Perseidennacht

Edlach/Rax, 12. 08. 2005

20050812sfl22.html

Beobachter:Dr. Thomas Schröfl
Datum:12. 08. 2005
Zeit:22.00 bis 03.30 MESZ
Ort:Edlach/Rax
Geogr. Länge:15°4811 E
Geogr. Breite:.47°4121 N
Seehöhe:600
System:
Instrument:freisichtig, Swarovski Habicht 8x56 SL
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.0
Temperatur:15 °C
Luftfeuchtigkeit:70
Bericht:

Bolam sei Dank! Die Prognose paßt hervorragend. Bis mittags ziehen tiefhängende graue Regenwolken über Edlach. Dann beginnt es wie versprochen aufzuklaren und am späten Nachmittag ist es wolkenlos. Vom Wetter her steht somit einer Perseidennacht nichts mehr im Wege, nachdem ich meinen letzten Perseiden 2002 auf der Gerlitzen in Kärnten gesehen habe. 2003/04 machte mir das Wetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. In der späten Abenddämmerung mache ich mir es auf meinem Flachdach gemütlich. Ein bequemer Liegestuhl, der einen verspannungsfreien Blick zum Zenith ermöglicht und ein Ablagetischchen, nicht nur für die astronomischen Utensilien, sondern auch für Speis und Trank gedacht, denn ich bin wild entschlossen bis zum Morgengrauen durchzuhalten.

Gegen 22:00 ist es dann dunkel genug. Vorweg kann ich Alex' Bericht nur bestätigen: angekündigte Sensationen finden in der Regel nicht statt; die vorhergesagten mehr als 100 pro Stunde in den Morgenstunden wurde nicht gespielt, aber trotzdem war es über die Nacht verteilt ein schönes Schauspiel.

Nach 20-30 Minuten Dunkeladaption zeigt sich, daß es heute eine hervorragende Nacht wird. Dank extrem klarer Luft eine hervorragende Durchsicht und wenig Aufhellung und für diese Gegend ein recht gutes Seeing. Die Milchstraße zieht von Süden über Adler und Schwan in die Cassiopeia und verliert sich dann langsam im zunächst noch sehr tiefstehenden Perseus. Staubbänder und Dunkelwolken treten markant hervor. Gleich zu Beginn meines Beobachtungsabends ziehen kurz hintereinander vier Perseiden ihre Spur südlich vom Schwan und Adler. Dann zieht eine Sternschnuppe genau in der Gegenrichtung vorbei. Aus der gleichen Richtung sollen im Laufe des Abends noch einige folgen. Der Radiant liegt meiner Schätzung nach irgendwo in der Gegend von Schütze und Skorpion, aber auch die meine Himmelsjahrbücher geben keinen genaueren Aufschluß über die Herkunft. Im Laufe der Stunden gewinne ich den Eindruck, daß die Perseiden in Wellen mit längeren Pausen dazwischen in die Atmosphäre eintauchen, das kann aber auch daran liegen, daß ich ja bloß einen begrenzten Himmelsausschnitt überblicken kann. Vereinzelt kommen "Fast-Boliden" vor, die über 30-50 Grad eine nachglühende Leuchtspur über den Himmel ziehen und gelegentlich auch für einige Sekunden eine Rauchspur hinterlassen.

Während ich so daliege und beobachte kommt mir der Artikel über Myopia + das bei Kurzsichtigen auftretende Phänomen stärkerer (bis 1,5 Dioptrien) Kurzsichtigkeit beim Nachtsehen - in der Septemberausgabe von Sky & Telescope in den Sinn. Aber vor allem meine Gleitsichtgläser erweisen sich als höchst untauglich, denn sie ermöglichen mir nur im oberen Bereich einen scharfen Streifen, im unteren Bereich des peripheren Sehens verschwindet alles in Unschärfe. Fürs freisichtiges Beobachten wird über kurz oder lang wohl eine geeignete Brille notwendig sein.

Ich habe zwar den Refraktor aufgebaut und eingenordet, aber heute ist mir ganz und gar nicht nach Fernrohr und GoTo-Technik und so hole ich den Swarowski Habicht 8x56, mein Beobachtungsgerät aus den Anfängen, mit dem ich damals ziemlich hilflos am Nachthimmel herumgerudert bin, und tauche ab in die Sommermilchstraße. Schon diese geringe Vergrößerung und Öffnung macht aus einem milchigen Band ein nicht enden wollendes Sternenmeer. Das große Plus des Swarowski: fast 6 Grad Gesichtsfeld. Inzwischen ist es 2 Uhr vorbei, Cassiopeia steht schon fast im Zenith und auch Perseus hat deutlich an Höhe gewonnen. Dafür hat sich die Milchstraße schon deutlich von ihrer ursprünglichen S-N Richtung in W-O Richtung gedreht. Mit dem Fernglas nehme ich mir so einige Paradeobjekte vor, wie h + chi Perseus, die Plejaden und M31, die bei indirektem Sehen deutlich mehr als nur den hellen Kern zeigt. Mit einiger Geduld ist gut dunkeladaptiert fast die ganze Galaxienscheibe auszumachen. Im Osten hat sich schon Mars auf deutliche Höhe emporgearbeitet. Die zur Opposition gegebene Höhe wird hoffentlich die etwas größere Entfernung gegenüber 2003 mehr als wett machen.

Seit 22:00 steht die Nikon F3 am Stativ mit Kodak E200 geladen. Bei f 5,6 belichte ich jeweils 30min mit einem 24mm Weitwinkel, in der Hoffnung den einen oder anderen Perseiden zu erwischen. Mit Sicherheit werden es jedenfalls viele Flugzeuge und Satelliten. Nach einigen Aufnahmen stellt sich ein akutes Tauproblem ein, denn inzwischen ist die Temperatur auf 11 Grad gesungen aber dafür die Feuchtigkeit auf fast 80 Prozent gestiegen. Mit der Taukappenheizung bekomme ich dann die Optik wieder frei von Beschlag. Gelobt sei die Analogfotographie. Bis zur Entwicklung bleibt es jedenfalls spannend.

Nach 03:30 machen sich langsam Müdigkeit des Körpers und der Augen bemerkbar und ebenso die feuchte Kälte trotz Pullover und Daunenjacke, sodaß ich langsam aufräume und schließlich um 04:00 im Bett verschwinde. Auch wenn es kein Meteoritensturm war, ja nicht einmal das vorhergesagte Maximum auch nur annähernd erreicht wurde, so war es doch eine phantastische Nacht unter freiem Sternenhimmel mit der Erkenntnis, daß sich ab uns zu auch ohne High-Tech so einiges beobachten läßt.