Bedeckung von Beta Tauri durch den Mond

Libysche Wüste / Ägypten, 03. 04. 2006

20060403twe17.html

Beobachter:Thomas Weiland
Datum:03. 04. 2006
Zeit:17.00 bis 18.00 UT
Ort:Libysche Wüste / Ägypten
Geogr. Länge:28°05'36,0"E
Geogr. Breite:27°24'42,5"N
Seehöhe:75
System:WGS 84 (GPS)
Instrument:Spektiv 30x75 auf Stativ
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Seeing:sehr gut (1)
Wind:leicht
Bemerkungen:Heiter
Bericht:

Nur fünf Tage nachdem ich gemeinsam mit Alexander Ertler in El Salloum / Ägypten die totale Sonnenfinsternis vom 29. März 2006 bei ausgezeichneten Sichtbedingungen erleben durfte (Bild 1), sollte ein weiterer astronomischer Höhepunkt auf uns warten: eine Bedeckung von β Tauri (arabisch: El Nath; ZC 810; +1,8mag) durch den Mond. β Tau repräsentiert die nördliche "Hornspitze" des Stiers und ist der fünfthellste Stern, den unser Trabant bei seinem Lauf durch den Tierkreis bedecken kann.


Totale Sonnenfinsternis 2006 03 29, El Salloum / Ägypten; Canon EOS 30d mit 200-mm-Tele und 2x-Konverter (entspricht 640 mm KB) (Foto: Alexander Ertler)

Auf Grund seiner ekliptikalen Breite von β = +5°23' durchläuft β Tau in 18,6 Jahren lediglich eine Bedeckungs-Serie von etwa 3 1/2 Jahren Länge (die jetzige dauert von 2005 bis 2008), welche auf der Südhalbkugel beginnt und dort wieder endet. Dazwischen (etwa zur Serienmitte) finden auch Bedeckungen auf der Nordhalbkugel statt, allerdings nur bis maximal etwa 40° nördlicher Breite. Für Österreich sind somit keine Bedeckungen dieses Sterns möglich. Umso mehr freute es mich, ein derartiges Ereignis mit einer Beobachtung der diesjährigen Sonnenfinsternis verbinden zu können. Wie der Darstellung des Sichtbarkeitsgebietes vom 3. April 2006 (Bild 2) zu entnehmen ist, kam von den Mittelmeer-Anrainerstaaten lediglich Ägypten in Frage, an anderen bevorzugten "Sonnenfinsternis-Zielen" herrschte entweder noch Tag bzw. helle Dämmerung (Libyen) oder sie lagen außerhalb der Bedeckungszone (Türkei).


Sichtbarkeitsgebiet der Bedeckung von β Tau 2006 04 03 (Quelle: winOCCULT 3.1.0)

Ägypten zählt zu den eindrucksvollsten Reisezielen unserer Erde, nicht nur wegen der zahlreichen Bauwerke und Schätze, welche hier die Jahrtausende überdauert haben und von denen wir einige auf unserer Reise erleben durften (wie z. B. die Pyramiden von Giseh, Sakkara und Dashur, der einsam gelegene Tempel von Dush, jener der Hatschepsut, das Tal der Könige mit seinen wundervollen Gräbern sowie die ausgedehnten Tempelanlagen von Karnak und Luxor). Gerade die Sahara, und hier wiederum die Libysche Wüste, besticht durch außerordentliche Schönheit, zumal innerhalb relativ geringer Distanz unterschiedlichste Landschaftsformen anzutreffen sind (Bild 3 und 4). Dazu kommt, dass sie sich auf der "Straße der Oasen" (von Siwa über Bahariya und Dakhla bis nach Theben / Luxor) weitgehend gefahrlos erkunden lässt, weswegen wir knapp sieben Tage für eine derartige Tour einplanten.


Schwarze Wüste


Weiße Wüste (Fotos: Alexander Ertler)

Der Tag der Bedeckung kam mit prachtvollem Wetter, und es war ein Vergnügen zu beobachten, wie die zunehmende Mondsichel am tiefblauen Himmel von Stunde zu Stunde höher stieg, um am späten Nachmittag schließlich den Zenit zu durchlaufen (wir befanden uns praktisch auf der gleichen Breite wie β Tau, ca. 28° N).

