Deep Sky Nacht

Hohe Wand, Kleine Kanzel, 02. 12. 2005

20051202api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:02. 12. 2005
Zeit:19.00 bis 23.45 MEZ
Ort:Hohe Wand, Kleine Kanzel
Instrument:12" Meade LX200, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.5
Temperatur:-7 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:leicht aus SE
Bemerkungen:Meist im Windschatten, nur zwischendurch einmal ein paar Böen. Seeing besser werdend. Gegen Ende im S und E dünne Cirren.
Bericht:

Zweifel sind an diesem grauslich grauen Nachmittag durchaus angebracht; auch wenn die Medien von strahlendem Wetter in den Bergen berichten, aber wird es halten? Die Webcams aus Mariazell zeigen eine Märchenlandschaft, die weniger an Sterngucken als an "Schiiiiifooooahn...!" denken läßt. Roland Graf ruft zur Entscheidungshilfe auf der Hohen Wand an, und als die Antwort "sternenklar!" lautet, hält es mich nicht mehr in Wien.

Auf der Kleinen Kanzel empfängt mich zunächst ein penetranter Scheinwerfer, der aber auf unseren Wunsch hin abgedreht wird. Und ein umwerfender Sternenhimmel. Wow! Michstraße von Horizont zu Horizont, und das, wo sie doch im Bereich des Einhorn wirklich nicht sehr hell ist. Mit meiner kleinen Z3 kann ich das nicht so wirklich im Bild festhalten.


Der Große Wagen über den zunächst beleuchteten Bäumen


Das Sommerdreieck

Es ist kalt und in den Baumwipfeln hört man den Wind sausen. Nur einmal wechselt er kurz die Richtung und erreicht den Parkplatz - was die Sache recht ungut macht -, doch bald dreht er wieder und wir stehen im Windschatten.

Das Seeing ist zunächst nicht gut und so mache ich mich auf, den Himmel visuell zu betrachten. Es wird eine der besten Deep Sky Nächte, an die ich mich erinnern kann!

  • Ich starte mit M31 (40mm Pentax). Unschwer sind zwei dunkle Staubbänder auszumachen, der Nebel sprengt zu beiden Seiten das Gesichtsfeld. Ich kann ihn weit verfolgen und mit NGC 206 sogar eine deutliche Struktur erkennen. Auch die beiden Begleiter M32 und NGC 205 sind bemerkenswert hell heute. Ein traumhafter Anblick. Ich schwenke in die Cassiopeia zu den beiden weiter entfernten Begleitern von M31. NGC 147 ist groß und diffus und ein interessanter, schwieriger Anblick hinter einem reichen Vordergrund aus Milchstraßensternen. NGC 185 ist kleiner und dichter und hebt sich deutlicher vom Hintergrund ab.

  • M33 ist eine Wucht. Unschwer erkenne ich die ganze Spirale, einige HII-Gebiete kommen ebenfalls ganz deutlich heraus. Was für eine Nacht. Die große Galaxie füllt das Gesichtsfeld des 40mm Pentax ganz aus, ein toller Anblick, wert, minutenlang hineinzuschauen.

  • Ich wandere Richtung Schwan und besuche am Weg einige weniger bekannte Objekte. Der schöne offene Sternhaufen M52 ist heute prächtig. Und weil das hochfrequente Seeing die Sterne "weichzeichnet", kommen ihre Farben besonders gut heraus. Daher ein Abstecher zum Granatstern (μ Cep) und zu δ Cephei, der in punkto Farben Albireo locker übertrifft. Auch der Nebel NGC 281 ist gut zu erkennen, vor allem mit einem O-III-Filter.

  • Nächstes Objekt ist der Crescent-Nebel NGC 6888 im Schwan. Mit O-III-Filter kommt der Nebel, obwohl er schon tiefer steht, unglaublich gut heraus. Ich sollte mich höher stehenden Objekten zuwenden!

  • NGC 891 in der Andromeda habe ich nur auf Fotos besser gesehen. Schwach, aber zart, mit deutlichem Staubband, steht die dünne Kantengalaxie senkrecht im Feld.

Die Wintersternbilder stehen jetzt recht hoch, ich kann es nicht mehr erwarten ...

  • M1 braucht heute keinen Filter. Er steht so hell im Gesichtsfeld wie der Hantelnebel an einem guten Abend auf der Sofienalpe. Ich probiere ein schwieriges Objekt. NGC 1554-5, Hinds veränderlicher Nebel, ist ein reich strukturiertes Gebiet aus schwachen Reflexionsnebeln um den berühmten veränderlichen Stern T Tauri.

