Wolkenloch-Frust

Wien 12, 28. 05. 2006

20060528api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:28. 05. 2006
Zeit:21.00 bis 00.30 MESZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Wind:leicht aus NW
Bemerkungen:Zeitweise rascher Durchzug von Wolkenfetzen
Bericht:

Es ist ja wie ein Hohn; die Nacht vor dem NTT durchaus in Ordnung, und jetzt, in der Nacht nach dem NTT, liegt über Wien das große Wolkenloch. Ein schwacher Trost mag sein, dass die Wolken über den Bergen im SW auch in der Dunkelheit unschwer zu erkennen sind. Trotzdem, es ist wie gesagt wie ein Hohn. Fast ungläubig baue ich das Fernrohr auf. Kann ein Fernrohr auch frustriert sein? Offenbar.

Zunächst mit der Webcam zum Jupiter. Hier ist scheinbar ja noch alles OK und es gelingt trotz lausigem Seeings eine recht passable Kompositaufnahme aus einer Sequenz mit IR-Sperrfilter und einer mit IR-Passfilter. Bei dem Seeing klarerweise nur mit 3m Brennweite, nur ca. 300 Frames von 1200 sind brauchbar.


Jupiter, 12" LX200 @ f/10. Je ca. 300 Frames IR-Sperr- und IR-Passfilter.
Zentralmeridian für I-Bild: System I = 268°, System II = 35°. Rechts Ganymed.

Die Durchsicht ist sehr gut, und so plane ich wieder ein paar Aufnahmen mit der 350D. Zunächst die Jupitermonde, zum Fokussieren.


Jupiter, Ganymed, Io, Europa und Callisto (v.l.n.r.); F=3m, 1s bei 800 ISO

Mein Fernrohr scheint ähnlich frustriert zu sein wie ich, jedenfalls verweigert es heute eine einigermaßen brauchbare Nachführung. Es liegt wohl auch daran, dass ich beim Alignment gehörig gepatzt habe. Dennoch ein paar auswertbare Bilder. Zunächst ein Einzelbild (!) von M5, 20 Sekunden bei 800 ISO, f/6,3.


M5, 12" LX200 @ f/6.3, 20 Sekunden bei 800 ISO, verkleinerter Bildausschnitt

Gar nicht so übel. Es hätten ja mehr Aufnahmen werden sollen, aber der Rest war eine Ansammlung chaotischer kurzer Strichspuren. Ich verbessere das Alignment etwas (anstelle zweier Sterne nehme ich nur einen, offenbar fehlt es an Motivation), leider nicht gut genug.

Mein nächster Versuch gilt schwierigen Objekten, M65 und M66 im Löwen. Aus der Stadt?! Mal sehen. Ich gehe mit 1600 ISO ans Werk und "dank" meines lausigen Alignments maximal 20 Sekunden Belichtungszeit. Etwas mehr Bilder sind auswertbar, mit folgendem Ergebnis.


M65 und M66 aus der Stadt, 12" LX200 @ f/6.3, 5 x 20 Sekunden, 1600 ISO. Verkleinerter Ausschnitt.

Galaxien aus der Stadt sind ein Grenzfall. Mit mehr Aufnahmen und längerer Belichtungszeit wäre schon was drin gewesen, aber nicht heute, irgendwie passt es heute nicht. Der Wetterfrust vom NTT sitzt noch zu tief. Nur der Ausblick auf die kommende Woche hat mich überhaupt beobachten lassen ...