Jupiter und Galaxien

Edlach/Rax, 27. 05. 2005

20050527sfl21.html

Beobachter:Dr. Thomas Schröfl
e-Mail:schroefl@via.at
Datum:27. 05. 2005
Zeit:21.30 MESZ
Ort:Edlach/Rax
Geogr. Länge:15 48 11
Geogr. Breite:47 41 21
Seehöhe:600
System:
Instrument:Celestron NexStar11GPS
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:19 °C
Luftfeuchtigkeit:65
Wind:kein
Bericht:

Nach einem verregneten Webcam-Workshop in Mariazell und einem ebenso +gelungenem+ NTT auf der Ebenwaldhöhe ist der Hunger auf eine Beobachtungsnacht schon unerträglich. Endlich prophezeien ORF und BOLAM Gutes. Freitag mittags breche ich mit Tochter Mariella nach Edlach auf. Dank Fenstertag kein Stau auf der Tangente und wolkenloser blauer Himmel. Nur um die Rax zeigen sich einige Quellwolken, die sich aber erfahrungsgemäß in der Abendkühle auflösen und sie tun es auch tatsächlich. In der Nachmittagssonne ist es am Astrodach unerträglich heiß aber nach Sonnenuntergang wird alles vorbereitet, damit dann alles schnell geht. Gegen 21:00 erscheint Jupiter am Himmel, ca. + Stunde später Akturus und weitere Sterne, Zeit mit dem Alignment zu beginnen, das ich diesmal sehr präzise vornehme, denn mein heutiges Ziel sind die Galaxien in Leo und Virgo.

In der letzten Dämmerung geht es zunächst noch zu Jupiter, wo sich ein reizvoller Anblick bietet. Knapp neben Jupiter Io und dann in einer markanten Dreiecksstellung Europa, Ganymed und Callisto. Leider wie sooft ist das Seeing hier in den Alpenausläufern nicht gerade planetentauglich. Nur mit viel Mühe läßt sich etwas mehr als die zwei großen Wolkenbänder sehen. Im Hinterkopf dräut dabei der Gedanke wie ich dieses Problem bei der Marsopposition angehen werde; wohl von Wien aus. Aber jedenfalls kann Mariella schon ungeduldig einen Blick durchs Teleskop werfen, denn der Rest des Abends wird nicht gerade für Kinder geeignet sein.

Nun ist es vollständig finster und ich peile das erste Ziel an, das Leo-Triplet, M 65, M 66 und NGC 3628. M 65 und 66, nur 20 Bogenminuten getrennt stehen wunderschön gemeinsam im Okular. Abwechselndes direktes und indirektes Sehen zeigt jeweils den Kern und die schwachen Ausläufer. NGC 3628 ist da schon etwas schwieriger, aber visuell das interessanteste Objekt von den dreien. Längeres entspanntes Beobachten offenbart eine recht große edge-on Galaxie, deutlich größer als M 65 und 66, in der Mitte durch ein Staubband geteilt. Groß ist Mariellas Enttäuschung als sie trotz mehrfacher Versuche und genauer Anleitung nichts von den Galaxien sieht. Zuerst Tränen und dann als Alternative der CD-Player. Eine ungewöhnliche Beobachtungsnacht. Während ich Galaxien jage dringen leise Kinderlieder an mein Ohr und Mariella singt dazu grauslich falsch; eine Mischung aus kosmischer Harmonie und gesanglicher Disharmonie.

Mit Stoyans Neuauflage des Deep Sky Reiseführers geht es nun zu den Virgo- Galaxien, nicht jedoch ohne vorher einen Blick auf γ-Virginis, Porrima, zu werfen. Kurz nach dem Periastron im Februar, ca. 0,4+ getrennt, ist mir + jedenfalls beim heutigen Seeing + auch mit 11 Zoll keine visuelle Trennung möglich.

Nun arbeite ich die erste Objektliste im Stoyan ab (S 275). M 61 zeigt einen diffusen Kern doch visuell sind die Spiralen nicht erkennbar. Der Quasar 3C 273 hat seinen Reiz, auch wenn er nur wie eines von vielen Sternpünktchen erscheint, aber das Wissen 2,5 Mrd. Lj. in die Vergangenheit zu blicken macht es aus. Ich will mich aber heute nicht der Mühe und dem Zeitaufwand unterziehen eines dieser vielen Pünktchen als Quasar zu identifizieren. So gebe ich mich damit zufrieden ihn gesehen zu haben, auch wenn ich nicht weiß welcher der Punkte es war. Das bleibt ein Thema für einen eigenen Abend und eine gute Aufsuchkarte, die mindestens bis 13mag reichen muß. M 49 ist zwar eine der hellsten Galaxien in Virgo, läßt aber außer einem hellen Kern mit einem umgebenden diffusen Nebel keine weiteren Details erkennen. Ähnliches gilt für NGC 4526. M 104 ist hingegen natürlich ein Paradeobjekt. Leider nur mehr rund 25° über dem Horizont sind die Sichtbedingungen alles andere als optimal, aber +Hut+ und Staubband sind deutlich zu erkennen. NGC 4697 ist ein nicht sehr aufregendes diffuses Nebelfleckchen und NGC 5746 sollte eine Galaxie in Kantenlage sein, zeigt aber auch nicht viel davon.

Gegen Mitternacht trete ich den Rückzug an mit der Absicht mir morgen Stoyans Liste des Virgo-Galaxienhaufens vorzunehmen und auf der Außenmontierung zu versuchen, diesen auch auf Film zu bannen.