Mond mit freiem Auge und Fernglas -- die "Goldenen Hörner"

Wien 21, 23. 12. 2005

20051223wvo06.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:23. 12. 2005
Zeit:06.45 bis 07.45 MEZ
Ort:Wien 21
Instrument:Freies Auge, Fernglas 8x30
Bedingungen:
Bericht:

Heute morgen beobachtete ich von 6h45 bis 7h45 wieder den Mond mit freiem Auge und Fernglas 8x30. Die Sicht war etwas gestört durch dünne Wolken, aber gelegentlich schaute der Mond durch grössere Lücken und war dann gut zu sehen -- auch eine Art "Frühstücksfernsehen"!

Besonders interessant war der Eindruck der Mondphase: mit freiem Auge war die Lichtgrenze praktisch genau gerade zu sehen, der Mond erschien also gerade halb beleuchtet. Diesen Eindruck hatte ich auch bei mehrfachem Hinsehen. Erst in der hellen Dämmerung und bei Sonnenaufgang kam mir der Mond ganz wenig mehr als halb beleuchtet vor; das war aber sehr zart und kaum wahrnehmbar. Mit dem Fernglas 8x30 dagegen war es ganz eindeutig: der Mond ist mehr als halb beleuchtet. Das bestätigt auch die Rechnung: um 7h00 MEZ war er noch zu 56 Prozent beleuchtet; der genaue Termin des Letzten Viertels ist erst heute abend (23.Dez.2005, 20h37 MEZ).


Mondkarte von Andres Valencia: http://www.oarval.org/MoonMapen.htm
Mit freiem Auge waren wieder einige Einzelheiten am Mond sichtbar: neben dem hellen Fleck des Hofs des Kraters Kopernikus (74) war an der Lichtgrenze auch noch ein Stück des hellen Bogens der Apenninen (26) zu erkennen. An weiteren dunklen Maria waren Mare Imbrium (2), Oceanus Procellarum (14), Mare Humorum (12), Mare Nubium (11) und sogar ein Stück des Mare Frigoris (1) zu erkennen: Sinus Roris (15). Ich bemühte mich auch den dunklen Fleck des Kraters Grimaldi (70) und die hellen Flecken um die Krater Kepler (72) und Aristarch (73) zu sehen; das war mit freiem Auge aber nicht möglich.

Mond am 23.Dez.2005, 7h48 MEZ. Digitalkamera Minolta Z-2 auf Stativ, Kleinbild-Äquivalentbrennweite 380mm.


 
Interessant fand ich auch die Beleuchtung der Randgebirge des Mare Imbrium (Regenmeer): die Apenninen (unten) und die Alpen (oben) bildeten zwei "Hörner" in den schon unbeleuchteten Teil des Mondes. Das war im 8x30 sehr schön zu sehen; das Bild mit der Digitalkamera mit grösster Zoombrennweite zeigt nahezu so viele Einzelheiten. Mit freiem Auge war von diesen "Goldenen Hörnern" kaum etwas zu sehen: ich vermutete eine kleine Unregelmässigkeit am Terminator (der Lichtgrenze), war aber nicht sicher etwas von den Apenninen zu sehen.