Astropraxis: Venus und Jupiter

Sofienalpe, 31. 08. 2005

20050831api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:31. 08. 2005
Zeit:19.00 bis 23.30 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200, Philips ToUCam pro; Minolta Dimage Z3; zahlreiche andere visuell
Bedingungen:
Durchsicht:ausreichend (3)
Aufhellung:ausreichend (3)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:23 °C
Luftfeuchtigkeit:erst trocken, später feuchter
Wind:kein
Bemerkungen:Dunstig, keine Wolken.
Bericht:

Einmal hat das Wetter mit uns ein Einsehen; eine lange im Voraus geplante Serie von Astropraxisabenden fällt in eine spätsommerlich schöne Wetterphase. Zwar wird es im Lauf der Nacht schon sehr herbstlich, doch heute ist es noch durchaus sommerlich; der Pullover muss erst spät in der Nacht heraus und auch die Taukappen haben wesentlich weniger zu tun, als anfänglich befürchtet.

Auch wenn die Begegnung von Venus und Jupiter wegen des Dunstes nicht so spektakulär erscheint, es wird ein sehr schöner Abend hier auf der Sofienalpe.


Fast zu kitschig um wahr zu sein: Ein Ballon fährt einsam der untergehenden Sonne entgegen.

Schon bei Tageslicht haben sich einige WAAler mit ihren Teleskopen eingefunden. Anfänglich scheint es sogar ein reines LX200-Treffen zu werden, doch das ändert sich schließlich schon noch.


Vor der untergehenden Sonne bauen wir unsere Teleskope auf. Schon gibt es die Venus zu sehen,
sehr bestaunt von Spaziergängern, die diesen herrlichen Abend genauso genießen wie wir.

Was für ein Abend! Der Himmel, die Landschaft -- leuchten in Pastellfarben! Wer würde das für möglich halten, dass so sanfte Farben so kräftig sein können, und doch ist es so. Natürlich, die Pastellfarben haben ihren Preis: Dunst. Anders kommt es nicht zu diesen Färbungen. Doch noch beobachten wir nicht, noch genießen wir einfach. Leider kann ich eines aus technischen Gründen nicht wiedergeben: Den Geruch von frisch gemähtem Heu. Zusammen mit dem Licht und der milden Temperatur einfach -- Wellness pur!


Ein malerischer Sonnenuntergang; nach dem Ballon jetzt ein Flugzeug.

Bald entsteht auf der Wiese auf der Sofienalpe ein kleines Teleskoptreffen; spätestens, nachdem Roland seinen 18" Dobson aufgebaut hat, ist die Szenerie komplett. Spaziergänger, von unserer Installation angezogen, schließen sich immer wieder uns an. Die Sofienalpen-Familie trifft sich wieder einmal ...


Ein ganz nettes Teleskoptreffen ist hier entstanden.

Mein klassisches, "altes" LX200 hat die Venus keine zwei Minuten nach Abschluß des Aufbaus und Betätigen des Einschalters im Gesichtsfeld. Alte Technik hat auch ihre Vorteile! Doch nach und nach strahlt Venus aus allen Okularen, gefolgt von dem blassen, fast schon unscheinbaren Jupiter. Venus wird auch mit der Webcam festgehalten, denn das Seeing ist gut. Jetzt geht es darum, wer als erster mit freiem Auge Venus oder gar Jupiter wahrnimmt.


Venus mit freiem Auge finden? Kein Problem, einfach übers Fernrohr visieren! Zu viert aber schon eine Herausforderung ...


Nein, dort oben ist kein Planet. Das ist Vega. Doch die ist wichtig zum einjustieren der Fernrohre.

Schlussendlich sehen wir Venus und dann auch Jupiter. Bedingt durch den Dunst ist die Konjunktion leider nicht so spektakulär, wie sie sein könnte. Schön ist sie aber allemal, vor allem im Foto. Viel besser als visuell!


Venus und Jupiter über der Dämmerung

Bald gehen Venus und Jupiter unter. Es folgt eine intensive Deep Sky-Phase bis zum Aufgang des Mars. Zum Glück wird es so früh dunkel, dass man schon ab 21.30 Uhr wirklich gut Deep Sky beobachten kann.

