Mehrfachstern Sigma Orionis

Wien 21, 30. 11. 2005

20051130wvo23.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:30. 11. 2005
Zeit:23.00 MEZ
Ort:Wien 21
Instrument:Refraktor 130/1040mm
Bedingungen:
Bericht:

Sigma Orionis (σ Ori) ist ein leicht zu findender Doppelstern: vom linken/östlichen Gürtelstern des Orion (ζ Ori) ist er der nächste helle Stern nach rechts unten/Südwesten. Er ist auch besonders interessant da er eigentlich ein Mehrfachstern ist. Schon mit dem Fernglas ist ein Begleiter sichtbar. Mit einem kleinen Fernrohr sind mehrere weitere Begleiter sichtbar und sogar ein weiterer Doppelstern nicht weit von Sigma Ori: Struve 762 (STF 762 = Σ 762). Der helle Hauptstern ist ein sehr enger Doppelstern und erst in grossen Fernrohren ab etwa 30cm Öffnung trennbar.

Sigma Ori = STF761:
Refraktor 130/1040mm: am besten bei 115x und 150x zu sehen: Sigma Ori AB ist hell sichtbar. Das enge System ist natürlich nicht trennbar. Die Begleiter D und E im Nordosten sind leicht zu erkennen und weiss. Der weiter entfernte Begleiter E ist sogar schon im 16x70 Fernglas sichtbar! Der schwächere Begleiter C im Südwesten ist nicht leicht aber bei genauer Beobachtung erkennbar.

STF762:
ist nordwestlich von Sigma Ori als ungleicher Dreifachstern gut zu sehen: A ist die hellere Komponente im Nordosten, B und C das engere Paar südwestlich davon.

Zwischen Sigma Ori und STF762 sind mehrere schwache Sterne erkennbar, zwei sind recht deutlich erkennbar. Insgesamt zähle und skizziere ich 8 schwächere und schwächste Sternchen zwischen den beiden Doppelsternen -- damit ist die Gegend fast ein kleiner Sternhaufen!

Peter Wienerroither hat ein schönes Bild von Sigma Ori gemacht:

(Bildquelle: http://homepage.univie.ac.at/Peter.Wienerroither/pwafod05/20050402-801.jpg).
Norden ist oben, Osten links. Sigma Ori ist das helle Vierfachsystem in der Mitte. STF 762 ist rechts oben erkennbar.

Er hat mir vier seiner Rohbilder im FITS Format geschickt (danke!) und ich habe sie nach meinem jetzt schon erprobten Verfahren vermessen: mit dem Programm "Astronomical Image Processing" von Berry und Burnell habe ich zuerst eine astrometrische Auswertung gemacht, um die genaue Brennweite und damit den Abbildungsmasstab und die Verdrehung des Bildes gegen die genaue Nord-Süd-Richtungzu ermitteln. Danach habe ich mit dem Distanz-Werkzeug des Programms Abstand und Positionswinkel der einzelnen Komponenten der Mehrfachsternsysteme bestimmt. Peter hat eine Brennweite von nur 530mm verwendet, aber trotzdem liess sich das Bild ziemlich gut vermessen und die Übereinstimmung mit dem WDS (Washington Double Star Catalog) ist gut. Ich habe auch die Distanz und den Positionswinkel von Sigma Ori AB zu STF762 A gemessen: das ist als STF3135 im WDS verzeichnet.

Messungen:

 Stern       Nummer  Komp   Dist"  du"   PW°     pu°     
Sigma Ori STF761 AB,C 9,7 1,1 238,8 1,6
Sigma Ori STF761 AB,D 11,8 0,7 85,4 3,2
Sigma Ori STF761 AB,E 40,3 1,4 61,6 0,6
STF762 AB 68,4 0,3 202,6 0,1
STF762 AC 72,2 0,4 208,8 0,2
STF762 BC 8,5 0,1 268,9 0,8
STF3135 208,3 0,5 323,6 0,1


 Nummer  = die Katalognummer aus dem WDS                                         
Komp = die dort angegebene Komponentenbezeichnung
Dist" = Distanz in Bogensekunden. Z.B. STF761 AB,C bedeutet von AB nach C
bzw. STF762 AB von A nach B
du" = Ungenauigkeit in der Distanz aus 4 Messungen
PW° = Positionswinkel in Grad
pu° = Ungenauigkeit im Positionswinkel

Peter Wienerroither hat übrigens ein sehr interessantes Projekt begonnen: er fotografiert alle Doppelsterne die mit Fernglas und kleinem Fernrohr gut beobachtbar sind. Die Bilder sind auf seiner Homepage zu sehen: http://homepage.univie.ac.at/peter.wienerroither/pwafodsd.htm