Astronomische Sommernacht im Biergarten

Wien 7, Spittelberg vor Amerlinghaus und Plutzerbräu, 20. 06. 2005

20050620api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:20. 06. 2005
Zeit:21.30 bis 23.00 MESZ
Ort:Wien 7, Spittelberg vor Amerlinghaus und Plutzerbräu
Instrument:18" Starsplitter Dobson mit 8" Newton "Sucher"
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:+25 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Eine klassische (fast)Sommer-(fast)Vollmondnacht
Bericht:

Sommertage, Sommernächte - unter diesem Motto stand heute Abend unser Astrotreff; im Vortrag erfuhren wir, warum Sommernächte so kurz sind, warum Vollmondnächte im Sommer so "romantisch" sind, warum der Mond im Sommer größer empfunden wird als in anderen Jahreszeiten, und vieles mehr. Es ist ein wunderschöner, lauer Abend. Wir können es nicht lassen; nach dem Vortrag stellen wir, dem engen Gassengewirr des Spittelbergs trotzend, Rolands 18" Dobson auf. Trotz seiner Größe ist das Instrument so mobil, dass wir, quasi im Sinn einer Nachführung, Hindernissen großräumig ausweichen können.

Einmal mehr kommt die Volkssternwarte zum Volk, einmal mehr gelingt es uns, Interesse für den Sternenhimmel (wieder) zu erwecken.


Wie im Sketch: Stellen wir uns zusammen, starren wir nach oben, und warten wir, was passiert. Nein, da ist keine versteckte Kamera!


Und jetzt wird auch noch eine seltsame Gerätschaft aufgebaut. Nein! Das ist nicht, wofür es manche halten!

Ein Dobson ensteht hier, inmitten der einladenden Gastgärten einer der schönsten Gegenden Wiens (da unsere Homepage auch im Ausland gelesen wird: Beim Wien-Besuch unbedingt den Spittelberg einplanen!)

Das - astronomiefreundliche - Licht der Natriumdampflampen hüllt die ganze Szenerie wärmend ein und verstärkt die Stimmung dieser Sommernacht noch mehr.

Die ersten Gäste werden neugierig ...

Jupiter ist das Ziel! In der "blauen Stunde" steht er über dem Amerlinghaus.

Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, denn unsere Erde dreht sich wirklich sehr schnell. Vom Auftauchen hinter dem Haus Schrankgasse 2 (in dem sich das Plutzerbräu befindet) bis zum Verschwinden hinter dem Haus sind es nicht einmal 20 Minuten!

Doch die Zeit reicht für so manchen Blick zum Jupiter. Begeisterung über diesen unerwarteten Blick ins All.

So sehen wir den Riesenplaneten. Der Digicam-Schnappschuss (!) zeigt leider nicht die beiden Monde Ganymed und Callisto, die malerisch neben dem Planeten stehen. Doch das Farbenspiel der Wolkenbänder und sogar der GRF (oberes Band rechts nahe dem Rand) kommt deutlich heraus. Nicht schlecht für ein einzelnes Foto aus der Hand.

Das kann jeder! Vor 20 Jahren war so ein Planetenfoto eine Illusion.

Jupiter ist verschwunden. Ein kurzer Kontrollblick einen Block weiter zeigt, dass der tief stehende, fast volle Mond bereits zu sehen ist. Also übersiedeln wir unser großes Rohr einfach zwei Ecken weiter und widmen uns noch eine halbe Stunde dem Mond.


Eineinhalb Tage vor dem tiefsten Vollmond in 18,6 Jahren steht der Mond tief über der Stiftgasse und leuchtet mit den Straßenleuchten um die Wette.


Noch nicht ganz voll, aber sehr schön. Im Fernrohr erkennt man am Terminator noch deutliches Relief, sehr zur Freude unserer Gäste.

Wie richtig wir mit unserer Aktivität liegen, bestätigt uns schon eine Nacht später eine Aussendung des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena. "Cool star shows for hot summer nights" titelt der Artikel, in dem das JPL alle astronomischen Vereine in den USA ermutigt, die warme Jahreszeit mit ihren vielen Aktivitäten am Abend im Freien zu nützen, der Bevölkerung Astronomie näher zu bringen (Artikel unter http://www.jpl.nasa.gov/news/news.cfm?release=2005-100). Anlass gibt es genug: Den Planetentanz von Merkur, Venus und Saturn am Abendhimmel; Jupiter im Südwesten; die Vollmondnächte mit dem tiefen Mondstand; und Mars in der zweiten Nachthälfte. Dazu die Perseiden im August - der Sommer ist alles andere als langweilig!

Unzählige Vereine sind bereits zu einem bundesweiten "Night Sky Network" zusammengefaßt (Homepage unter http://nightsky.jpl.nasa.gov/), sie werden vom JPL mit Informationen und Material versorgt, das bereits entsprechend aufbereitet ist.

Man kann über die USA denken, wie man will, aber eines haben sie erkannt: Große Ziele kann man nur gemeinsam erreichen. Statt kurzsichtig über Kleinigkeiten zu streiten, bringt es mehr, weitblickend, gemeinsam und strategisch vorzugehen - im Kleinen wie im Grossen. Die Aktivitäten des JPL bestätigen eine Linie, die wir in bescheidenem Rahmen vor einigen Jahren begonnen haben und die sich als absolut richtig erwiesen hat. Wie schadhaft Egoismus und Denken in kleinen, starren Grenzen für eine Sache sein kann, hat die Formel 1 am Sonntag gezeigt. Möge es in der Astronomie nie ein Indianapolis geben. Wir arbeiten hart daran, aber wir sind in diesem Fall wirklich wir alle ...