Mars und Saturn

Wien 12, 27. 11. 2005

20051127api23.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:27. 11. 2005
Zeit:23.00 bis 00.40 MEZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX-200, Philips ToUCam pro
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Temperatur:+1 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Letzte hohe Wolken, die kaum stören.
Bericht:

Es ist ja bekannt. Neuanschaffungen bewirken Schlechtwetter und versauen so der ganzen Gemeinschaft den Spaß. Aber so etwas Kleines wie ein Filter? Nach einem winterlichen, verschneiten Wochenende klart der Himmel in der Nacht auf Montag (wenn schon, denn schon) auf und gegen 23 Uhr erblicke ich einen herrlichen Himmel. Mars, immer noch heller als Sirius. Orion schon verdächtig nahe der Kulmination um diese Zeit. Saturn auch schon im erreichbaren Bereich. Jetzt kann ich endlich meinen IR-Planetenfilter testen.

Rasch ist Mars eingestellt, und durch das 14mm Pentax-Okular erkenne ich Seeing der übleren Sorte, nämlich hochfrequent und von niedriger Amplitude, also kein Wallen, sondern ein ganz feines Zittern. Normalerweise zum ärgern, aber heute für meinen Test ganz ideal.

Ich mache zunächst eine Aufnahme des Mars mit 3x-Barlowlinse, 1200 Frames, wie üblich, ohne irgendeinen Filter.


Mars, F=9000mm, 900 von 1200 Frames, ohne Filter

Wie zu erwarten war, nicht allzu viele Details, seeingbedingt. Syrtis Maior ist die dominierende Formation. Um Hellas im Süden (oben) etwas weniger Staub als zuletzt. Keine Spur der südlichen Polkappe und auch die Wolke im Norden (unten) ist schon viel weniger geworden.

Jetzt eine Serie mit IR-Passfilter, ansonsten alles gleich. Der Filter ist sehr dunkel, ich muss merklich länger belichten.


Mars, F=9000mm, 1000 von 1200 Frames, IR Passfilter

Abgesehen von der (unnatürlichen) Farbe zeigt sich klar, welche Vorteile dieser Filter bringt. Hier kann man dem Seeing wirklich ein Schnippchen schlagen und noch dazu den Kontrast entscheidend stärken. Die Aufnahme entstand eine gute Stunde nach der ersten, am Seeing hat sich aber nichts geändert.

Jetzt zu Saturn. Mit der 3x-Barlowlinse kann ich nicht arbeiten, dazu ist das Seeing in der geringen Höhe nicht gut genug. Auch die 2x-Barlow ist am Limit, denn der IR-Filter ist so dunkel, dass ich mit den Intensitätsregler auf Anschlag stehe. Also nehme ich fokal, mit F=3000mm auf. Zunächst mit IR-Sperrfilter.


Saturn, F=3000mm, 700 von 900 Frames, IR Sperrfilter

Gar nicht so schlecht für das Seeing in der geringen Höhe. Jetzt kommt der IR-Passfilter dran.


Saturn, F=3000mm, 900 Frames, IR Passfilter

Nicht übel. Die Farbe ist künstlich, die Schärfe wirklich gut. Keine Frage, dieser Filter bringt einiges. Ein Bild mit gutem Kontrast (IR), eines mit schönen Farben (visuell) - das schreit nach einem Komposit.


Saturn, Komposit aus den beiden obigen Aufnahmen

Fazit: Eine neue Aufnahmetechnik ist geboren, ausbaufähig. Ich freue mich schon darauf, wenn Saturn zu angenehmerer Zeit hoch am Himmel steht.

Eigentlich ist Zeit zum Abbauen. Aber ein visueller Blick zum Orionnebel muss noch sein. Schön!