| Beobachter: | Doris Istrate | ||
| Datum: | 03. 01. 2006 | ||
| Ort: | Jaipur/Indien | ||
| Instrument: | Olympus E 10 | ||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Auf der Rundreise durch Indien besuchten wir das berühmte Observatorium Jantar Mantar in Jaipur. Wir waren etwas misstrauisch, denn in Samarkand hatte man uns auch das berühmte Observatorium des Ulug'bek angekündigt, dessen Reiz dann aber nur aus dem Grundriss der Sternwarte und einem Drittel des ursprünglichen Sextanten bestand, der noch aus der Erde ragte. Sonst war nicht ein einziger Stein von dem Observatorium des Ulug'bek erhalten geblieben. So waren wir sehr überrascht, als wir in Jaipur ein völlig intaktes und funktionsfähiges Observatorim vorfanden, das auch wesentlich größer war, als wir erwartet hatten. Der Maharadscha Sawai Jai Singh II (1699-1744) hatte die Stadt Jaipur gegründet und sie nach seinem Namen benannt (Jai-pur).
Neben seinem Stadtpalast ließ er das Observatorium errichten, dessen Bau und technische Einrichtungen zu jener Zeit einzigartig waren.
Es befinden sich 18 Instrumente auf dem Areal, in sehr gutem Zustand und geeicht. Es ist hier natürlich nicht möglich alle Geräte vorzustellen, aber vielleicht ein paar Bilder und Worte zu den (subjektiv) wichtigsten: Am hervorstechendsten ist das "Samrat Yanta", das "der König der Instrumente" bedeutet. Es handelt sich um eine Sonnenuhr, dessen Gnomon 27,4 m hoch ist, mit Qauadranten nach Westen und Osten, die jeweils 15 m lang sind. Auf den Qaudranten befinden sich Stunden-, Minuten- und Sekundeneinteilungen, wobei die Minuten in dreissig Abschnitte unterteilt sind und somit eine Genauigkeit von ZWEI SEKUNDEN erreicht wird.
Bemerkenswert ist auch das "Yanta Raj". Diese runden Scheiben bestehen aus 7 verschiedenen Legierungen, um eine Änderung der Abmessungen bei Temperaturschwankungen auszugleichen. Die Bohrung stellt den Polarstern dar, das Zentrum Jaipur auf 27°. Es ist ein Aussenkreis markiert, der in 24 Stunden unterteilt ist, jede Stunde wurde noch in 6 gleiche Abschnitte unterteilt. Der innere Kreis ist in 360° geteilt, mit ebenfalls je 6 gleichen Unterabschnitten. Auf dem äusseren Kreis werden die Positionen beobachteter Plantene markiert. Bringt man eine zweite Scheibe mit einer 180°-Einteilung an der Bohrung an, kann die Position von Planteten zu verschiedenen Zeitpunkten berechnet werden.
Kranti Writa: Auf einem gemauerten Sockel befinden sich 2 Kreise aus Messing, von denen sich einer in die Ebene des Äquators und der andere in die Ebene der Ekliptik drehen lassen. Es dient sehr einfach zur direkten Messung der Längen- und Breitengrade eines Sterns. Es kann zu jeder Tages- und Nachtzeit benutzt werden.
Jai Prakash Yantra: Dieses Instrument ist eine Erfindung von Maharadscha Jai Singh, um die Genauigkeit der Messungen durch die anderen Instrumenten zu überprüfen. Es besteht aus 2 Vertiefungen, wobei sich beide Hälften genau ergänzen. Die halbkugelförmigen Vertiefungen sind praktisch die auf den Kopf gestellte Erdoberfläche und bestehen aus je 6 Marmorblöcken mit einer Einteilung in Minuten und Sekunden. Über dem Mittelpunkt der Halbkugeln, also im Mittelpunkt der gedachten Kugel, hängt je ein kleiner Ring, welcher durch gespannte Drähte fixiert wurde. Dieser Ring bildet die Sonne ab. Der Rand des Yantra ist in Bögen von 0 bis 90 in beide Richtungen eingeteilt. Durch einen gespannten Faden vom abgebildeten Schattenpunkt des Ringes zur Skala ist die Sonnenhöhe ablesbar. Der Schattenpunkt wandert im Laufe des Tages von Westen nach Osten.
Rashivalaya Yantra: Hier handelt es sich um eine Gruppe von 12 Instrumente mit beidseitig sklierten Quadranten. Diese Geräten umgibt ein Hauch von Geheimnis, weil niemand mit letzter Gewissheit sagen kann, welchem Zweck sie dienen. Man vermutet, dass sie zur Bestimmung der Länge und Breite von jeweils einem Tierkreizeichen dienten. Wer also Zeit und Lust hat, dieses Rätsel zu lösen, hat in Jaipur dazu Gelegenheit...
Auf dem Gelände des Observatioriums herrschte reges Treiben. Sowohl Touristen wie auch sehr viele Inder bestaunten und bewunderten das astronomische Werk von Maharadscha Sawai Jai Sing. Nur einige wenige saßen gelangweilt dort und machten kein Hehl aus ihrem Desinteresse an Astronomie ...
Allen Astro-Freunden nachträglich ein PROSIT NEUJAHR! |