| Beobachter: | Dr. Thomas Schröfl | ||||||||
| Datum: | 03. 06. 2005 | ||||||||
| Zeit: | 22.00 bis 03.30 MESZ | ||||||||
| Ort: | Sternwarte Mariazell
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| Instrument: | Optolyth-Refraktor 100/700mm, Pentax 75/500 SDHF | ||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Nach einer Verkehrsschlacht aus Wien heraus + 2 Stunden bis Edlach + geht es dann flott in 45min nach Mariazell auf die Sternwarte, wo mir Kurt schon ein Kotlett und eine Eitrige auf den Grill gelegt hat. In schöner Abendstimmung bringen wir die Grillage hinter uns, nicht ohne Fachsimpelei. Charlotte hat mit ihrem NexStar 8i heftigste Probleme bei der GoTo-Genauigkeit und ich sage zu mir die Sache einmal anzusehen, sobald es dunkel genug ist. Inzwischen baue ich meine beiden Refraktoren auf. Für den Pentax kam heute die Schelle, die ich in Edlach noch schnell auf die Baader-Schiene geschraubt habe. Da ist aber eine bessere Lösung als nur eine Schraube notwendig, doch da die Löcher nicht passen wird mein Schlosser wieder etwas zum Basteln haben. In der Abenddämmerung entdecken wir Venus knapp über dem Horizont. Es ist +Vollvenus+, aber allzuviel ist bei dem lausigen Seeing nicht auszumachen. Dann kommt der Check von Charlottes C 8i. Alle Einstellungen sind ok. Das Alignment mache ich präzise mit Fadenkreuzokular. Trotz Realignment ist das angefahrene Objekt statt im Zentrum gerade noch am Rand des Gesichtsfeldes und das bei nur 60x. Ich empfehle den vorgeschlagenen Austausch gegen ein Neugerät in Anspruch zu nehmen, zumal schon mehrmals ergebnislos die Elektronik getauscht wurde. Dann gehe ich selbst auf die Jagd. Am Optolyth das Bino mit den beiden Televue Zoom 8-24mm und am Pentax die Pentax-Okulare 10,5, 14, und 21mm je nach Bedarf. M 52 ein offener Sternhaufen in der Cassiopeia, auch Salt and Pepper genannt, mit zahlreichen Sternen der Magnitude 7 und 13 Bogenmin. Durchmesser, der seinen Spitznamen sehr zurecht trägt. M 103 in der Ausdehnung ähnlich M52, insgesamt ca. 170 Sterne mit einigen sehr hellen locker verstreuten Sternen; im Durchschnitt auch Mag 7. Da ich schon in der Nähe bin geht es weiter zu Gamma Cygni und Albireo und zum Abschluß zu NGC 7000. Gamma Cygni zeigt leicht die ihn umgebende nebelige Region; Albireo ist wie immer eine Farbenpracht. Der Nordamerikanebel hat heute im Vierzöller keine Chance, da sind wesentlich bessere Bedingungen vonnöten. Der Kugelsternhaufen M 13, immer wieder ein Prachtobjekt, ist aber beim heutigen Seeing nur in Ansätzen aufzulösen. Wesentlich mehr gibt heute der Coathanger oder Brocchi+s Cluster her, ein Paradeobjekt für Richfield-Refraktoren mit fast 2 Grad Ausdehnung und den hellen Sternen um die 5. Magnitude. M 39 über 30 Sterne, die helleren im Bereich von 5-6mag tummeln sich über ein knappes Grad verstreut. M 11 der Wild Duck Cluster, eines meiner geliebtesten Objekte in der Sommermilchstraße, besteht aus über 3000 Sternen, die sich auf 17 Bogenminuten drängen. Der tiefe Stand, das heute sehr mäßige Seeing und Mag 7 sind aber nicht die idealen Voraussetzungen für 3 bzw. 4 Zoll Öffnung. Das sieht in meinem C11 schon anders aus. Der tiefstehende Adlernebel M 16 ist im Horizontdunst leider nicht allzu deutlich auszumachen. M 23 ist wiederum ein sehr schöner offener Haufen, der erst bei weitem Gesichtsfeld so richtig zur Geltung kommt. M 25 ein weiterer offener Sternhaufen besticht vor allem durch eine Reihe von recht hellen Sternen der Magnitude 4,5. Der Lagungennebel M 8 ist indirekt recht gut zu sehen mitsamt einem netten kleinen Sternhaufen an seinem südöstlichen Rand; nicht erkennbar ist hingegen der Trifidnebel M 20. Hier machen sich wiederum der tiefe Stand und der Dunst ungut bemerkbar. Der Kugelsternhaufen M 22 erleidet das gleiche Schicksal wie schon M 13, dank des schlechten Seeings kaum aufzulösen. Am Weg zu M 80 schaue ich bei Rho Ophiuchi und Antares vorbei, deren Nebelgebiete wohl der Fotografie vorbehalten sind. Der Kugelsternhaufen M 5 gibt noch einen schönen Anblick. Die offenen Sternhaufen M 6 und M 7 verlieren jedoch durch den tiefen Stand und Dunst sehr an Wirkung. Wie immer wenn in Mariazell Starpartycharakter aufkommt, wird natürlich sowohl bei den anderen mitgespechtelt und immer wieder auch in die Kuppel geschaut. Ein Abstecher, der diesmal besonders interessant war, denn seeingbedingt mußte in dieser Nacht die Fotografie ruhen, dafür war umso mehr visuelles Beobachten angesagt. Und natürlich wird das Beobachten auch regelmäßig zum Plaudern unterbrochen. Buße für diese Starry Night, die erst gegen 4:30 im Bett endete, tat ich am nächsten Tag beim Workshop über Starry Night, als immer wieder die Müdigkeit hochkam. Doch das nimmt man für eine solche gesellige astronomische Nacht gerne in Kauf.
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