Beobachtungsnacht

Sofienalpe, 07. 04. 2006

20060407api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:07. 04. 2006
Zeit:19.00 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:4 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Wolkenlos, sehr gute Bedingungen.
Bericht:

Nach ziemlich langer Zeit denke ich heute wieder einmal daran, die Ausrüstung zusammen zu packen und Beobachten zu fahren. Das Wetter hat lange nicht mitgespielt, vor allem die Temperatur; dann war die Finsternisreise. Heute aber wirkt ein makellos schöner Abend mehr als motivierend.

Auf der Sofienalpe empfängt mich ein kitschig-schöner Sonnenuntergang. Es fehlt eigentlich nur mehr das Meer ... Nein, für Urlaubsgefühle ist es heute doch eindeutig noch zu kühl. Langsam versinkt die Sonne und macht einem wunderbaren, klaren Nachthimmel Platz.

Manchmal frage ich mich schon, "Warum tue ich mir das an? Die ganze schwere Ausrüstung hierher zu schleppen."; doch wenn dann über mir der Sternenhimmel auftaucht, das ganze (eigentlich nur das halbe) Universum, dann sind die Zweifel weg.

Erstes Ziel ist der Mond, der schon vor Sonnenuntergang ein toller Anblick im Fernrohr ist.

Das Seeing ist phasenweise sehr gut, sonst gut. Am Terminator Copernicus und Clavius, eine tolle Phase. Die Libration in Länge und Breite groß, so dass das Mare Australe sehr gut zu sehen ist.

Ich habe den Mond heute für mich allein. Andere Beobachter kommen später, und Spaziergänger gibt es heute keine hier auf der Sofienalpe. Die Spritpreise ... Niemand fährt mehr hierher für einen Abendspaziergang mit Hund oder Freund(in) oder beiden. Das Hotel lebt von Reisegruppen. Italiener und Amerikaner sind heute hier, doch sie bleiben im Hotel.

Ich montiere die Webcam und nehme mit 3m Brennweite und IR Passfilter ein paar der Sehenswürdigkeiten auf dem Mond auf.


Copernicus (links unten) und Eratosthenes (rechts oben)


Clavius


Rupes Recta

Ich habe noch ein paar andere Gegenden auf dem Mond aufgenommen, aber diese drei Motive sind die schönsten. Mittlerweile treffen noch andere Beobachter hier ein, während es dunkel wird.


In der vom Mond erhellten Nacht verschwinden die Wintersternbilder bald

Bevor er untergeht, schwenke ich rasch zu Sirius. Bei dem guten Seeing möchte ich noch einmal einen Versuch unternehmen, Sirius B aufzunehmen. Und in der Tat, es dürfte gelungen sein!


Ziemlich sicher Sirius B

Positionswinkel, Abstand und vor allem das Beugungsmuster sprechen sehr für den Begleiter des hellen Sirius. Alle anderen Strukturen sind auf Reste von Tubusseeing zurückzuführen. Später sehen wir Sirius B ganz eindeutig in Rolands 18" Dobson, was obiger Aufnahme ebenfalls mehr Gewicht verleiht.


Nächtliches Treiben unter Cassiopeia und Perseus

Doch jetzt zu Saturn. Phasenweise gibt es Seeing mit hoher Frequenz und so niederer Amplitude, dass ich rätsle, warum ich den Fokus nicht finden kann. Doch dann gibt es wieder ganz ruhige Momente, in denen Saturn mit 420-facher Vergrößerung ein Traum ist. In einem dieser Momente nehme ich ihn mit der Webcam auf, mit IR Passfilter und 2x-Barlowlinse (6m Brennweite).


Saturn, ca. 800 Frames, F=6m (f/20), IR Passfilter

Obwohl der Mond sehr hell vom Himmel strahlt, kann man ein paar Deep Sky Objekte beobachten, vor allem Kugelsternhaufen. M3 steht ja schon recht hoch, doch etwas später geht sich auch schon M13 aus. Ein Vorbote des Sommers!

Endlich geht auch Jupiter auf. Der Riesenplanet steht zwar noch recht tief, aber auch in dieser geringen Höhe ist das Seeing nicht schlecht. Anders als zuletzt präsentiert er sich heute auffällig ruhig.


Jupiter, ca. 600 Frames, F=4,5m (f/15), IR Sperrfilter

Hier verwende ich der Farben wegen den IR Sperrfilter und eine etwas kürzere Brennweite wegen des horizontnahen Seeings. In der Ausarbeitung zeigt sich der Planet dann gar nicht mehr so ruhig mit einer ziemlich turbulenten Äquatorzone.

Mehr ist heute nicht zu beobachten; angesichts mitternächtlicher Stunde und doch schon recht frischer Temperatur baue ich zufrieden ab.