| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 17. 11. 2005 | ||||||||||||||
| Zeit: | 22.00 bis 00.30 MEZ | ||||||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Minolta Dimage Z3, Philips ToUCam Pro | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Nachdem wir am vierten Abend unseres Einführungskurses "Erlebte Astronomie, Teil 1" wieder einiges bei klarem Himmel herzeigen konnten, betätige ich mich noch ein wenig auf meiner Terrassensternwarte. Das erste Ziel ist natürlich der Mars. Böiger Wind macht das Aufnehmen schon recht schwierig. Das Seeing ist am Planeten gar nicht so schlecht, vor allem, wenn man sieht, wie die Sterne des Orion und erst recht der Sirius, funkeln. Ich nehme mit Dreifachbarlowlinse auf, also einer Brennweite von 9m. Doch erst die späteren Serien gelingen einigermassen. Was ist bloss mit dem Planeten los? Die Südhalbkugel ist so untypisch dunkel, dass der Planet sogar schwächer vom Himmel strahlt, als er es aufgrund seiner Position sollte. Kaum eine Struktur zwischen den doch reich gegliederten Gegenden am Äquator und der südlichen Polkappe, die sich ganz weit zurückgezogen hat. Erkenne ich neben der Polkappe eine Wolke oder einen Staubsturm? Auf der Nordhalbkugel ist es ebenfalls bewölkt. Über dem Mare Acidalium liegt eine hohe, cirrusartige Bewölkung. Im Fernrohr ist sie schneeweiß, auf meiner Aufnahme, die ich ohne IR-Sperrfilter gewinne, ist sie immer noch dut zu erkennen, aber eher gelblich. Das Wetter auf dem Planeten ist nicht allzu gut. Deutlich erkennt man auch, dass Mars gegenüber Ende Oktober schon zwei Bogensekunden verloren hat - das ist zwar nur ein scheinbarer Neptundurchmesser, aber andererseits sind es 10 Prozent. Ein Blick zum Mond muss auch sein. Vollmond ist vorbei (und hoffentlich auch die hysterische Massenverblödung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) und das Mare Crisium steht nahe dem Terminator. Gut zu erkennen schon die Kraterreihe Langrenus - Vendelinus - Petavius - Furnerius. Die Wintersternbilder sind vollständig aufgegangen und auch ein Blick zum Saturn ist schon möglich, obwohl er tief steht. Dieser Blick überrascht mich in doppelter Hinsicht. Zum einen ist das Seeing trotz geringer Höhe recht gut. Zum anderen erstaunt mich die scheinbare Größe des Planeten. Hätte mich nicht wundern sollen: Meine Magellan-Steuerung nennt sowohl bei Mars als auch bei Saturn 18" als scheinbaren Durchmesser, nur dass Saturn noch einen Ring hat. In letzter Zeit nur mit Mars beschäftigt, habe ich mich an das kleine Objekt und starke Vergrößerungen gewöhnt. Ich beschliesse, zum Vergleich, und obwohl die Bedingungen nicht soooo gut sind, Saturn mit der gleichen Konfiguration aufzunehmen wie Mars. Was für ein Erlebnis und ich erinnere mich, Saturn noch selten mit der 3x-Barlowlinse aufgenommen zu haben. Er passt ja gerade einmal auf den Chip. Gut, man erkennt, wie sich die Lage der Saturnringe heuer verändert hat. Man erkennt sogar die Cassini-Teilung. Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Sondern: Wir sind doch beim Saturn froh, wenn wir die Cassini-Teilung gut ins Bild bekommen, die spärlichen aber durchaus vorhandenen Details in den Wolken "jagen" wir kaum. Aber was für kleine Details versuchen wir auf dem Mars zu erkennen! Es ist schon erstaunlich. Man muss die Planeten einfach vergleichen, auch das ist sehr lehrreich. Langsam zeichnet sich ein Ende der Marssaison ab. Noch ein paar Wochen, dann wird Mars so klein geworden sein, dass sich Aufnahmen nicht mehr lohnen. Gut, dass dann Saturn schon hoch stehen wird, so können wir uns neuen Abenteuern zuwenden. Und wenn Saturn langweilig wird, wird Jupiter schon zu angenehmen Zeiten beobachtbar sein. So geht's am Himmel, ob wir hinschauen oder nicht. Der Abend hat jedenfalls gezeigt, dass sich das Hinschauen allemal lohnt. |