| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||
| Datum: | 25. 05. 2006 | ||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Canon EOS 350D, Philips ToUCam Pro | ||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Die Sonne durchbricht am Abend die dichte Wolkendecke und ein Regenbogen sorgt für ein déjà vu der unangenehmeren Art.
Der Regenbogen ist heute nicht so strahlend wie vergangenen Sonntag. Die Wolkendecke löst sich auch nicht auf und so denke ich nicht im entferntesten ans Beobachten. Frust ist angesagt angesichts des Wetterberichts für das Wochenende. Alle Prognosen deuten in unbarmherziger Einhelligkeit darauf hin, dass das NTT zum vierten Mal in Folge ins Wasser fallen wird. Man sollte auswandern ... Zu Mitternacht ein letzter Blick zum Himmel. Ein letzter? Meine Müdigkeit ist schlagartig verschwunden angesichts eines strahlenden Sternenhimmels. Der Gedanke, dass dies meine einzige Beobachtung an diesem langen Wochenende werden könnte, lässt mich aufbauen. Morgen ist Feiertag, ich muss nicht früh aufstehen, also - los geht's! Natürlich ist Jupiter das erste Ziel. Das Seeing ist lausig und zeitweise zieht eine hochnebelartige Bewölkung durch. Seltsam. Ich verfolge das Ende eines Durchgangs und Schattenvorübergangs von Io so gut es geht. Bei diesem Seeing mach ich Aufnahmen mit der Webcam mit 3m Brennweite.
Die Strukturen um den GRF sind jetzt nicht zu sehen; von den türkisfarbenen Wolken im NEB (unten) gehen eigenartig diagonal verlaufende, helle Zonen aus. Die Aufnahmen entstanden mit IR Sperrfilter. Mit dem IR Passfilter kann ich zwischenzeitlich Io (die im nahen IR sehr hell ist) deutlich vor der Jupiterscheibe ausmachen.
Es ist für Wiener Verhältnisse sehr klar und ich widme mich daher einem weiteren Deep Sky Objekt mit der Canon EOS 350D: Dem Ringnebel M57. Erste Aufnahmen mit 15s bei 800 ISO zeigen, dass etwas mehr nicht schlecht wäre. Ich entscheide mich dann, trotz des höheren Rauschens, für 20 Sekunden bei 1600 ISO. Aus 5 Aufnahmen bei f/6.3 entsteht dieses Bild.
Es ist erstaunlich, dass es gelingt, trotz Stadthimmels den Hintergrund dunkel zu bekommen und trotzdem den Nebel in vollen Farben und mit Zentralstern zu sehen. Die Aufnahme zeigt auch, dass bei f/6.3 der Kamerachip doch noch recht gut ausgeleuchtet und das Bildfeld eben ist. Dunkelstrom habe ich diesmal abgezogen (wäre aber fast nicht notwendig gewesen, bei 20s ist er noch kaum nennenswert), allerdings habe ich noch immer mit JPEG aufgenommen, eigentlich aus Faulheit (Raw wäre mehr Arbeit beim Nachbearbeiten gewesen). Das Rauschen der 1600 ISO macht sich leider auch schon bemerkbar. Es bestätigt sich, was zu tun ist: Die MX916 als Autoguider verwenden (seufz, von wegen "ohne Computer fotografieren"), parallaktisch montieren, bei dunklem Himmel länger belichten. Aber schon die ersten Tests zeigen, dass die Canon EOS 350D wirklich eine gute Astrokamera ist. Auch die Farben sind gar nicht so übel. Schade, am NTT wollte ich eigentlich Deep Sky Feldaufnahmen mit dem Teleobjektiv machen. Daraus wird wohl nichts werden. Na ja, es wird in diesem Jahr hoffentlich noch mehr Gelegenheiten dazu geben. |