| Beobachter: | Michael Stiendl | ||||||||||||
| e-Mail: | m.stiendl@inode.at | ||||||||||||
| Datum: | 05. 08. 2005 | ||||||||||||
| Zeit: | 22.00 bis 03.50 MESZ | ||||||||||||
| Ort: | Gleinalm/Stmk. | ||||||||||||
| Instrument: | LX200 f/10 10" | ||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Fuhr zu meinem Lieblings Beobachtungsplatz auf der Gleinalm ca. 50 min. Autofahrt von Graz - es ist eine Stelle auf 1000m Seehöhe u. mit guter freier Sicht nach Süden. Zwar ist der Lichtsmog von Graz im Südosten unübersehbar aber er reicht nicht mehr besonders hoch u. der übrige Himmel ist der dunkelste den ich bis jetzt in dieser rel. unweiten Entfernung von Graz kenne. Begann um 22:00 mit der Beobachtung als die 18:00 Ra-Linie mit den Sommer Highlights der Milchstraße gerade im Meridian war. Als erstes fuhr ich per Telrad und dem 41er Panoptik Okular zu M11 dem OSTH mit der wahrlich reichen Sternpopulation (I 2 r) - blickte kurz zu R Sct dem Veränderlichen Stern mit recht großer Helligkeitsschwankungsbreite (4.5 - 8.2 mag) in dem kleinen Sterntrapez südl. von Beta Sct. Am 28.07. stellte ich 5.3 mag fest - heute checkte ich ihn nur kurz u. er war immer noch der hellste des kleinen Sterntrapez ...er fiel mir letztes Jahr auf als ich M11 das erste mal beobachtete u. dann innerhalb von einem Monat um 2.6 mag plötzlich heller war. Dann zur Sternenwolke M24 wo ich es genoß darin herumzunavigieren - ein besonders helles Gebiet erscheint fast wie ein KSTH oder zum. ein dichter offener Sternhaufen als nebeliger Fleck. im östl. Teil von M24 direkt nördl. der östl. Spitze einer kleinen Sternenraute best. aus 6 mag Sternen. Habe erst jetzt beim schreiben des Berichts nochmal mit Hilfe des Deep Sky Browsers www.messier45.com nachgesehen und es handelt sich um NGC6603 (dort mit I 2 r angegeben) nehme mal an das er sich für einen beobachtbaren OSTH in beträchtlicher Entfernung von uns befindet. Nördl. des westl. Teils dieser rautenförmigen Sternanordnung in M24 eindeutig hervorgehoben: die zwei dichten Dunkelnebel B92 u. 93. Hoppte dann weiter in Richtung M8 zu My Sgr, 1° weiter zu NGC6568 ein nicht sehr vom Sternenhintergrund abgehobener OSTH (IV 1 m) u. schließlich zu M8 den Lagunennebel wo ich dann den UHC-Filter aufschraubte u. mich endlich wieder mal ans zeichnen machte. Versuchte erst auf weißem Papier mit Bleistift zu skizzieren doch kam ich damit nicht klar - also nahm ich schwarzes Papier mit ebenfalls vorgezeichneten Gesichtsfeldkreisen u. skizzierte zuerst die Sterne hptsl. im Gebiet des Nebels u. dann die Nebelpartien teilweise nur in Umrissen aber auch schraffiert damit ich die Hell/Dunkel Unterschiede bei der Reinzeichnung daheim besser hinkriege.
Als nächstes M16 wobei dieser merklich schwächer war doch immerhin - dank kürzlich erworbenen UHC-Filter sah ich den Emissionsnebel u. nicht nur den Sternhaufen wie bisher.
M17 wirkte dagegen wieder umso leuchtkräftiger - und sein östliches Nebelgebiet ist mir bis jetzt ohne Filter noch gar nicht aufgefallen.
Besuchte in dieser Region noch M20 wo dessen südlicher Teil mit seiner Dreiteilung durch Dunkelnebel eindeutig zu sehen war u. M22 einen der am größten erscheinenden Kugelsternhaufen. Schwenkte dann um ca. 21:00 Sternzeit herum nach Osten um von Epsilon Aqr aus M72 aufzusuchen - schwächster KSTH des "Karkoschka" der mit seinen 60.000 ly Entfernung hier nur als kleiner runder im Zentrum hellerer Nebel erschien. 1.5° östlich davon: M73 - naja, sind ja wirklich nur 4 schwache Sterne die hier beieinander stehen. 1.5° westl. von ν Aqr schließlich der planetarische Nebel NGC7009 (Saturn Nebel) - sah ihn in leicht blaugrünlicher Färbung wie ein Saturn dessen Ring schön langsam zu eng wird. Dann zu 29 Cap um von dort zu dem gerade knapp 1° SSW sich befindlichen, kurz vor seiner Opposition (am 08.08.) stehenden Neptun zu gelangen. ...merkte nun allerdings das das Seeing für Planetenbeobachtung nun nicht ausreichte. Zum Vergleich gleich darauf Uranus dessen schon etwas größeres Planetenscheibchen ich ziemlich genau 2° SW von Lambda Aqr fand. Gab mir die beiden im 11mm Plössl doch mehr außer der Positionsbestimmung u. dem erkennen das es keine Sterne sind war nicht drinn ...auch konnte ich heute keinem eindeutig eine Farbe zuordnen. Wechselte dann in nördliche Gefilde u. zwar in den Cygnus - nachdem ich mit dem erst kürzlich erworbenen UHC-Filter vor einigen Tagen erfolgreich das erste mal den Nordamerika Nebel erkundet habe nahm ich mir heute NGC 6888 den Crescent Nebula vor. Ausgehend v. Gamma Cyg fand ich die rautenförmige Sternanordnung mithilfe des Suchers u. dem großen Gesichtsfeld des 41er Panoptiks recht rasch...blieb heute fast ausschließlich bei dem Okular (zur Zeit mein liebstes) außer bei den Planeten. Mit Filter war zuerst eindeutig ein nebeliger Ring um die 4 hellsten Sterne (inkl. dem Wolf Rayet Stern) zu sehen u. später auch das größere schwache Nebelgebiet südlich davon - insgesamt erschien er mir wie ein eiförmiger Nebel mit einem Loch im nördl. helleren Teil.
