Venus und Mars

Wien 12, 28. 11. 2005

20051128api17.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:28. 11. 2005
Zeit:17.45 bis 00.15 MEZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX200, Minolta Dimage Z3, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Temperatur:-2 °C
Bemerkungen:Gegen Ende Aufzug hoher Wolken. Seeing schlechter werdend.
Bericht:

Ein sehr klarer Abend verleitet mich zu einer langen Beobachtung - allerdings laufend unterbrochen durch Aufwärmpausen im Wohnzimmer. Das erste Objekt ist die strahlend helle Venus. Schwer vorzustellen, dass die jemand übersehen kann, so dominant sie jetzt am Abend im Südwesten vom frühabendlichen Himmel strahlt.


Venus über den Dächern Wiens

Ich richte das Fernrohr auf den hellen Planeten, zu meinem großen Erstaunen ist das Seeing gar nicht so schlecht, wie angesichts der geringen Höhe befürchtet. Ich rüste die Webcam mit dem IR-Passfilter aus und nehme eine Sequenz mit 3m Brennweite auf.


Venus, ca. 400 von 900 Frames, F=3000mm, IR Passfilter

Um das Bild des Planeten nicht überzubelichten, muss die Belichtungszeit für jeden Frame auf 1/1000s reduziert werden. Dann kommt die Sichel der Venus am besten und nicht überstrahlt heraus. Jetzt ist jene Phase, in der sich die maximale Fläche ergibt, somit der größte Glanz der Venus. -4,6 mag ist Venus derzeit hell, das ist fas 20 Mal so hell wie Sirius.

Mars steht schon recht hoch im Osten. Ein Blick zeigt, dass auch hier durchaus etwas zu holen ist. Ich verwende jetzt allerdings die 3x-Barlowlinse.


Fars, ca. 600 von 1.200 Frames, F=9000mm, IR Passfilter

Leider haben wir wieder einmal die recht unspektakuläre Seite des Mars im Zentralmeridian, doch im Lauf des Abends wird Syrtis Maior sichtbar werden. Leider wird das Seeing von Stunde zu Stunde schlechter, da sich von Süden eine Störungsfront nähert. Bis gegen Mitternacht verfolge ich, wie sich Mars dreht - eine Vierteldrehung des Planeten!


Mars, F=9000mm, 18.41, 20.31, 21.27, 22.05 und 23.21 Uhr MEZ. IR Passfilter.

In der Animation erkennt man leicht, wie schlecht das Seeing im Lauf des Abends wird. Damit ist gegen Mitternacht auch kein sinnvolles Bild vom Saturn mehr zu schaffen. Da ich die drei Planeten, die derzeit zumindest nacheinander am Abendhimmel zu sehen sind, aber innerhalb weniger Stunden aufgenommen habe, montiere ich jetzt hier einen maßstabgetreuen Vergleich von Venus, Mars und Saturn:


Venus und Mars am 28., Saturn am 27. 11. 2005, im gleichen Maßstab.

Erstaunlich eigentlich, welche Details man auf dem Mars im Vergleich zum Saturn sehen kann, und das, obwohl Mars jetzt schon vom scheinbaren Durchmesser her der kleinste der drei Planeten ist (und auch vom wahren Durchmesser, aber das zählt hier nicht). Das macht Hoffnung auf 2007, wo Mars in etwa so groß wird wie jetzt.

Der Himmel ist beeindruckend klar, doch für ernsthafte Deep Sky Fotografie fehlt mir die Zeit, denn irgendwann vor dem morgigen - äh, heutigen - Arbeitstag sollte ich auch schlafen. So bleibt es bei einem 30 Sekunden lang belichteten Digicamschnappschuss vom Orionnebel.


Das Zentrum des Orionnebels, 30 Sekunden bei 400 ISO

Sirius wird schwächer!? Von Südosten ziehen hohe Wolken auf, die Front kommt. Macht nichts, ich baue sowieso ab. Es war, trotz über weite Strecken nicht so gutem Seeings, ein sehr schöner Beobachtungsabend zu Hause. Sozusagen Fernsehen der besseren Art.