Sonne H-Alpha

Edlach/Rax, 13. 05. 2006

20060513sfl11.html

Beobachter:Thomas Schröfl
Datum:13. 05. 2006
Zeit:11.00 bis 12.00 MESZ
Ort:Edlach/Rax
Geogr. Länge:15 48 11
Geogr. Breite:47 41 21
Seehöhe:600
System:
Instrument:Optolyth 100/700mm mit Lille 20/20 H-Alpha-System
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:22 °C
Luftfeuchtigkeit:43
Wind:kein
Bemerkungen:Etwas Dunst und vereinzelte hohe Zirren, später Quellwolken
Bericht:

Nach einem ersten kurzen Test im Jänner bei Kälte und eisigem Wind und einem Einsatz bei der Easter-Star-Party ergibt sich heute erstmals die Gelegenheit mein neues H-Alpha-System eingehend zu erproben. Durch die 3,8-fache Telezentrik ergeben sich für den Refraktor die Effektivwerte von f=26,6/2660mm. Schon der Test im Jänner hat gezeigt, daß bei einer solchen Brennweite das Shifting des originalen Rack-and-Pinion-Auszuges nicht mehr zu tolerieren ist, weshalb ich mit einigen Komplikationen einen gebrauchten Lichtenknecker Helikal-Fokusierer von Wolfgang Lille an den Tubus adaptiert habe. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn nun geht das Scharfstellen butterweich ohne Shifting und ist mittels Nonius auf 1/100mm genau. Auch schweres Equipment am Auszug und Blick in den Zenith führt zu keinerlei Veränderung der Fokuslage. Der Etalon-Durchmesser von 20mm läßt zwar keinen Blick auf die gesamte Sonnenscheibe zu, aber mit dem eudiaskopischen Baader Okular mit 35mm gehen sich gut 50 Prozent der Sonne aus. Überdies liegt bei H-Alpha das Interessante ja im Detail. Ein weiterer Vorteil dieses Okulars ist der angenehme Einblick - bei H-Alpha besonders wichtig - denn die Aufsteckhülse und die Augenmuschel bringen das Auge fast zwanglos in die richtige Position und guten Schutz vor Streulicht überdies. Trotzdem im wahrsten Sinn des Wortes wärmstens zu empfehlen: ein großes schwarzes Tuch, warm aber gut.

Nun, was war zu sehen? Ein Blick auf die SOHO-Homepage zeigte, daß abgesehen von einem winzigen Sonnenfleck auf der Oberfläche heute nicht viel los ist. Ich taste mich daher langsam den Sonnenrand entlang, immer wieder das Etalon in seiner Fassung hin und her kippend, denn Protuberanzen suchen ist ein ewiges Spiel mit dem Dopplereffekt. Je nachdem in welche Richtung sich der ionisierte Gasstrom bewegt, muß man das Etalon in den blauen oder roten Bereich kippen, sonst gibt's nichts zu sehen außer der roten Sonne vor einem tiefschwarzen Hintergrund, Ein guter Start ist es das Etalon so einzustellen, daß im Bereich der Beobachtung die Granulation der Sonne möglichst kontrastreich ist. Auch wenn sich heute nichts Fulminantes auf der Sonne tut, so sind doch über ihren Rand so einige kleine Protuberanzen verteilt. Insbesondere ganz im Süden steht eine feine kerzengerade Protuberanz, die sich fast vollständig von der Sonnenoberfläche gelöst hat, ein herrlich zartes Gebilde aus einem rötlichen Gasfaden. Auch um den winzigen Sonnenfleck herum ist etwas Oberflächenaktivität auszumachen. Doch nach einer Stunde ist Ende angesagt, denn die Zirren werden immer dichter und Quellbewölkung kommt auf. Hoffentlich ergibt sich bald einmal die Gelegenheit länger als nur eine Stunde und ohne Zirren und Quellwolken beobachten zu können, denn Motive für die Webcam bieten sich im H-Alpha-Licht der Sonne in Hülle und Fülle.