Beobachtungsabend

Sofienalpe, 09. 01. 2006

20060109api19.html

Beobachter:Roland Graf, Alexander Pikhard
Datum:09. 01. 2006
Zeit:19.00 bis 22.30 MEZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:18" Obsession Dobson, 12" Meade LX200 mit diversen Kameras
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:schlecht (4)
Seeing:gut (2)
Temperatur:-6 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:leicht aus SE
Bemerkungen:Durchsicht besser als am Vortag, durch den leichten Wind wird die Temperatur niedriger empfunden als am Vortag.
Bericht:

Erneut ein sehr schöner Abend, wenngleich vom Mond stark erhellt. Das gute Seeing vom Vortag ermuntert auch heute wieder zu einem Ausflug auf die tief verschneite Sofienalpe. Nach dem Aufbau einmal ein paar Winterimpressionen. Für Interessierte: 30 Sekunden Belichtungszeit bei 400 ISO äquivalent. Die Sterne machen da leider schon kurze Strichspuren.


Orion im Aufgang


Im hellen Mondlicht erscheint die Landschaft fast wie bei Tag.


Hinter den Bäumen: Saturn (links) und Procyon.


Schwan und Leier im Untergang über einem Schneefeld, das im Sommer die Lagerwiese ist.


Wintermärchen.

Vor genau fünf Jahren, am 9. Jänner 2001, hat es hier fast genauso ausgesehen; etwas weniger Schnee. Da war totale Mondfinsternis (Bericht hier). Es war die schönste Mondfinsternis, die ich je beobachtet hatte. Als wär's gestern gewesen ... In dem Bericht sind auch ein paar Planetenfotos. Bitte mit den unten stehenden vergleichen! Es hat sich schon etwas getan in den Jahren.

Ich widme mich erst einmal dem Mond. Anfangs ist das Seeing noch nicht so gut und so beschränke ich mich auf Aufnahmen mit der Minolta Z3 durch das 75mm Projektionsokular. Mit Hilfe des Kamerazooms kann ich entweder die Totale oder auch Ausschnitte aufnehmen. Alle Aufnahmen mit 100 ISO.


Totale

In der Totalen beeindruckt mich das Mare Australe (rechts unten), wir haben eine extreme Libration in Länge und Breite, da kommt diese eigenartige Struktur besonders gut zur Geltung.


Copernicus


Tycho und Clavius

Ich zoome zwei Details heran, ganz nett, aber so überragend wie am Vortag ist das Seeing zunächst nicht. Das helle Mondlicht macht Deep Sky natürlich nicht sinnvoll, aber ich habe ein anderes Projekt vorbereitet: Kleinplaneten. Aus heavens-above.com habe ich die hellsten Objekte ausgewählt und mache mich an die Suche. Nicht, dass man irgendwelche Details erkennen könnte, aber das Suchen und FInden ist ein Spass.

So steuere ich nach und nach an: (3) Juno, sie steht recht auffällig im Orion. (11) Parthenope und (16) Psyche, sie stehen fast im gleichen Gesichtsfeld nördlich von Aldebaran, in den Hyaden, das "erleichtert" das Auffinden enorm. (19) Fortuna in der Nähe des Mars ist mit 10,9mag heute eine Herausforderung. (89) Julia ist mit 10,7mag auch eine Herausforderung. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen.

Die erste gute Stunde verbringe ich hier allein, und wäre da nicht der dumpfe Hintergrundlärm der Stadt, man möchte meinen, der einzige Mensch im Universum zu sein. Oder zumindest der letzte Außenposten der Zivilisation auf einem eisigen Planeten. Es ist so ruhig wie selten hier. Das Astroleben wird bunter, als Roland und später dann auch noch Walter Koprolin auftauchen. Es entsteht ein Mini-Teleskoptreffen, und zwei Nachtschwärmern ist hier offenbar doch zu viel Betrieb, nach einer Ehrenrunde um den Parkplatz fahren sie unverrichteter "Dinge" wieder ab.

Das Seeing wird immer besser und ich widme mich den Planeten. Zunächst einmal dem wirklich kleinen Mars. Doch es ist erstaunlich, was aus nur 10" scheinbarem Durchmesser alles zu holen ist.


Mars, 2x-Barlowlinse (F=6m) und IR Passfilter, 400 von 1200 Frames

Das Ergebnis der Webcamserie mit 2x Barlowlinse überrascht mich selbst. So viele Details auf so einem kleinen Planetenscheibchen! Jetzt zu Saturn, der malerisch über den Bäumen vor dem Hintergrund der Praesepe aufgeht.


Saturn geht mit Eselchen und Praesepe hinter den Bäumen auf

Ich nehme Saturn trotz seiner beachtlichen scheinbaren Größe von fast 50" mit Ring ebenfalls mit 2x-Barlowlinse auf.


Saturn mit 2x-Barlowlinse (F=6m) und IR Sperrfilter. 400 von 1200 Frames.

Ja, auch die Encke-Teilung kommt ansatzweise heraus. Am beeindruckendsten ist aber das Farbenspiel des Planeten und der Kontrast zwischen dem hellen Ring und dem deutlich dunkleren Planeten. Ein toller Anblick. Im Dobson zählen wir die Monde: 6, 7, 8, 9 ... moment, da stimmt was nicht. Richtig, Saturn steht nahe der Praesepe, da sind schon sehr viele Hintergrundsterne dabei.

Die Aufnahme des Saturn hat übrigens den gleichen Maßstab wie die des Mars, ein sehr guter Größenvergleich.

Und jetzt ist es Zeit, die Planetenfotos vom 9. Jänner 2001 mit jenen vom 9. Jänner 2006 zu vergleichen. Das war damals die beste Saturnaufnahme - aufgenommen durchs gleiche Fernrohr!

Sag noch einmal einer, bei uns lernt man nichts ...

Langsam beende ich die Beobachtung angesichts des nächsten Arbeitstags. Etwas vereist ist alles, aber die schönen Eindrücke wärmen innerlich.quot;