Frühlingserwachen mit Jupiter und Saturn

Neuberg/Mürz, 08. 04. 2006

20060408wva22.html

Beobachter:Wolfgang Valentin
Datum:08. 04. 2006
Zeit:22.30 bis 00.30 MESZ
Ort:Neuberg/Mürz
Instrument:Zeiss 6" APO, Aufnahmen bei f/32
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:5 °C
Wind:kein
Bericht:

Der schneereiche Winter in der Steiermark zwang zu einer längeren Beobachtungspause - solange der Gemeindeschneepflug fuhr, war an ein Aufstellen des Gerätes vor dem Haus nicht zu denken. Am Wochenende wurde aber der Winterschlaf beendet. Mond und Planeten waren das Programm. Saturn steht jetzt schon am frühen Abend hoch am Himmel, daher kam dieser zuerst an die Reihe. Die atmosphärischen Verhältnisse waren gut genug, dass ich begann meine Webcam hervorzukramen. Gegen 22:30 entstand das folgende Bild.


Saturn 22:30 MESZ, 51° Höhe

Danach widmete ich mich einem Spaziergang auf dem Mond, bis Jupiter hinter den Bergen hervorkam. Heute war eine Menge los auf Jupiter: Io- und Schattendurchgang sowie der Große Rote Fleck auf der uns zugewandten Seite. Same time, another place - Alex Pikhard hat für die Illustration seines Berichts von diesem Abend Jupiter offenbar annähernd zur selben Zeit abgelichtet, daher siehe bezüglich Bilderdetails auch dort. Visuell konnte ich Io übrigens besser wahrnehmen als auf der Aufnahme zu vermuten ist, dafür war Red Jr. für mich nur schwer, allenfalls als Ausbuchtung des Wolkenbandes zu erkennen.


Jupiter, 00:10 MESZ, 17° Höhe

Der Große Rote Fleck ist auf dem Bild im Untergehen, Jupiter rotiert auf dem Bild sozusagen von links unten nach rechts oben. Der Mondschatten läuft dem durchgehenden Mond (der kleine weiße Punkt im Zentralmeridian und auf gleicher jovigraphischer Breite wie der Schatten) also voraus. Während ich über dieses Detail nachdachte, kam mir die persönliche Erkenntnis des Wochenendes. Es ist eigentlich ganz einfach: VOR der Opposition Erde-Jupiter läuft der Schatten dem durchgehenden Mond voraus, ZUR Opposion liefern sich die beiden ein Kopf-an-Kopf-Rennen, NACH der Opposition läuft der Schatten hinterher. Es ist eine Frage der Perspektive unseres Beobachtungsortes. Demnach ist der Abstand zwischen Mond und Schatten außerdem ein Maß für den Zeitabstand zur Opposition. Das funktioniert aufgrund der unterschiedlichen Umlaufradien der Monde natürlich im direkten Vergleich nur, wenn man immer den gleichen Mond heranzieht - gerade Io als innerster und raschest umlaufender Trabant, der die häufigsten Jupitermonderscheinungen liefert, bietet sich dazu an, dieses Schauspiel über die Monate hinweg zu verfolgen. Noch in der gleichen Nacht habe ich mir eine ganze Jupiter-Saison mittels Planetariumsprogramm am PC vorspielen lassen und habe nicht schlecht über mich gestaunt, dass mir diese Zusammenhänge erst nach all den Jahren so recht bewußt geworden sind.