 100 ISO lasse ich dann aus. Das Halten des Auslösers bringt zwar eine Bewegung ins Bild, die aber bei so kurzer Belichtungszeit nichts ausmacht. Das Seeing überwiegt.

Der Chip ist zu etwa 50 Prozent gefüllt, es geht zum Rechner. Auslesen der Bilder und rein ins Registax. Aha, Jupiter ist zu groß. Digitalzoom und leere Vergrößerung schlagen zu, aber so übel ist das Bild gar nicht. Jedenfalls besser als mit der Webcam und 2x Barlowlinse.


22.51 Uhr MESZ: 183 Bilder, 640x480 fine, je 1/50s bei 100 ISO. Originalgröße, Ausschnitt.

Mit geleertem Chip gehe ich erneut ans Werk. Besser fokussieren, nicht so stark vergrößern und mehr Bilder. Die nächste Serie ist schon 230 Bilder lang. Mindestens 500 hätten auf dem Chip bequem platz.


23.08 Uhr MESZ: 234 Bilder, 640x480 fine, je 1/50s bei 100 ISO. Originalgröße, Ausschnitt.

Dieses Ergebnis kommt schon an die Webcam heran, und, wie viele auch schon berichtet haben, es ist "weicher" als ein Webcam-Bild, die Kontraste sind zarter. Ich bereite mich auf Serie drei vor. Chip entleert, diesmal wende ich den zweiten Mehrfachbelichtungsmodus an. Er hat allerdings ein paar Nachteile: Kein Digitalzoom, dh Jupiter wird noch kleiner, aber das ist verschmerzbar bei 3m Brennweite. Sonst müßte ich halt ein anderes Okular nehmen. Was mehr schmerzt: Dieser Modus funktioniert nur bei voller Bildgröße (mindestens 1280 x 960). Vom Speicherplatz her ist mir das egal - Jupiter-Bilder enthalten so viel schwarzen Hintergrund, dass auch bei voller Auflösung mehr als 500 Aufnahmen auf den Chip passen. Aber beim Stacken wird der Vorgang bei der Bildgröße schon sehr langsam. Noch ein Effekt: Der Auslösemodus schaltet auf 400 ISO. Wahrscheinlich ein Bedienungsproblem, ich sollte doch das Handbuch studieren. Vorerst kürzer belichten. Wie auch immer; gut 50x drücke ich auf den Auflöser, das gibt rund 530 Bilder. Am Computer dann die traurige Erkenntnis, dass Registax (egal, ob 2 oder 3) nur 500 Bilder auf einmal nimmt. Also stacke ich 499 Aufnahmen, das Ergebnis kommt jetzt definitiv schon an die Webcam heran.


23.22 Uhr MESZ: 499 Bilder, 1280 x 960 fine, je 1/160s bei 400 ISO. Originalgröße, Ausschnitt.

Ich mache noch eine vierte Serie, im Video-Modus. Die Auswertung scheitert zunächst einmal daran, dass ich erst ein Programm auftreiben muss, dass MOV-Videos (QuickTime) in AVI konvertiert, und zwar möglichst verlustfrei. Doch schon vorab muss ich einige Nachteile feststellen; im Video-Modus arbeitet die Kamera weitgehend automatisch, es gibt kaum Einstellmöglichkeiten. Gut, der Autofokus läßt sich abstellen, aber es gibt keine manuelle Regelung der Belichtungszeit, abgesehen von plus/minus zwei Blendenstufen, da bleibt Jupiter immer noch viel zu hell.

So komme ich zu folgendem Ergebnis: Die Digicam taugt durchaus auch für Planetenaufnahmen, wenn man nicht weniger als 300 Bilder in rascher Folge aufnimmt. Gegenüber der Webcam ergibt sich zunächst kurzfristig der Vorteil, keinen Computer am Fernrohr zu brauchen. Der Vorteil relativiert sich rasch, wenn man bedenkt, dass gerade einmal eine Serie auf den Kamerachip passt (auch wenn man vielleicht einen 1GB-Chip verwenden würde, der 2000 bis 3000 Planetenbilder fasst: Ich möchte nicht suchen müssen, wo eine Serie endet und die nächste beginnt ...).

Fazit somit: Es geht auch, und zwar gar nicht so schlecht, aber die Webcam hat doch noch Vorteile. Das Optimum wäre wohl eine Webcam mit der Einzelbildqualität der Digicam. Es soll sehr gute Überwachungskameras geben. Ob sich da die nächste Generation der Planetenbeobachtung ankündigt?

Übrigens: Jupiter zeigt sich heute eigenartig langweilig mit auffallend "dünnen" Äquatorbändern! Auf den Aufnahmen ist Norden unten, Osten links.