  • Offene Sternhaufen: Nach M11, der wirklich prachtvoll ist, schwenke ich zunächst in die Cassiopeia, wo M103 sowie NGC 457 ("E.T."-Cluster), NGC 659 und NGC 653, NGC 559 und NGC 7789 ein Besuch abgestattet wird. Später beobachte ich noch den großen, reichen Sternhaufen NGC 7243 in der Eidechse und M71 im Pfeil. M73 folgt als "Scherzartikel".
  • Kugelsternhaufen: M13 ist ein Traum, nicht zu beschreiben. Hans Peter hat sein Binokular an Kurts 10" LX200 geschraubt, dort sind die Kugelsternhaufen natürlich eine Wucht. Auch M92, M15 und M2 sind sehr schön, begeisternd ist heute M56; der kleine, recht gut aufgelöste Haufen steht in reicher Milchstraße!
  • Planetarische Nebel: Über M57 und M27 brauche ich wohl nicht zu viel zu sagen; ersterer begeistert viele Spaziergänger. Doch auch die "kleinen" Objekte sind schön und detailreich: NGC 6826 ("Blinking"), NGC 6543 ("Katzenauge"), NGC 7662 ("Blue Snowball"), NGC 7009 ("Saturn"), NGC 7027. Schwieriger, aber mit UHC Filter noch immer deutlich, die schon etwas tiefer stehenden Objekte NGC 6781 und NGC 6905.
  • Galaxien: Hier beobachten wir eigentlich nur M31 (mit Begleitern), M51, M81 und M82 sowie NGC 7331 im Pegasus, die ist aber sehr schön.

Drei Objekte aus dem Sonnensystem stehen auch noch auf der Liste, nämlich Uranus, Neptun und -- Ceres! Na ja, umwerfend sind sie alle nicht. Doch dann kommt Mars.

Schon die ersten Blicke durch die flach zum Horizont zeigenden Teleskope stimmen merkwürdig: Kann es sein, dass man auf einem so tief stehenden Objekt so viele Details erkennen kann? Das einzige, was wirklich stört, ist das sekundäre Spektrum, doch von Seeing ist nicht allzu viel zu bemerken. Bei nur 8° hohem Mars montiere ich die Webcam, das Bild auf dem Schirm ist vielversprechend. Zunächst mit 3m Brennweite, das gibt nämlich einen hoch interessanten Vergleich mit der zuvor aufgenommenen Venus:


Venus


Mars

Interessant, die beiden Planeten sind vom scheinbaren Durchmesser heute nahezu gleich groß und doch so unterschiedlich. Aber die Details auf Mars sind toll und so wage ich mich mit der 2x Barlowlinse an eine weitere Aufnahmeserie mit 6m Brennweite.


Mars beim 6m Brennweite

Das schmerzt. In nicht einmal 10 Grad Höhe zeigt sich Mars so gut! Zum ersten Mal in dieser Saison greife ich zum Mars Prviewer. Das Mare Erythraeum ist die dominierende dunkle Formation links, der spitze Ausläufer nach Süden ist der Margaritifer Sinus. Rechts, zum Terminator hin, der Sinus Meridiani. Darüber, die helle Region, Pyrrhae und Noachis. Darüber wieder ein dunkles "Band", eine Serie diverser Lacus. Dann wieder hell, Chalce. Dann noch einmal ein dunkler Bereich um die kleine, helle südliche Polkappe. Nördlich (unterhalb) des Margaritifer Sinus die helle Chryse Planitia, darunter (nördlich) das dunkle Mare Acidalium. Dunst liegt über der Nordhalbkugel.

Warum das schmerzt? Ganz einfach. In drei Stunden stünde Mars hoch, und bei dem Seeing wäre ein ganz, ganz tolles Bild möglich. Aber morgen ist Arbeitstag. Das schmerzt.

Voll Vorfreude auf die Erdnähe Ende Oktober bauen wir ab. Es war ein toller Abend.