Heute ist wieder einmal Sternabend. Einfach Sternabend. Kein Familientag - diese Aktion macht in den Ferien Pause -, kein Ferienspiel. Ein Sternabend unter vielen in diesem Sommer, weshalb wir auch angekündigt hatten, ihn bei nicht allzu optimalen Bedingungen abzusagen. Doch den ganzen Tag war es, entgegen aller Prognosen, sonnig. Eine Absage war nicht wirklich zu rechtfertigen, außer durch den Wetterbericht, doch angesichts der extrem labilen Wetterlage trauten sich die seriösen Wettermodelle ohnedies nicht über eine verbindliche Prognose.
So finden wir uns also auf dem Cobenzl auf, sehen kurz den Mond; doch noch bevor das erste Fernrohr aufgestellt ist, verschwindet er hinter Wolken. Rings um Wien türmen sich Gewitter auf. Das kann ja ein spannender Abend werden!
![]() Aufbau auf der grünen Wiese |
![]() Von Nordwesten nichts Gutes |
Es wird immer düsteter; doch wir sind nicht umsonst hierher gekommen. Einige Mitglieder, für die wir diese Sternabende ja in erster Linie veranstalten, und eine sehr interessierte Familie sind auch auf den Cobenzl gekommen, dazu immer wieder Neugierige, die zufällig vorbeikommen. Doch zunächst bleibt der Himmel hinter Wolken verborgen. Wie dicht sie wohl sein mögen?
![]() Vorerst gibt es nur Blicke auf die Stadt. Mit kleinen ... |
![]() ... und großen Fernrohren. Doch wo bleibt der Mond? |
Flugzeuge schimmern durch die Wolkendecke. So dicht kann sie also nicht sein. Aber keine Spur vom Mond. Roland und Otto, beide erfahrene Flieger, jeder in seinem Metier, diskutieren eifrig über das Wetter. Der stürmische Wind wäre gut für Segler, in der Luft möchte man heute sicher nicht sein. Aber wie wird der Abend weitergehen? Wir sind unschlüssig, ob wir nicht abbrechen sollen, die ersten geben auf und gehen heim. Zu früh? Als sich Langeweile breitzumachen droht, wendet sich das Blatt. Zunächst verfärbt sich der Himmel dramatisch.

Die Gewitterwolken über Wien verfärben sich. Das kann nur die Sonne sein!
Es besteht also Hoffnung; und da immer wieder Neugierige, auch Familien, vorbeikommen, harren wir aus. Roland "verspricht", dass wir heute den Mond noch sehen werden. Doch zunächst müssen wir uns mit Blicken auf Wien begnügen.
![]() In einem Fernrohr ... |
![]() ... steht die Welt auf dem Kopf |
Obwohl die Wolken locker wirken, der Himmel eigentlich sogar blau, sehen wir vom Mond keine Spur. Was ist da los? Erst die eigenartige Beleuchtung verrät uns, dass im Südwesten, dort, wo der tief stehende Mond sein muss, hinter der dünnen Schicht offenbar ein mächtiger Gewitterturm stehen muss.

Warten ... Heisst eine Sternwarte so, weil man auf die Sterne warten muss?
Im Osten und Nordosten blitzt es, was das Zeug hält. Auch im Süden Blitze. Wenn das nur gut geht. Doch dann ein Aufschrei: Der Mond! Es ist so weit; der Gewitterturm im Südwesten ist schneller in sich zusammen gefallen, als die Erddrehung den Mond sinken lassen konnte. Langsam, fast mühsam, kriecht der Erdtrabant aus den Wolken. Und es wird doch ein Sternabend.
![]() Da ist der Mond |
![]() Und doch ein Sternabend |
Unglaublich, es wird immer besser. Nach dem Mond können wir Arktur und Vega im Fernrohr zeigen, und dann sogar noch Jupiter, der tief am Westhorizont steht; zu tief für ein Foto, doch seine vier Galileischen Monde sind deutlich zu sehen. Die Bedingungen sind sicherlich nicht optimal, doch unsere Gäste haben mit den Blicken zu Mond, Jupiter und Sternen ihre Freude. Sogar der Vierfachstern in der Leier ist zu sehen. Eigentlich wollte ich die folgende Phrase ja heute nicht schreiben, aber ...
Die, die bis zum Schluß geblieben sind, kamen doch noch in den Genuß eines spannenden Sternabends.
[Anm. d. Red.: Dieses Zitat ist mit einer persönlichen Widmung verbunden]. Doch das ist noch lange das Ende. Unter unseren Gästen sind viele Touristen, die an unserem interessanten Treiben ihren Spaß haben und sich auch fleißig gegenseitig fotografieren. Auf Rolands Bemerkung, das Blitzen mache ihn angesichts der Wetterlage nervös, entgegne ich nur: "Ach, wenn es ein echter Blitz ist, folgt ein Donner". Einige Sekunden später: Es donnert.
Der Himmel ist zweigeteilt. Im Süden recht klar, man sieht viele Sterne. Im Norden aber dunkel, und noch über uns, im Nordosten, türmt sich eine mächtige Gewitterwolke auf. Wir haben sie in der Euphorie angesichts des Wolkenlochs im Süden glatt übersehen. Was tun? Ein Regenschauer nimmt uns die Denkarbeit ab. Notabbau! Während Roland seinen Dobson nur mit einer Plane abdeckt, wird das WAA Teleskop in Windeseile abgebaut und ins Auto verfrachtet. Nicht einmal drei Minuten, eine Spitzenzeit. "Rücksturz zur Erde" aus "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion" (aus 1967, wissenschaftlich Quatsch, aber totaler Kult) kommt mir in den Sinn.
Der Regen ist vorbei, der Himmel noch immer klar. Roland macht mit seinem Dobson weiter. Das "Wolkenloch vom Dienst" läßt uns jetzt sogar M13 und den Ringnebel zeigen, sehr zum Erstaunen der letzten Nachtschwärmer, die hier, auf diesem netten Platz mit der wunderschönen Aussicht auf Wien, alles erwartet hätten, nur nicht Teleskope samt dazugehöriger "Freaks", die zum Himmel schauen oder besser, den Himmel sogar herzeigen.
Noch ein kurzer Schauen, jetzt erfolgt auch der Notabbau des Dobson. Auch in kurzer Zeit. Wir haben also bei diesen Bedingungen einen Sternabend durchgezogen. Ob man das noch Optimismus nennen kann oder ob das schon unter Sturheit fällt? Aber, und das zählt vor allem, wir haben wirklich auch etwas von unserer Begeisterung weitergeben können. Was jetzt nicht schlecht wäre: Einmal eindeutig schönes Wetter bei einem Sternabend - und die Teilnahme derer, die sich einst so vehement diese Sternabende gewünscht haben.
Text und Fotos: Alexander Pikhard