| Beobachter: | Wolfgang Vollmann | ||||||
| Datum: | 12. 05. 2005 | ||||||
| Zeit: | 00.15 MESZ | ||||||
| Ort: | Wien 21 | ||||||
| Instrument: | Refraktor 130/1040mm | ||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Ein kleines Beobachtungsprojekt von mir ist das Aufsuchen von Quasaren und anderen AGN (active galactic nuclei; Kerne aktiver Galaxien) mit meinem 130mm Refraktor. Mein bisheriger "Rekord" für weit entfernte Objekte mit hoher Rotverschiebung war der Blazar 3C 66A in der Andromeda (siehe meine Quasar-Seite): mit z=0,444 ergibt sich mit dem "Kosmologie-Rechner" von Ned Wright bei Standardparametern eine Lichtlaufzeit (Entfernung) von 4,6 Milliarden Jahre -- also konnte ich Licht sehen das etwa so alt war wie das Sonnensystem und die Erde (z = Rotverschiebung, alle anderen Parameter auf Standardwerten lassen und "General" drücken). In Andreas Müllers "Lexikon der Astrophysik" wird aber von "hochrotverschobenen" Objekten erst bei einer Rotverschiebung z grösser als 1,0 gesprochen -- da war das Universum gerade einmal halb so alt wie heute! Gibt es ein Objekt mit z > 1,0 das mit dem 130mm Refraktor erreichbar ist? In Interstellarum Nummer 15 beschrieb Wolfgang Steinicke einen so besonders hochrotverschobenen Quasar: PG 1634+706 im Sternbild Drache (der Quasar-Artikel von Wolfgang Steinicke ist auch hier lesbar). PG 1634+706 (PG = Palomar Green) findet sich am Ort (J2000) 16h34m29.0s +70°31'32". Er bleibt auch in grösseren Fernrohren sternartig. Die Rotverschiebung wurde mit z = 1,34 gemessen -- das entspricht einer Lichtlaufzeit von etwa 9 Milliarden Jahren! (siehe Simbad-Datenbank-Eintrag). Die dort angegebene V-Helligkeit von 14,7mag stimmte mich aber nicht gerade optimistisch -- das ist jenseits meiner Möglichkeiten mit dem "kleinen" Refraktor.... Nun schrieb mir aber Klaus Wenzel dass er dieses Objekt mit seinem 12-Zöller schon mit 14,2mag gesehen hätte! Also kam der Quasar auf meine Liste. Am Abend des 9.Mai war es ausserordentlich klar: eine Kaltfront war durchgezogen und hatte den Himmel "geputzt" -- selbst von meinem Balkon am nördlichen Stadtrand von Wien gab es im Zenit eine freisichtige Grenzgrösse von 5,5mag. Der Drache stand auch hoch oben wo die Sicht am besten und der Himmel am dunkelsten ist. Ich tastete mich zunächst bei 35-facher Vergrösserung mit dem Uranometria-Sternatlas in die Gegend des Quasars bis zu den beiden Sternen 8.Grösse auf der Karte -- sie sind rechts oben am Kartenrand sichtbar. Danach wechselte ich auf 208-fache Vergrösserung und suchte mit der folgenden Karte weiter. Aufsuchekarte für PG 1634+706, erstellt mit dem Aladin Himmelsatlas: Was hab ich nun gesehen? Stern A ist im GSC mit 12,9mag angegeben: er war bei 208x leicht sichtbar. Auch Stern B war kein Problem -- eindeutig erkennbar (im GSC mit 13,8mag angegeben). Am Ort des Quasars Q konnte ich nach kurzer Beobachtung eindeutig bei indirektem Sehen ein Pünktchen sehen: ein sternförmiges Objekt war dort zu halten! Ebenfalls sehen konnte ich den Stern C, der laut GSC 14,4mag hell ist. Den Quasar schätzte ich in der Helligkeit zwischen B und C, etwas heller als C, also mit diesen Vergleichssternhelligkeiten etwa 14,2 oder 14,3mag hell. Ich hatte den Quasar gesehen und damit (vermutlich) 9 Milliarden Jahre altes Licht -- es wurde ausgesandt bevor es die Erde gab -- ist ganz schön viel passiert seither bis es bei mir angekommen ist! Am Abend des 11.Mai wiederholte ich bei fast genauso guten Bedingungen meine Beobachtung -- auch an diesem Abend war der Quasar klar und eindeutig als schwaches Lichtpunkterl zu sehen. Natürlich sind die benutzten Helligkeiten aus dem GSC (Hubble Space Telescope Guide Star Catalog) nicht besonders genau -- sie sind mit ± 0,4mag angegeben. Aber anscheinend gibt es noch keine genaue Photometrie von Vergleichssternen in diesem Feld, zumindest konnte ich nichts finden. Und da ist der GSC besser als nichts.....
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