Von Zeit zu Zeit veranstalten wir für unsere Mitglieder Führungen durch Wiens größte Sternwarte, die Universitätssternwarte in Währing; sie beherbergt das Institut für Astronomie der Universität Wien, Österreichs größtes astronomisches Institut. Da es sich um eine Forschungseinrichtung handelt, kann sie nicht so einfach besucht werden, aber dank unserer guten Kontakte zum Institut lassen sich Spezialführungen unbürokratisch organisieren.
Ein besonderer Anlass am Himmel hilft bei der Wahl des Termins, heute ist es der Mars, der sich derzeit in Erdnähe befindet. Gleich vorweg: Er wird sich heute nicht zeigen; Hochnebel und Wolken vereiteln das. Doch auch ohne Blick zum Himmel ist ein Besuch dieser riesigen Sternwarte sehenswert.
Unsere heutige Gruppe besteht vornehmlich aus TeilnehmerInnen unseres aktuellen Kurses "Erlebte Astronomie, Teil 1", daher ist das Gezeigte für die meisten heute neu. Es sind aber auch einige dabei, die zum wiederholten Mal dem Reiz dieser Sternwarte erliegen.
Roland Ottensamer und Bernhard Aringer führen und durch das Institut und präsentieren uns moderne Forschung hinter historischen Mauern in einer sehr lebendigen, interessanten Führung.
|
|
|

Dann der obligate Aufstieg über die imperiale Freittreppe
|
|
|
Wir kommen heute in einen besonderen Genuss: Erstmals kann eine Gruppe das neue 2,3m Radioteleskop der Sternwarte besuchen. Natürlich, es ist kein großes Instrument. Aber es erweitert das Lehrangebot des Instituts, denn die Radioastonomie spielt in der Erforschung des Universums eine ganz entscheidende Rolle. So konnten Studenten schon nachweisen, dass unsere Milchstraße rotiert. Mit optischen Instrumenten ist das praktisch unmöglich.
|
|
|
Nach der Radioastronomie geht es zur optischen Astronomie, hinauf in die große Kuppel.
|
|
|
Der Große 68cm-Refraktor ist eigentlich nur mehr Schaustück und kommt bei Führungen zum Einsatz; für Lehre und wissenschaftliche Arbeiten besitzt das Institut seit einiger Zeit ein 80cm-Spiegelteleskop in der Nordkuppel und seit 1966 auch das 1,5m Teleskop im Leopold Figl-Observatorium auf dem Schöpfl. Roland betont, dass moderne Forschungstelekope einen Durchmesser haben, der jenem der Kuppel entspricht; kein Land kann sich so eine Einrichtung alleine leisten, internationale Kooperationen bilden die Basis der modernen Forschung. Österreich wartet noch immer auf den Beitritt zur Europäischen Südsternwarte, die in Chile die größte Teleskopanlage der Welt betreibt

Ehrfürchtige Blicke zu dem riesigen Telekop. 1876 war dieses Teleskop (für wenige Monate)
das größte der Welt. Heute baut man anders; Spiegel statt Linsten, viel, viel größer und vor allem:
Nicht mehr allein.
Auch wenn viele, vor allem die TeilnehmerInnen an unserem Einsteigerkurs, der erst vor kurzem begonnen hat, noch nicht viel über Astronomie wissen, der Einblick, wie heute geforscht wird, war lehrreich. Vor allem die überraschende Erkenntnis: Astronomen sitzen längst nicht mehr Nächte lang hinter dem Fernrohr. Beobachter verbringen im Jahr vielleicht einige Wochen auf Sternwarten, dann aber nicht beim Fernrohr, sondern im Kontrollraum (könnte genauso gut eine Raumsonde sein, die von dort aus gesteuert wird). Theoretiker werten Daten aus, erstellen Modelle und versuchen, diese mit Daten zu untermauern. Sie sitzen am Schreibtisch, arbeiten mit Computern, unter Tags. Wie viele andere Büroangestellte auch. Romantik hinterm Fernrohr? Die erleben nur noch wir Amateure. Aber das ist ja seit fast 100 Jahren so.
Vielen Dank an Bernhard und Roland für die familiäre und informative Führung!
Text und Fotos: Alexander Pikhard