Wieder einmal versuchte ich dann bei IC5146 visuell was abzubekommen - fand ihn 2.5° SSE von 81 Cyg - nachdem ich ihn vor einigen Tagen schon versuchte zu identifizieren u. wegen "drohender Genickstarre" beim aufsuchen in Zenithöhe dann aufgab, gings heute schon besser da das Objekt nicht mehr so hoch stand. ...so ein Sucher mit einem Prisma ist glaube ich keine schlechte Investition. Zwar war ich mir sicher die Position gefunden zu haben aber außer einem Dunkelnebelring um ein paar Sterne (u. seine "Verlängerung" in westlicher Richtung) konnte ich nicht mehr entdecken...würde mich interessieren ob jemand bei diesem Objekt mit visueller Beobachtung schon mehr gesehen hat. Besuchte dann noch M39 einen dreiecksförmigen OSTH 2.5° WSW v. 81 Cyg - würde ihn mit III p 2 beschreiben. Den Zirrusnebel suchte ich nur kurz per "Goto" auf - es war schon spät u. zum zeichnen der Nebelgebiete hatte ich nun nicht mehr die Motivation (muß da auch irgendwie eine bequemere Art zum beobachten u. gleichztg. zeichnen können finden) - besuchte Sie am 1.08. per Starhopping u. sah diese wunderschön geschwungenen wie hingemalten Nebelfilamente hinter 52 Cyg u. den noch helleren östlichen Teil 6992 das erste mal. War erstaunt das Sie auch ohne Filter gut zu sehen waren. Ach ja: um 02:23 sah ich einen außergwöhnlich hellen Meteor? im NNE (von südl. Richtung kommend) der eine leuchtende Spur am Himmel zog die eine halbe Minute danach noch sichtbar war - ca. 10° lang - u. sich gleich von einem geraden Strich zu einer blasser werdenden wellenförmigen Linie verwandelte!? Auserdem druckte ich mir von www.heavens-above.com ein paar Satellitendurchgänge heller als 3.5 mag aus - da bei all den Beobachtungen bisher immer wieder irgendwelche fliegenden Objekte ins Gesichtsfeld kamen das ich endlich mal bewußt so ein Ding verfolgen wollte. Außer wieder einigen unbekannten - konnte ich diesmal gegen 22:45 den Envisat v. Süden rauf bis zum nördlichen Horizont verfolgen. Um 0:15 hielt ich Ausschau nach einem Satelliten der mit 3.3 mag Helligkeit von Ursa Major durch Draco in den Cygnus fliegen sollte. Fand ihn erst kurz vor seiner größten Höhe u. verfolgte ihn mit dem Fernglas bis er vorm Hintergrund des Cygnus schließlich in den Erdschatten trat - da ich zum erstenmal einen Satelliten dabei bewußt verfolgte wunderte es mich das es recht lange dauerte bis sein "Licht" ganz erlosch. ...bezeichnet mit "Rocket body" - wie so viele andere Satelliten, also Weltraummüll oder versteh' ich da was falsch? Die Beobachtung eines Iridium Flares um 23:13 mit -6.0 mag scheiterte leider an den an dieser Position stehen Bäumen des nahen Waldes. Zum Abschluß mußte ich Mars nochmal besuchen - kein Vergleich zur Nacht vom 1. auf 2.08. wo man deutlich die Polkappe u. dunklere Gebiete ausmachen konnte - heute ließ das Seeing keine Details zu. Um 3:50 beendete ich nun eine meiner bis jetzt längsten Beobachtungsnächte - für visuelle Deep Sky Beobachtung wars heute ganz toll - nehme mir vor künftig öfter dabei auch zu zeichnen - finde es wirklich eine gute Übung fürs Beobachten. Würde mich freuen von jemand zu hören der ebenfalls Erfahrungen damit hat - habe zwar ein SC f/10, eher eins mit dem man Astrofotos macht denn zu zeichnen; allerdings, abgesehen davon das ich noch kein Equipment dafür habe (wird schon noch werden), finde ich immer mehr Gefallen daran "händisch" das Beobachtete abzubilden. Clear Skies! Michael |