Beobachtungsabend

Sofienalpe, 15. 07. 2005

20050715api20.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:15. 07. 2005
Zeit:20.00 bis 23.15 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX200, Minolta Dimage Z3, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:ausreichend (3)
Seeing:schlecht (4)
Temperatur:+24 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:leicht aus SW
Bemerkungen:Später Wolkenaufzug von Westen
Bericht:

Zwischen Perioden mit labiler Wetterlage (siehe den dramatischen Bericht vom Ferienspiel letzten Mittwoch!) herrscht heute stabiles, sommerliches Schönwetter, und so verschlägt es eine Beobachtergruppe trotz recht fortgeschrittener Mondphase zum Sterngucken auf die Sofienalpe, wo uns ein traumhafter Sommerabend erwartet.


Aufbau in der strahlenden Abendsonne


Darüber ein dunkelblauer Himmel - mit Mond und Planeten


Tief im Westen kündigt sich die nächste Gewitterfront an, doch sie ist noch sehr weit entfernt und stört uns nicht.

Noch bei Tageslicht stöbert die GoTo-Montierung meines Fernrohrs fast spielerisch die Venus auf. Unverständlich, warum diese einfache Form des Alignment - Fernrohr mit Kompass nach Süden ausrichten, einschalten, fertig - bei den neueren Teleskopen aufgegeben wurde. So vertreibt man Kunden ... Das Seeing ist lausig, die Venus wird hin- und hergerissen, aber sie ist gut zu sehen. Das überrascht etliche Spaziergänger, die nicht erwarten würden, bei Sonnenschein ein Gestirn im Fernrohr sehen zu können.

Zu meinem großen Erstaunen verweigert mein Teleskop nicht den Schwenk zu Merkur, sondern bewegt sich surrend zu einer anderen Stelle des blauen Himmels (ich hätte ein "Too close to the Sun" erwartet, aber nein, die Elongation ist noch groß genug). Ein Blick durchs Okular - da ist er! Eine dünne, schwache, aber deutliche Sichel, im scheinbaren Durchmesser sogar größer als die Venus, aber viel blasser. Trotz Seeings packe ich jetzt die Webcam aus, diese Phase muß ich im Bild festhalten.


Merkur


Venus


Jupiter (mit Schatten von Io)

Ich nehme bei jedem Planeten 900 Frames mit einer Brennweite von 3m auf. Mehr ist bei dem Seeing nicht drinnen. Venus wird mit 1/500s belichtet, sie ist ja sehr hell. Merkur mit 1/50s, da kommt auch der helle Himmelshintergrund durch. Dieser Planetenvergleich ist interessant. Später wird auch Jupiter interessant. Trotz schlechtem Seeings ist der Schatten von Io am Nordrand des NEB deutlich zu sehen und auch die berühmte "türkisfarbene Wolke" in der EZ ist wieder da.


Einige Mitglieder und Nachtschwärmer schließen sich unserem kleinen Sternabend an
und sorgen für eine fröhliche Stimmung unterm Sternenhimmel (im Hintergrund Venus)

Doch bald gebührt unsere ganze Aufmerksamkeit dem Mond, der heute in einer herrlichen Phase steht. Hier sagen Bilder mehr als alle Worte.


Mond in der Totalen


Tycho und Clavius


Eratosthenes (oben) und Copernicus (genau am Terminator)

Für die Webcam ist das Seeing zu schlecht, aber Projektionsokular plus Digicam erweisen sich heute als ideal für Mondfotografie. Die Phase, in der Plato, Copernicus, Tycho und Clavius am Terminator stehen, ist sicher ein der schönsten überhaupt. Der recht tief stehende Mond strahlt ein gelbliches, ruhiges Licht aus - das auch in weiterer Folge nicht stören wird.

Die Gewitterfront im Westen steigt langsam höher, verschluckt erst Jupiter, dann auch den Mond. Wetterleuchten kündigt ihr Nahen an. Doch uns bleibt noch Zeit für andere Objekte. Zuerst Doppelsterne, dann jede Menge Deep Sky Objekte; die Klassiker eben. Eine Passage der ISS und ein nicht adhoc eruierbarer Flare (Lacrosse 2?) sorgen für noch mehr Abwechslung.

Nach 23 Uhr erreichen erste Cirrenfelder den Zenit. Zeit zum Abbau, obwohl es noch gar nicht richtig dunkel ist. Macht nichts, es war trotzdem ein wunderschöner Abend hier auf der Sofienalpe.