Da Zeitzeichensignale erfahrungsgemäß um Sonnenuntergang gut zu empfangen sind, schloss ich bereits drei Stunden vor dem Ereignis die digitale Stoppuhr an das zu diesem Zeitpunkt verfügbare (vermutlich RWM Moskau; 9.996 kHz) an. Anschließend fotografierten wir ausgiebig die blendend weißen Kreide- bzw. Kalksteinmonumente, die uns umgaben. Meine Hoffnung, dass sich mit sinkendem Sonnenstand auch der Wind etwas legen würde, erfüllte sich nicht, und so wählten wir einen von Felsen umrahmten "Kessel" als Beobachtungsplatz, schließlich stand der Mond ja hoch genug am Himmel (Bild 5).


β Tau knapp vor der Bedeckung durch den Mond, umgeben von Mars (links) und den Sternen des Fuhrmanns mit Capella (rechts) (Foto: Alexander Ertler)

Bereits ein erster Blick mit dem Spektiv 30x75 kurz nach Sonnenuntergang zeigte β Tau strahlend hell, und mit fortschreitender Dämmerung gewann der anfangs nur zaghaft erkennbare dunkle Mondrand, der sich dem Stern unaufhörlich näherte, immer mehr an Kontur. Gegen 17h20m UT schien β Tau wie ein blauweißer Saphir (Spektraltyp B7) nahezu am Mondrand zu kleben (Bild 6), und ich wandte keinen Blick mehr ab, um den Eintritt nur ja nicht zu verpassen.


β Tau nahe dem dunklen Mondrand; Canon EOS 30d mit 200-mm-Tele und 2x-Konverter (entspricht 640 mm KB) (Foto: Alexander Ertler)

Und tatsächlich: exakt 16 Sekunden später (17h20m16,0s UTC; persönliche Gleichung 0,3s; abgezogen) verschwand er schlagartig! Jetzt erst merkte ich, wie sehr mich das Ereignis in seinen Bann gezogen hatte. Ich holte tief Luft und bestimmte mittels GPS die Position (28°05'36,0"E, 27°24'42,5"N, 75 m Seehöhe; WGS 84). Mittlerweile war auch die Dämmerung so weit fortgeschritten (Sonnentiefe -13°), dass die nach Norden flacher werdenden Felstürme märchenhaft vom Licht des Mondes erhellt wurden (Bild 7).


Der nächtliche Himmel über der vom Mondlicht erhellten Weißen Wüste, Blick nach Nordnordost (Foto: Alexander Ertler)

Da wir uns am Rande des Sichtbarkeitsgebietes befanden (eine Fahrt zurück nach Norden zur knapp 80 km entfernten Grenzlinie hätte sich auf Grund des flachen, unspektakulären Randprofils vermutlich nicht ausgezahlt), dauerte es nicht allzu lange, bis β Tau vom Mond wieder freigegeben wurde, diesmal jedoch am hellen Rand und ungleich schwieriger zu beobachten. Kurz vor 17h44m UT bemerkte ich ein schwaches Pünktchen, welches zunächst noch mit Mondbergen "verschmolz", ca. 0,3s später (17h43m51,8s UTC; persönliche Gleichung 0,4s; abgezogen) jedoch deutlich heller wurde - ein möglicher Hinweis auf das enge Doppel- bzw. Mehrfachsternsystem von β Tau!

Nach der geglückten Beobachtung kehrten wir zu unserem Lagerplatz zurück, wo unsere einheimischen Begleiter bereits ein herzhaftes Abendessen vorbereitet hatten. Anschließend stand noch eine Nachtfahrt zum Südrand der Weißen Wüste auf dem Programm, ein nicht ganz einfaches Unterfangen, bei dem selbst unser Fahrer beinahe die Orientierung verloren hätte.

Dem nicht genug, so als ob uns die Wüste noch einmal ihren wahren Charakter zeigen wollte, kam gegen Mitternacht ein Sandsturm auf. Binnen kurzer Zeit erschien der Himmel trüb und blass. Wir hatten also Glück gehabt, auch in einer wetterbegünstigten Region wie der Sahara keine Selbstverständlichkeit!


Ruhe nach dem Sturm. Der Autor beim Fotografieren in der Weißen Wüste (Foto: Alexander Ertler)