| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||
| Datum: | 10. 01. 2006 | ||||||||||
| Zeit: | 22.00 bis 23.00 MEZ | ||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Minolta Dimage Z3 | ||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Nach zwei Abenden auf der Sofienalpe beschränke ich mich heute, vor allem bedingt durch das schon sehr helle Mondlicht, auf eine Beobachtung von zu Hause. Das Seeing erweist sich als unzureichend. Allerdings kann das ein lokaler Effekt sein, denn bei den tiefen Temperaturen in der Nacht macht sich die Abstrahlung von den Gebäuden schon sehr deutlich bemerkbar. An Fotos von Mars oder Saturn ist also nicht zu denken, also widme ich mich dem Mond. Auch hier muss ich mich auf großflächige Details beschränken, aus Gründen des Seeings. Daher setze ich die Digicam ein und lasse die Webcam im Koffer. Rasch zwei Aufnahmen von schönen Regionen nahe des Terminators, doch eigentlich gilt mein Interesse heute nicht dem Terminator, sondern dem westlichen Mondrand. Sinus Iridum, die "Regenbogenbucht" oder auch "Henkel des Mondes" ist heute ja wirklich sehr deutlich. Doch noch mehr interessieren mich heute seltene Formationen am Mondrand, die aufgrund einer sehr starken Libration in Länge und Breite gut zu sehen sind. Im Südwesten des Mondrands ist heute das Mare Australe gut zu sehen. Wer sich hier einfach ein "Meer" vorstellt, also eine homogene, dunklere Fläche, wird vergeblich danach suchen. Das Mare Australe ist vor allem eine Anhäufung sehr dunkler Krater. Man kann sie am besten sehen, wenn die Libration in Länge stark nach Osten ausschlägt und die Libration in Breite nach Norden, und das ist derzeit der Fall. In der Totalen erkennt man ja, wie weit Tycho und Clavius vom südlichen Mondrand entfernt sind, wie nah am nördlichen Rand aber das Mare Frigoris steht. Am westlichen Mondrand steht das Mare Crisium weit vom Rand entfernt. Das bedeutet, dass man die westlichen Randmeere sehen kann, allen voran die Mare Smythii (benannt nach William Henry Smith, einem britischen Astronomen im 19. Jhdt.) und das Mare Marginis ("Randmeer"). Zwei weitere kleine "Meere" befinden sich auch in dieser Region, nämlich das Mare Undarum ("Wellenmeer"), eine Anhäufung dunkler Becken, und das Mare Anguis ("Schlangenmeer"), eine sehr kleine, dunkle Formation, die ihren Namen wohl ihrer Form verdankt und diesen erst 1913 erhalten hat. Sehr schön erkennt man auch das wahre Relief des Mondes am Rand, wo sich Kraterränder und Berge in ihrer wirklichen Dimension zeigen. Auch ohne Schatten kann der Mond sehr reizvoll sein. |