Milchstraße

Edlitz/Wieden, 09. 08. 2005

20050809dis00.html

Beobachter:Doris Istrate
Datum:09. 08. 2005
Zeit:00.30 bis 01.30 MESZ
Ort:Edlitz/Wieden
Instrument:10"-Dobson
Bedingungen:
Bemerkungen:Bedingungen sehr wechselhaft
Bericht:

Eigentlich schreibe ich nie einen Bericht, wenn es keine Fotos dazu gibt. Aber die letzte Nacht war so außergewöhnlich, dass ich doch etwas darüber berichten möchte, auch ohne Fotos.

Die letzten 4 Tage auf der Jagdhütte waren windig bis stürmisch, Regenschauer wechselten in rascher Folge mit Sonnenschein, und es war bitter kalt. Fühlten wir uns vorige Woche noch wie in Afrika, sorgte jetzt fast sibirische Kälte für Gänsehaut. Auch die Nächte waren extrem windig, eisig und bewölkt, an Beobachtung nicht zu denken.

Aber gestern versank die Sonne strahlend auf einem wolkenlosen Himmel hinter den Bergen, nur ein schmales, dunkles Wolkenband zog sich am Horizont entlang. Venus und die schmale Sichel des Mondes folgten der Sonne bald nach. Nur Jupiter stand noch relativ hoch und so kam ich auf den Gedanken, ihn zu fotografieren. Also holte ich schnell den Dobson aus der Hütte und warf einen prüfenden Blick durch's Okular. Aber - was war das? Vanillepudding auf einem Exzenter? Jupiter hüpfte wie ein Jo-Jo auf und ab, hin und her, war einmal vertikal in die Länge gezogen wie eine Banane, dann wieder flach wie ein Fladenbrot, und wabberte wie ein gelbes Blinklicht. So ein miserables Seeing hatte ich noch nie erlebt! Also kein Foto, und so widmete ich mich frustriert zwei nervenzerfetzenden Krimis und einem schnulzigen Liebesfilm im ORF.

Kurz nach Mitternacht hatte ich die Sendungen überstanden und wollte eigentlich nur noch den Dobson hereinholen. Aber als ich vor die Hütte trat, konnte ich es kaum fassen: der Himmel war wie blank gefegt, unzählige Sterne strahlten um die Wette, es war absolut windstill und mild. Und das, was ich zuerst für leuchtende Wolkenbänder gehalten hatte, war in Wirklichkeit die Milchstraße. Sie war so hell, wie wenn sie von einem Mega-Scheinwerfer beleuchtet wäre! Hatte sich der Himmel von Namibia vielleicht in die Bucklige Welt verirrt? Die Milchstraße stand fast genau im Zenit und wölbte sich gegen SW beinahe bis zum Horizont (Richtung NO war sie vom Wald verdeckt). In der Mitte teilte sie sich in zwei Arme, wobei der westliche Arm wesentlich breiter war und stumpf endete, der südliche Arm hingegen schmäler und länger war und in einer knotigen Verdickung knapp über dem Horizont endete.

Ich tauschte das Pentax-Okular gegen das 2" no-name-Weitwinkel mit 82° Gesichtsfeld und surfte damit durch die Milchstraße. Welch ein herrlicher Anblick, im wahrsten Sinne des Wortes - himmlisch!!! Es ging mir dabei nicht um spezielle M- oder NGC-Objekte, sondern ganz einfach nur in diesem Lichtermeer optisch zu baden war ein Hochgenuß. Das Seeing war auch fast optimal geworden, kein Stern blinkte, sondern sie standen alle ganz ruhig, ja fast hoheitsvoll am dunklen Firmament und schickten ihr strahlendes Licht wie einen Gruß in die Ferne.

Es war eine traumhafte Nacht, wie es sie nur selten gibt - selbst in der Buckligen Welt.