Lyriden

Atzelsdorf / NÖ, 21. 04. 2006

Beobachter:Thomas Weiland
Datum:21. 04. 2006
Zeit:22.30 bis 02.15 UT
Ort:Atzelsdorf / NÖ
Geogr. Länge:16°33' E
Geogr. Breite:48°30' N
Seehöhe:220
System:
Instrument:Freies Auge
Bedingungen:
Durchsicht:ausreichend (3)
Aufhellung:ausreichend (3)
Wind:kein
Bemerkungen:Wolkenlos bis heiter, etwas Dunst
Bericht:

Nach der überwiegend meteorschwachen Zeit des Winters muten die Lyriden wie ein Gruß des Frühlings an. Bei den Lyriden handelt es sich um einen mäßig aktiven Strom, der alljährlich um den 22./23. April sein Maximum erreicht. Meist bewegen sich die stündlichen zenitalen Raten (ZHRs) zwischen 15 und 25, doch ein paar Mal im Jahrhundert können diese auch deutlich höhere Werte erreichen, wie zuletzt 1982 über den USA (ZHR 90). Als erzeugendes Objekt gilt der Komet Thatcher (C/1861 G1), der eine Umlaufszeit von etwa 415 Jahren besitzt. Die Lyriden ziehen als mittelschnelle Meteore (geozentrische Geschwindigkeit 49 km/s) über den Himmel und sind im allgemeinen nicht sonderlich hell. Ihr Radiant befindet sich zwischen Herkules und Leier und erreicht erst in der zweiten Nachthälfte größere Höhen über dem Horizont.

Für 2006 war das Maximum (das meist nicht sehr breit ist) für den 22.April, 16h30m UT vorausgesagt worden, ich erwartete also für Mitteleuropa nichts Besonderes. Auf Grund des Wochenendes, des günstigen Wetters sowie des kaum vorhandenen Mondlichts entschloss ich mich aber doch zum Beobachten (Atzelsdorf/NÖ; 16°33' E, 48°30' N). Von etwas Dunst abgesehen, waren die Bedingungen gut (Grenzgrößen zwischen +5,6mag und +5,7mag), lediglich zu Beginn und am Ende der Beobachtungsnacht des 22./23. April gab es ein paar Wolken.

Insgesamt konnte ich in der Nacht vom 21. auf den 22. April (Beobachtungsdauer 3h45m9 12 Lyriden sichten, in der zweiten Nacht (22./23. April) waren es etwas mehr (21 Lyriden; Beobachtungsdauer 4h30m). Dies ergibt im Schnitt etwa 3 Lyriden pro Stunde für den 21./22. und etwa 4-5 pro Stunde für den 22./23., die zweite Nacht lag somit deutlich näher zum Maximum als die erste. Das wird durch die beobachtete Helligkeitsverteilung bestätigt, wonach in der Nacht des 21./22. April die hellsten Lyriden lediglich 0. Größe erreichten, in der Nacht des 22./23. April jedoch insgesamt sieben mit negativen Helligkeitswerten auftraten (1 LYR -3mag, 1 LYR -2mag und 5 LYR -1mag). An Farben konnte ich vor allem Gelb beobachten (50 Prozent), der Rest verteilt sich auf Blauweiß, Weißgelb und Orange. Etwa ein Drittel der Lyriden hinterließ eine deutliche Spur.

Wenngleich die Fallraten 2006 nicht mit jenen z. B. des Jahres 2004 mithalten konnten (damals fiel das Maximum in die mitteleuropäischen Nachtstunden) und auch nicht ganz so helle Meteore erschienen wie im Jahr 2004 (bis zu -5mag!), so lieferten die Lyriden 2006 doch eine bessere Wiederkehr als erwartet.