| Beobachter: | Roland Graf, Alexander Pikhard | ||||||||||||||||
| Datum: | 28. 05. 2005 | ||||||||||||||||
| Zeit: | 21.00 bis 00.30 MESZ | ||||||||||||||||
| Ort: | Hohe Wand, beim Gasthof Postl | ||||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Philips ToUCam Pro | ||||||||||||||||
| Bedingungen: |
| ||||||||||||||||
| Bericht: | Ein herrlicher Sommertag, warm und wolkenlos, noch dazu Samstag: Was will das Beobachterherz mehr? Ach ja, frühere Dunkelheit. Aber sonst passt alles. Wir finden uns heute wieder auf der Wiese vor dem Gasthof Postl auf der Hohen Wand ein. Heute geht der Mond erst sehr spät auf, daher besteht heute Gelegenheit, den Platz auf Dunkelheit zu testen. Wenn es einmal dunkel ist ...
Zum Glück haben wir Abwechslung in der langen Dämmerung: Ein Transit samt Schattenvorübergang von Io steht an, dazu eine recht seltene Sache, nämlich eine sichtbare obere Konjunktion von Callisto. Jupiter sorgt für die nächsten Stunden also für Unterhaltung. Ich halte die ersten Höhepunkte dieser Jupitermondnacht bei recht gutem Seeing mit der Webcam fest, Brennweite 4,5m. Allerdings gibt es ein technisches Problem, das sich erst beim Stacken bemerkbar macht: Grausliche Artefakte in Form von Helligkeitsstufen in den Bildern, ich weiss nicht genau, woran es liegt, muss es erst untersuchen. Callisto nähert sich auf den Aufnahmen (Norden ist unten, Osten links) von rechts dem Jupiter und ist künstlich nachverstärkt, Io wandert von links nach rechts über Jupiter.
Ein Effekt, der sonst kaum erkennbar ist, macht sich heute deutlich bemerkbar: Als Folge der weiten Öffnung des Jupitersystems sind auch die Bänder auf dem Jupiter "durchgebogen". Io beginnt mit dem Durchgang deutlich im NEB, verläßt es aber dann in den Rand zur EZ und kommt erst gegen Ende des Transits wieder ins NEB.
In weiterer Folge beobachten wir das Wandern des Schattens über den Planeten; blickweise ist Io selbt zu erkennen, vor allem im 18" Dobson von Roland, allerdings nur in Momenten guten Seeings, die letzt langsam leider seltener werden.
Das Ende des Schattenvorübergangs und das Ende der Verfinsterung von Europa beobachten wir nicht mehr; andere Ziele warten. Callisto hat ihre Konjuktionsstellung schon fast erreicht. Ein Iridiumflare -4mag in der Cassiopeia findet zeitgleich mit dem Transitende von Io statt. Doch jetzt ist es dunkel geworden; es ist leider etwas dunstig, daher kommt die Milchstraße nicht so toll heraus, wie sie könnte. Die Aufhellung im Süden von Neunkirchen und im Nordosten von Wr. Neustadt stört nicht sehr, ebenso wenig wie das Licht vom Gasthof Postl. Das belegen auch zwei 30-Sekunden-Aufnahmen der Szenerie:
Nachdem ich erkannt hatte, dass meine Deep Sky Objekte deswegen so "flau" ausschauen, weil ich noch den Violettfilter von der Jupiterbeobachtung im Okular hatte, kann es so richtig los gehen, und wir beobachten visuell die "Klassiker" der Jahreszeit:
Tut das gut, wieder einmal bei dunklem Himmel visuell Deep Sky zu beobachten. Schade, dass es so spät finster wird! Damit bleiben um diese Jahreszeit solche Nächte auf Freitag und Samstag beschränkt. Abbau gegen ein Uhr, zum Glück ist man von hier sehr rasch in Wien. Fazit: Dieser Platz ist durchaus Deep Sky tauglich; nicht so gut wie die Ebenwaldhöhe (oder der Parkplatz beim Wildgehege), aber die Vorteile überwiegen meist. Zu Hause angekommen, begrüßt mich noch der aufgehende Mond.
Was für eine Sommernacht ... (dabei ist astronomisch noch gar nicht Sommer) |