"Stern"abend

Cobenzl,  13. August 2005

Was heute Abend hier auf dem Cobenzl passiert, kann man entweder als extreme Sturheit bezeichnen, oder aber als das Resultat einer völlig falschen Wetterprognose. Einigen wir uns auf Letzteres. Jedenfalls baut die WAA wieder ihr Informationszelt auf der Wiese unterhalb des Café-Restaurant auf, und nicht weniger als vier große Teleskope werden rund um das Zelt aufgestellt - obwohl sich über dem Cobenzl dichte Wolken tümen, teils sogar bedrohlich, und über Wien nicht einmal der Mond zu sehen ist.


Unter dem Café-Restaurant entsteht unsere Mobile Sternwarte, ...


... wir versuchen heute eine etwas auffälligere Installation mit mehr Horizontsicht

Es liegt in der Natur der Sache, dass so eine Installation Neugierige anziehen muss. Da wir heute praktisch in der Sichtline vom Lokal auf die Stadt stehen, kann uns auch keiner übersehen. Und natürlich sprechen die großen Fernrohre vor allem die Kinder an.


Unsere Station zieht die ersten Neugierigen an


Die Kinder können es nicht erwarten, durchs Fernrohr schauen zu dürfen


Einmal mehr zeigt sich: Auch kleine Fernrohre ...


... können für großen Spaß sorgen

Doch das Wetter scheint uns heute einen Strich durch die Rechnung zu machen. Alle Wettermodelle hatten vorhergesagt, dass sich die Wolken am Nachmittag und Abend auflösen bzw. abziehen würden. Es sah ein, zwei Stunden vor Beginn des Sternabends auch durchaus danach aus, doch gegen 19 Uhr beginnen sich schwere Gewitterwolken im Nordwesten aufzutürmen. Damit hatte niemand gerechnet.


Hier kommt zunächst einmal Hoffnung auf

Der Mond versteckt sich hartnäckig in den Wolken, an eine Beobachtung ist nicht zu denken. Über einen recht dünnen Schicht müssen wohl noch dichtere Wolken liegen. Auch die tief stehenden Planeten Venus und Jupiter sind aus diesem Grund nicht beobachtbar. So werden die beiden hellen Sterne Arktur und Vega zu den ersten Objekten dieses Sternabends.


Ungewöhnliche "Eröffnung" ...


... mit Vega hoch am Himmel

Noch in der hellen Dämmerung nutzen wir ein großes Wolkenloch, um Vega, Albireo und ε Lyrae zu zeigen. Damit haben wir wenigstens eine Sternsysteme gesehen, wer weiss, wie sich der Abend noch entwickeln wird. Immer wieder ziehen dunkle Wolken auf, hinter so machem sorgenvollen Blick verbirgt sich wohl der Gedanke, wie die Instrumente bei plötzlich einsetzendem Regen geschützt werden können. Doch so weit kommt es zum Glück nicht.


Unsere Station hoch über der abendlichen Stadt

Doch die Natur hat ein Einsehen mit uns und die Wolkensituation bessert sich. Das Auftauchen des Mondes aus den Wolken wirkt erlösend. Der Blick zum Mond wird nie perfekt, doch das tut der Freude am Fernrohr keinen Abbruch. Im Gegenteil, die rasch über den Mond ziehenden Wolken verleihen dem milden Abend einen wildromantischen Charakter.


Das lange Warten auf den Mond


Da ist er endlich!

Gut eine Stunde lang wird der Mond mit den vorbeiziehenden Wolken bestaunt. Unglaublich, dass keine Langeweile aufkommt. Es wird erklärt, gefachsimpelt oder einfach geplaudert. Kalt ist es ja nicht und der lästige Wind hat sich auch gelegt.


Der wildromantisch wolkenverhangene Mond bleibt heute das
meistbeobachtete Objekt des Abends

Zu sehr später Stunde ziehen sich die dünnen, hohen Wolken zurück und der Himmel wird in den Wolkenlöchern der unteren Schicht sehr klar. So klar, dass wir einige Deep Sky Objekte recht gut zeigen können; die beiden Kugelsternhaufen M13 und M15 (je nach Wolkenloch) und der Ringnebel in der Leier sind gut zu sehen, wenngleich nicht so gut wie gestern auf der Sofienalpe. Dazu sind wir hier doch zu nahe an der Stadt. Auch Uranus und Neptun kommen wieder zum Zug, und so unscheinbar sie im Fernrohr sein mögen, allein sie zu sehen begeistert unsere Gäste enorm.

Gegen 23 Uhr beenden wir den Sternabend unter durchaus klarem Himmel. Auch wenn wir angesichts des Wetters mit dem Ergebnis des heutigen Sternabends durchaus zufrieden sein können - die Stimmung war trotz der Wolken sehr gut - die Tage dieser Veranstaltung sind wohl gezählt. Wir werden uns eine andere, attraktivere und vor allem wetterunabhängige Aktion überlegen.

Text und Fotos: Alexander Pikhard