| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||||
| Datum: | 28. 01. 2006 | ||||||||||||||||
| Zeit: | 18.30 bis 23.30 MEZ | ||||||||||||||||
| Ort: | Sofienalpe | ||||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Philips ToUCam Pro, StarlightXpress MX916 | ||||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Wir haben heute lang hin und her überlegt, wo wir die Astropraxis veranstalten sollen. Hohe Wand oder Sofienalpe? Das vorherrschende Südwetter und vor allem die bessere Erreichbarkeit hat die Entscheidung dann doch zu Gunsten der Sofienalpe ausfallen lassen. Anfangs herrscht leichter Bodendunst durch den Schnee, doch ansonsten sind die Bedingungen gut.
Vier Teleskope, aber wesentlich mehr Beobachter sind heute auf die verschneite Sofienalpe gekommen. Die -8°C Außentemperatur werden nicht als solche empfunden, denn es ist windstill. Einheitlich empfinden alle die Bedingungen als "angenehm". Na also, man kann sich also auch an Kälte gewöhnen.
15 Personen sind trotz der für Laien tiefen Temperatur heute auf die Sofienalpe gekommen, so viele, wie schon lange nicht. Schon gar nicht im Winter. Eine sehr erfreuliche Bilanz.
Was uns weniger erfreut: Die Flutlichtpiste Hohe-Wand-Wiese, nur einige hundert Meter entfernt, hellt den Himmel enorm auf. Das kostet eine gute Größenklasse freisichtig. Erst gegen 23 Uhr wird die Beleuchtung abgestellt. Da muss man sich schon fragen, ob das sein muss.
Natürlich ist Saturn, der quasi noch in Opposition stand, ein begehrtes Ziel. Schon während der visuellen Beobachtungen werden einige Versuche mit Digitalkameras unternommen.
Die Bedingungen an diesem Abend werden laufend besser, sowohl Durchsicht als auch Seeing. Aber erst nach 23 Uhr sind sie wirklich gut. Saturn, 22 Stunden nach Opposition, ist einfach herrlich. Noch immer sind die Ringe strahlend hell, der Planet auffällig dunkler als die Ringe, mit deutlichen Wolkenstreifen. Schon gegen 22 Uhr ist das Seeing so gut, dass die Webcam Sinn macht.
Na bitte, ist ja alles da, schöne Details auf dem Planeten und in den Ringen, Encke-Teilung angedeutet. Es ist so eine Sache mit den Ringteilungen. Auch die Cassini-Teilung erscheint heute nicht so dunkel wie sonst. Klar, sie ist auch nicht leer, enthält etliche Teilchen, aber ob sich der Oppositionseffekt auch an den Ringteilungen bemerkbar macht? Unglaublich deutlich ist heute der C-Ring, sogar auf dem Foto. Der Oppositionseffekt: In den Tagen um die Saturnopposition schauen wir praktisch aus der Richtung, aus der das Sonnenlicht kommt. Es kommt zu keiner gegenseitigen Abschattung der Ringteilchen, die maximale Reflexion des Sonnenlichts trifft uns. Der Abschattungs-Effekt ist proportional zur dritten Potenz des [Sinus des] Phasenwinkels, also wirklich um die Opposition (Phasenwinkel ca. 180°, Sinus davon 0, daher auch die dritte Potenz) minimal. Saturn ist übrigens auch mit freiem Auge auffällig hell! Zahlreiche Monde säumen den Planeten, doch meine Aufmerksamkeit gilt einen Saturnmond, der in Amateurkreisen nicht einmal stiefmütterlich behandelt wird: Phoebe. Gut, der nur ca. 300km kleine, unregelmäßig geformte Körper (wahrscheinlich ein eingefangener Kometenkern) wir nur etwas heller als 17mag, aber was ist das schon für eine CCD-Kamera? Also motiviere ich mich und montiere, obwohl die Kabel angesichts der Kälte, sehr steif sind, die StarlightXpress MX916. Ich hatte sie schon lange nicht in Betrieb, ob noch alles klappt? Es klappt. Ich habe mich ja vorbereitet. Mit dem JPL Horizons Ephemeridengenerator eine genaue Ephemeride ausgedruckt, die Koordinaten des "mean equinox of date" ins LX200 eingetippt, GOTO. Mit TheSky eine Karte erstellt, darin die Koordinaten J2000 eingetragen - macht schon einen Unterschied. Eine Testaufnahme. Nach ca. einer Minute kann ich die Sterne identifizieren, die Position passt, und fast mitten im Bild Phoebe exakt an der berechneten Stelle. Punktlandung. Erster Schuss, Treffer. OK, die vom JPL schaffen es, Raumsonden dorthin zu schicken, da werden die Positionen wohl stimmen :-) Ich mache eine Serie von 10 Aufnahmen zu je 15 Sekunden und stacke sie.
Von rechts oben fällt Streulicht vom hellen Saturn ein. Phoebe ist mit 16,67mag sehr deutlich. Die schwächsten Sterne, die ich auf der Aufnahme identifizieren konnte, haben 19,6mag, und das bei nur 150s Belichtungszeit. Aber wozu das ganze? Weil sie da ist. Warum soll man nicht auch Phoebe aufnehmen, wenn sie in Reichweite des Instruments liegt. Zurück zur visuellen Beobachtung. Im 40mm Pentax steht Saturn in einem unglaublich sternreichen Feld, schon Ausläufer der Praesepe. Was für ein Anblick. Und mit diesem Okular sind auch M42 (ohne und mit O-III-Filter), M1 (ebenso), M35 und M37 eine Wucht. M78 geht auch einigermaßen. Heute noch ein Streifzug durch die südlichen Messierobjekte des Winters. M46, mit O-III-Filter erkennt man deutlich den planetarischen Nebel NGC 2438 als deutlichen Ring am Rand des Haufens. M47 mit einem schönen Doppelstern in der Mitte. M41, ein nettes Objekt. M79, der Kugelsternhaufen im Hasen, na ja. M48, ein großer, lockerer Haufen, na ja, man sollte ihn einmal gesehen haben. Und dann zum letzten Objekt: NGC 2903. Sehr deutlich, sehr schön. Die erste Löwegalaxie. Es wird Frühling. Hoffentlich ... |