| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 03. 03. 2006 | ||||||||||||||
| Zeit: | 20.00 bis 00.30 MEZ | ||||||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200 mit huckepack montierter StarlightXpress MX916 + 50mm Objektiv | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Nach meiner Beobachtung des zunehmenden Mondes klart der Himmel mehr und mehr auf, auch die Durchsicht wird immer besser. Wer hätte das gedacht? Das Seeing ist nicht berühmt, an ernsthafte Planetenbeobachtung ist nicht zu denken. So bestaune ich eine zeitlang den klaren Himmel und stelle mit Freude fest, dass die Wintersterne am späteren Abend schon auffällig weit im Westen stehen. Da kann kommen was will, der Lauf der Zeit ist nicht aufzuhalten! Mars hat sich schon auffällig von den Pleiaden entfernt und ist nur mehr ganz wenig heller als Aldebaran. Ich halte diesen Anblick mit der Minolta Dimage Z3 in einer 15 Sekunden lang belichteten Aufnahme fest (200 ISO).
Irgendwie befriedigt mich die Aufnahme nicht und so nehme ich den klaren Abend zum Anlass, wieder einmal die StarlightXpress CCD-Kamera herauszukramen und mit einem 50mm Objektiv huckepack auf mein Fernrohr zu montieren. Umgelegt auf die Chipgröße von 8,9mm Kantenlänge entspricht das einer Brennweite von rund 200 mm Kleinbildäquivalent. Leider erweist sich die Pixelgröße der Kamera (27μm) als zu groß für diese kurze Brennweite, aber ein paar nette Aufnahmen kommen doch heraus. Zunächst einmal Saturn bei der Praesepe (M44):
Auch wenn die Auflösung nicht besonders ist, es sind schon mehr Sterne drauf als mit der Digicam. Das "Sternenmuster" von Saturn entsteht durch die Blende des Objektivs. Erstaunlich, wie viel bei nur 20 Sekunden Belichtungszeit zu sehen ist. Ausgearbeitet wird, wie es sich gehört: Mit Dunkelstrom und Flatfiled. Drum hat der Bericht so lange gedauert. Ich nehme mir in weiterer Folge einige der größeren und bekannteren Deep Sky Objekte am späten Winterhimmel vor; auch wenn es sich um keine Spitzenfotos handelt, allein der Größenvergleich ist erstaunlich. Alle Aufnahmen weiterhin je 20 Sekunden pro Farbkanal.
Na gut, die Sternhaufen sind vielleicht wirklich etwas zu klein für diese Konfiguration. Da sieht man erst, wie groß die Praesepe ist. Nun zum schon tief stehenden Orion.
Im gleichen Maßstab wie alle bisherigen CCD-Aufnahmen (und hier verkleinert wiedergegeben) erstaunt auch, wie kompakt dieser tolle Komplex ist. Erstaunlich ist auch, wie viele Details trotz des Bildmaßstabs beim Orionnebel herauskommen, von den Farben ganz zu schweigen. Die Aufnahme entstand in der Großstadt in nicht einmal 20° Höhe!
Aus Spaß nehme ich den Oriongürtel auch auf; dass der Flammennebel recht gut zu sehen ist (links oberhalb von ζ Orionis, dem linken Gürtelstern) und dass sogar der Pferdekopfnebel andeutungsweise da ist (ein schwärzerer Fleck auf nicht so ganz schwarzem Hintergrund links unterhalb von ζ Ori), lässt mich jetzt endgültig überlegen, einen Schritt weiter zu gehen. Ich habe beim letzten CCD-Workshop einen Astronomik Hα-CCD-Filter erstanden. Bisher haben ich die zu erwartenden langen Belichtungszeiten von einem Einsatz abgehalten, aber wie lang ist eigentlich lang? Ausprobieren!
Wow! Schon bei einer Minute Belichtungszeit ist IC434 (der Emissionnebel, in den der Pferdekopfnebel B33 eingebettet liegt), ganz deutlich zu sehen. Mit vier Minuten Belichtungszeit, dem Maximum, das ich ohne Bilddrehung in dieser Region erreichen kann, ist eigentlich alles da. Flammennebel, Pferdekopfnebel, NGC 1973-75-77 und natürlich der Orionnebel samt "Bogen", also dem weitesten Ausläufer. Und das aus der Großstadt! Das macht Lust auf mehr; leider gibt es nicht allzu viele Objekte hier, aber eines sticht sicherlich heraus: Der Rosettennebel NGC 2237-39 und 2246, um den Sternhaufen NGC 2244. Hier sind wegen der Bildfelddrehung nur zwei Minuten Belichtungszeit möglich.
Nur? Reicht doch! Alles, was man so kennt, ist da. Sogar einige schwache Sternhaufen und Nebel in der Region kommen heraus.
Erstaunlich auch die Region um NGC 2264. Klar, der "Konus" kommt nicht heraus, der ist zu klein. Oder doch? Genau hinsehen! Die charakteristische Form des Nebelkomplexes ist gut zu erkennen, auch Hubbles veränderlicher Nebel (NGC 2261) ist klein, aber auf dem Bild (fast sternartig). Es ist noch immer sehr klar, doch mir gehen die geeigneten Objekte aus, und so baue ich ab. Spätnachts lese vom neuen Roten Fleck auf Jupiter; der Planet funkelt (ja, leider, funkelt) gerade hell im Südosten. Soll ich noch einmal aufbauen? Das Seeing und vor allem der Zentralmeridian lassen mich anders entscheiden. GRF und sein Junior werden heute Nacht nicht zu sehen sein. |