| Beobachter: | Alexander Pikhard, Natalie Ebner | ||||||||||||
| Datum: | 19. 05. 2005 | ||||||||||||
| Zeit: | 20.00 bis 23.30 MESZ | ||||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX-200, Minolta Dimage Z3, Philips ToUCam pro | ||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Was gibt es schöneres, als nach Tagen schlechten Wetters wieder klaren Himmel zu sehen? Der schon ziemlich volle Mond steht am hellen Dämmerungshimmel, und was ist denn das daneben? So auffällig, dass mein Telefon öfter als üblich läutet und Mitglieder wissen möchten, was das ist. Nun, wer den Himmel regelmäßig verfolgt (oder auch unsere Homepage liest - da gibt es eine Spezialseite dazu) weiß, dass das der Planet Jupiter ist. Was für eine Gelegenheit, die Bewegung der Gestirne im Lauf eines Abends zu verfolgen.
Die Aufnahmen entstanden mit der Digitalkamera (Minolta Dimage Z3) mit Äquivalentbrennweite 600mm, 100 ISO, F/4.5 und 1/400s. Was aber sagen sie uns? Erstens zeigen sie uns, dass Jupiter wesentlich weiter vom Mond entfernt ist, als er uns mit freiem Auge erschienen ist. Die subjektive Vergrößerung des Mondes, die in unserem Gehirn stattfindet und den Mond um einen Faktor 3 bis 7 (je nach Umgebung) vergrößert, bleibt beim Foto natürlich auf der Strecke. Darum vergrößern ja Planetarien den Mond wirklich (Starry Night z.B. um einen Faktor 7, das kann man aber ändern). Auch Zeiss-Projektoren vergrößern den Mond.
Zweitens zeigt uns die Aufnahme gleich zwei Bewegungen. Vom Stativ aus fotografiert, ist oben auf den Aufnahmen die Richtung zum Zenit. Da in den drei Stunden der Aufnahmeserie Mond mit Jupiter in Folge der Erddrehung von Südosten nach Südwesten gewandert ist, "dreht" sich die Richtung nach Norden von "links oben" nach "rechts oben". Wir erleben hier die klassiche Demonstration der Bildfelddrehung, die nur durch eine richtig eingenordete, parallaktische Montierung ausgeglichen werden kann. Die zweite Bewegung ist die des Mondes um die Erde. Der Mond legt in einer Stunde eine Strecke zurück, die seinem eigenen scheinbaren Durchmesser entspricht. Er zieht an diesem Abend "unterhalb", also südlich des Mondes vorbei - weit von einer Bedeckung entfernt. Beide Bewegungen lassen sicht nicht trennen und ergeben, zusammen, ein interessantes Bild:
Der Mond steht übrigens in einer sehr schönen Phase, leider erlaubt recht schlechtes Seeing keine Detailaufnahmen. Ein Schnappschuß durch das 12" Meade mit 50mm Plössl zeigt aber auch schon sehr schöne Details.
Bemerkenswert sind Sinus Iridum, Kepler und Gassendi nahe am Terminator. Jetzt zu Jupiter; auch hier gibt es Bewegungen zu beobachten, und zwar die Rotation den Planeten. Leider ist das Seeing nicht so gut, daher zeigen die bei F=4,5m gewonnenen Webcambilder nicht so viele Details wie sonst.
Wieder ist Norden unten und Osten links (bezogen auf Jupiter, nicht auf das Bild), Jupiter dreht sich in der Aufnahmeserie also von links nach rechts. Die Drehung im Positionswinkel (in der Aufnahme von 22.09 Uhr stehen die Bänder schräg, in jener von 23.39 Uhr waagrecht) kommt wieder von der Bildfelddrehung durch die azimutale Montierung des Teleskops. Die Richtung nach unten weist genau zum Zenit. Jeweils rund 300 Frames à 1/25s, verkleinert wiedergegeben. Im Lauf des Abends erscheint also der GRF und auch der Schatten von Europa wird sichtbar. Europa selbst ist übrigens der helle, runde Fleck genau an der Grenze des NEB zur NTrZ, sie erscheint als kleine helle Bucht, um 22.09 nahe dem Zentralmeridian, um 23.39 Uhr schon recht randnah. Der GRF ist also gegen 23 Uhr erschienen. Bei 9 Stunden 50 Minuten Umlaufzeit sollte er also morgen am frühen Abend wieder zu sehen sein -- fein, da sind wir auf der Universitätssternwarte und der Wetterbericht ist sehr gut! Schön, wie kurzweilig ein Astronomieabend sein kann. |