  • Jetzt ist der Orionnebel dran. Umwerfend!!! Schon visuell erkennt man ein zartes Farbenspiel: Die Kernregion in ganz zartem grünlichen Ton, die weiten Ausläufer mit einem Hauch von Rosa und Blaugrau. Was für ein Objekt! Im 40mm Pentax füllt der Nebel das ganze Gesichtsfeld. Ich erhöhe und wechsle auf das 14mm Pentax. Die Kernregion ist enorm strukturiert, reich an Filamenten und Dunkelwolken. Minutenlanges Staunen ist angesagt. Mit UHC-Filter im 40mm Pentax sieht der Nebel wie eine Zeichnung aus. Die Farben sind jetzt weg - bis auf den blaugrünen Ton der Hβ- und O-III-Linien - doch die Kontraste sind enorm, fast unwirklich.

  • Inspiriert durch den Anblick des Pferdekopfs schwenke ich zum Rosetta-Nebel. Der helle Sternhaufen NGC 2244 strahlt förmlich, und mit dem UHC-Filter kann ich dem riesigen Ring des Nebels, er ist viel größer als mein Gesichtsfeld, leicht folgen und viele Strukturen erkennen.

  • Ich schwenke zu ζ Orionis. Der Flammennebel, NGC 2023, ist wirklich deutlich, trotz der Nähe des hellen Sterns. Mit dem UHC-Filter ist er noch besser zu erkennen. Dann ein Rück nach Süden. Und ohne eine nennenswerte Schwierigkeit erkenne ich den Pferdekopfnebel! Jetzt muss ich einfach zugeben: So gut habe ich ihn noch nie gesehen! Deutlich die Kante von IC 434 und die dunkle Einbuchtung B33 kann ich sogar ohne indirektem Sehen ausmachen. Einmal mehr erstaunt es mich, wie gross der "Kopf" eigentlich ist. Dieser Anblick ist eine Wucht!

  • Offene Sternhaufen müssen auch sein. Das Feld mit M35 und NGC 2158 ist der nächste umwerfende Anblick. Der große Haufen füllt ein Drittel des Gesichtsfelds und in der reichen Milchstraßenregion liegt ganz in der Nähe der kleine, dichte, ebenfalls gut aufgelöste Haufen NGC 2158. Die beiden Objekte bilden einen beeindruckenden Kontrast. Doch so richtig fassunglos bin ich beim Anblick von M37. Noch nie habe ich in einem Gesichtsfeld so viele Sterne gesehen! Reichste Milchstraße und dennoch hebt sich der Sternhaufen noch gut vom Hintergrund ab. Ein Anblick, den man nicht vergessen kann. M36 und M38 sind auch schön, aber an den Anblick von M37 kommen sie einfach nicht heran.

Das Seeing ist besser geworden und so wenden wir uns doch noch einmal den Planeten zu. Am Mars kommt gerade die Große Syrte über den Rand hervor. Also montiere ich, trotz Kälte, die Webcam und mache eine Serie mit der 3x-Barlowlinse.


Mars, F=9000mm, 850 von 1200 Frames, IR Passfilter

Gar nicht so übel für nur 16" scheinbaren Durchmesser. Jetzt zu Saturn. Er steht dicht bei der Praesepe (M44), mit freiem Auge ein imposanter Anblick. Im Fernrohr ist er auch wunderschön, aufgrund seiner tieferen Lage macht das Seeing doch noch mehr Probleme. Dennoch, mit 2x-Barlowlinse nehme ich ihn auf und verkleinere das Bild dann.


Saturn, F=3000mm, 900 Frames, IR Passfilter

Wie man sieht, verändert der IR Passfilter die Farben nicht, wenn man richtig ausarbeitet. Der Farbkontrast zwischen Planet und Ringen ist wirklich beeindruckend, auch wenn die letzte Schärfe fehlt.

Von Süden ziehen Cirren auf. Rasch noch ein Blick zu M81 und M82, die schon hoch im Nordosten stehen. Beide Objekte sind enorm beeindruckend.

Da es auf Mitternacht zugeht und morgen Jahrestagung ist, beschliessen wir, abzubauen. Roland bringt es auf den Punkt: Es war die perfekte Entscheidung, heute hierher zu fahren. Wir hatten letztlich alles, Deep Sky und Planeten, und es war eine der besten Nächte, an die wir alle uns erinnern können.