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Kaum sind die ersten Sterne zu sehen, beginne ich auf der Außensäule die GP-DX fototauglich einzurichten, denn fotografisch habe ich für heute den Virgo-Galaxienhaufen vor und zwar mit einer Nikon F3 mit 180mm Tele und Kodak E200. Ein kleines Hasard ist eingeplant, nämlich statt klassisch die Montierung einzuscheinern, die elektronische Poljustierung des Vixen Skysensors zu verwenden. Für alle Interessierten kurz die Methode: Menü Teleskopkonfiguration: Monierungseinstellung: parallel nicht poljustiert; dann normales Two-Star-Alignment; nach dem letzten Referenzstern wieder Menü Teleskopkonfiguration und umstellen auf poljustiert; dann mit dem GoTo Befehl nochmals den letzten Referenzstern anfahren; die Abweichung gegenüber dem Fadenkreuz entspricht der Fehlstellung der Polachse; mit den Justierschrauben (!) den Stern wieder ins Fadenkreuz bringen. Erst die Filmentwicklung wird zeigen wie genau diese Methode ist. Die mögliche Fehlerquelle liegt in Ungenauigkeiten der Montierung beim Anfahren im GoTo-Betrieb. Mangelnde Übung läßt mich noch einige Zeit damit verbringen die SBIG STV am eFinder montiert zum Autoguiden zu bringen; vor allem ein Spiel mit den Backlash-Einstellungen bis die Korrekturausschläge so gering wie möglich werden. Ein Tip für alle STV-User. Das Fokusieren des eFinders durch 2 Feststellschrauben und Verschieben der Linse in der Extension-Tube ist beim Preis der STV schlicht eine Zumutung. Abhilfe schafft ein Drehfokusierer von William und eine entsprechende Hülse, die die eFinder-Linse auf die richtige Distanz zum Chip bringen und bequemes Scharfstellen auch bei Kälte und mit Handschuhen ermöglichen. Kamera und Fernrohr habe ich schon bei Tageslicht am Sendemast auf der Rax zueinander ausgerichtet, also ist nur mehr ein GoTo in die Mitte des Galaxienhaufens erforderlich. Es folgen zwei Aufnahmen mit f4 30min ohne und 60min mit IDAS-Filter. Dann heißt es warten auf die Entwicklung. Wie schon gestern ist der Deep Sky Reiseführer eine willkommene Hilfe (S 279ff). Erstes Ziel sind die Galaxien um das +große T+, beginnend mit M 99, die deutlich einen Kern zeigt und als diffuse Umgebung die nicht auflösbaren Spiralarme. M 98 ist wesentlich schwächer als M 99 und nur als diffuser Nebel erkennbar. Noch mühsamer ist das Galaxienpärchen NGC 4302 und 4298, beide sind nur indirekt zu sehen. M 100 bietet auch nur einen hellen Kern mit einem diffusen Umfeld ohne die Spiralstruktur erkennen zu lassen. Einzig M 85 läßt deutlich ein helles Zentrum und eine ovale Nebelumgebung erkennen. Langsam wird mir klar, daß beim tiefen Stand Ende Mai und leichtem Dunst wohl nicht mehr zu erwarten ist. Nächste Station ist das Zentrum des Virgo-Haufens und die Markarian-Kette. M 84 und 86 passen als nahestehendes Pärchen gut gemeinsam in das Gesichtsfeld des Panoptic 35mm, zeigen einen stellaren Kern aber sonst diffus. Die Galaxien NGC 4435 und 4438 kann ich bei indirektem Sehen gerade noch als Galaxien identifizieren. Gleiches gilt für NGC 4458 4473 und 4477. Wesentlich mehr geben M 87 und 88 her, zwei leuchtkräftige Mitglieder der Gruppe, auch wenn sie wenig an Details erkennen lassen. Zum Abschluß nehme ich mir noch den östlichen Bereich mit M 58, 59, 60, 89, 90 und 91 sowie NGC 4762 vor. Bei M 91 ist es ja zweifelhaft, ob hier Messier nicht ein Fehler unterlaufen ist. Alle Galaxien des östl. Bereiches bieten heute kein aufregendes Bild. Also warten bis April 2006 und hoffen auf besseres Wetter zum richtigen Zeitpunkt.
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