"First Spektrum"

Volkssternwarte Mariazell, 12. 05. 2005

20050512swa21.html

Beobachter:EDER Günther, DiplIng. SIMOTTA Walter
Datum:12. 05. 2005
Zeit:21.00 bis 02.00 MESZ
Ort:Volkssternwarte Mariazell
Geogr. Länge:15° 19+ 34"
Geogr. Breite:47° 46+54"
Seehöhe:1008
System:
Instrument:Refraktor Astro Physics 130/1040mm St7E+DSS-7 Spektrograph
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.0
Temperatur:4,5 °C
Luftfeuchtigkeit:65
Wind:maessig aus W

Bericht:

Beobachten war vorgestern, das Aufnehmen von Pretty Pictures und Fotometrieren gestern - ab heute hat das Zeitalter des Spektroskopieren begonnen.

Na Spaß beiseite, ich werde auch in Hinkunft noch durchs Teleskop gucken und Bilder aufnehmen. Aber heute ist er endlich eingetroffen, der schon vor einem halben Jahr bei SBIG georderte nagelneue Spektrograph DSS-7. Da wurde er zu Mittag schnell aus dem Versandkarton geschält, die alte St7E hervorgekramt und die beiden Geräte fachgerecht zusammengesetzt.

Nachdem ich kurz mit meinem bewährten Beobachtungspartner DiplIng. Walter Simotta in Wien telefoniert und ihm die Neuigkeit erzählt hatte war dieser auch schon nicht mehr zu halten. Schnell ab ins Auto - und am Abend stand Walter schon vor der Tür.

Um 21.00 Uhr legten wir dann los; der Spektrograph wurde an den 5" Astrophysics Refraktor montiert und wir schickten uns an dem Spektrographen sein "First Light" zu verpassen.. Anfangs war natürlich alles ein wenig schaumgebremst zumal sich gleich mal das Problem der Schärfeeinstellung und der Justage des Spektrographen bot. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Anfänge meiner CCD-Karriere (="wo ist er denn nun der endgültige Schärfepunkt?") Es wurde am Spektrographen fleißig rumgeschraubt. Schlussendlich war es aber dann gegen 23.00 Uhr soweit: Nach mehrfachem Kurzstudium der etwas dürftigen Betriebanleitung des Spektrographen erschien das erste brauchbare Spektrum von Pollux am Bildschirm.

Voll motiviert machten wir weiter: Regulus, Algieba, SAO 81002, SAO 81004, Arktur.

Mittlerweile hatten wir auch das Messprogramm des Spektrographen in seinen Grundzügen durchschaut und wir begannen die absichtlich unterschiedlich ausgesuchten Spektralklassen einander gegenüberzustellen. Recht deutlich konnten wir etliche Absorptions- und Emissionslinien feststellen; ein genaues Vermessen und Zuordnen der Graphen an einzelne Elemente scheiterte vorerst noch an der Unkenntnis der Programmroutinen.

So produzierten wir einfach weiter verschiedene Spektren und wagten uns an schwächere Sterne heran. Nachdem wir auch hier Erfolg hatten ging es ans Eingemachte: Messier 97 wurde in den Spalt des Spektrographen gefahren + ein erstes Spektrum eines planetarischen Nebels aufgenommen. Gleich stellten wir das Spektrum einem im Programm als Beispiel vorhandenen Spektrum von Messier 57 gegenüber und konnten einige Übereinstimmungen feststellen. Dieser Erfolg schrie fast nach einem abschließenden Höhepunkt: So wurde die Paramount zu NGC 2903 dirigiert und die recht schwach am CCD-Chip dargestellte Galaxien im Spalt des Spektrographen zentriert. Und dann warteten wir gespannt auf das Ergebnis. Wider Erwarten baute sich am Display ein deutlich strukturiertes Spektrogramm auf + wir waren voll beeindruckt.

Inzwischen war die Nacht bereits ziemlich fortgeschritten und wir entschlossen uns dann doch noch gegen 02.00 Uhr die Sternwarte wieder zu schließen.

Fazit: Spektroskopieren ist VOLL GEIL + in der Kuppel riecht es dabei direkt ein wenig nach Wissenschaft. Wenn wir jetzt noch das Steuer- und Auswertungsprogramm in seiner Vielfalt vollständig beherrschen steht dem Spektroskopieren von Supernovae am großen Rohr wohl nichts mehr im Weg+. unsere Sternwarte ist wieder mal in neue Dimensionen vorgestoßen.

Günther EDER



Das DSS-Auswertungsprogramm

Spektrum von Arktur (oben) und Regulus (unten)

Der DSS-7 Spektrograph mit ST7E am Astrophysics Refraktor



DiplIng. Walter Simotta / Dss-Spektrograph