| Beobachter: | Thomas Schröfl | ||||||||
| Datum: | 11. 06. 2006 | ||||||||
| Zeit: | 19.00 bis 23.30 MESZ | ||||||||
| Ort: | Sophienalpe
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| Instrument: | Takahashi Mewlon 180 | ||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Manchmal ist Geduld gefordert, vor allem wenn man in Mitteleuropa Astronomie betreibt. Aber am Sonntag war das berühmte Paket Schlechtwetter, das jedem neuen Teleskop gratis beigepackt ist, endlich verbraucht. Zuerst das Seminar vom WAA-Doppelstern- und Veränderlichenspezialisten Wolfgang Vollmann und dann gemeinsames Beobachten auf der Sophienalpe bei sehr guten Bedingungen. Mit anderen die Freude über ein neues Fernrohr zu teilen macht das First Light zum doppelten Vergnügen. Nun zum Neuling, der Nummer vier in meinem Teleskoppark. Von der WAA mit der Aufgabe betraut das Venus-Projekt (ESA/VAOP) zu planen und zu koordinieren, stünde es mir ja schlecht an selbst über kein Planetengerät zu verfügen. Nach wochenlangem Recherchieren im Internet fiel im März die Entscheidung. Das Optimum wäre ja ein APO mit mindestens 180mm Öffnung, aber wer kann sich das plus entsprechender Montierung schon leisten, abgesehen von Gewicht und Transportabilität. Ab einem gewissen Alter sollte man ja auch auf den Rücken und die Bandscheiben etwas acht geben. Die Wahl fiel auf einen Takahashi Mewlon 180, ein Cassegrain nach Dall-Kirkham. Kurz zu seinen Personaldaten: 180/2160 mm (=f 12)also genug Brennweite für Planeten; elliptischer Hauptspiegel (19cm Durchmesser vermeiden Vignettierung, das kennt man übrigens von Meade), sphärischer Sekundärspiegel je mit lambda/20 (!) 96 Prozent Reflexion, 30 Prozent Obstruktion (linear) bzw. 9 Prozent (Fläche), max. Gesichtsfeld ca. 1,2 Grad und nur 6 kg leicht, also leicht zu tragen von meiner GP-DX. Das Dall-Kirkham-Design benötigt keinen Korrektor (Schmittplatte bzw. Meniskuslinse beim Maksutov, was der Kontrastleistung zugute kommt und nebenbei etwas weniger Licht verschluckt), 70 Prozent des Lichts konzentriert im Airy-Scheibchen liegen deutlich über einem SCT und mäßiges Off-Axis-Koma. Und Takahashi verspricht: eine Abbildungsleistung nur knapp unter einem unbezahlbaren APO gleicher Öffnung, aber deutlich über einem klassischen 8-Zoll SCT. Nach dem First Light und bestätigt von Könnern wie Alex Pikhard und Wolfgang Vollmann kann man nur sagen: Wo Takahashi drauf steht, ist auch Takahashi drinnen. Die ersten Eindrücke: Gut eine Stunde vor Sonnenuntergang beginnt alles mit dem Aufbau. Dank guter Nivellierung und Nordausrichtung gelingt es mir noch bei Tageslicht nach einiger Mühe Arkturus und Vega ins Gesichtsfeld zu bekommen und damit ist das Alignment auch schon gelaufen. Ein erster Sterntest an Arkturus läßt noch Zweifel an der perfekten Kollimation aufkommen, aber der Spiegel ist nach der Lagerung im warmen Auto sicher noch nicht ausgekühlt und Tubusseeing, hervorgerufen durch die einseitige Sonnenenstrahlung, dürfte auch noch mitspielen, also ist es besser noch zu warten als schon herumzuschrauben. Die Einschätzung war richtig, denn ein neuerlicher Sterntest an Vega gut zwei Stunden später läßt auch Wolfgang Vollmann zum Schluß kommen, daß die geringen Asymetrien an den Beugungsringen mehr durch das Seeing als eine ungenaue Kollimation bedingt sind. Kurz nach Sonnenuntergang gilt der erste Blick Merkur, denn ich außer einmal freisichtig am frühen Morgen in Namibia noch nie gesehen habe. Durch einigen Horizontdunst ist ein strukturloses Scheibchen mit deutlicher Sichel zu sehen, mit einem durch die atmosphärische Refraktion bedingten roten Wimmerl. Zu Dämmerungsbeginn nehme ich zuerst Jupiter ins Visier, auch wenn er uns heute seine uninteressantere Seite zeigt. Bei doch noch recht hellem Himmel leidet natürlich der Kontrast deutlich, aber das Auflösungsvermögen und der Detailreichtum sind schon jetzt sehr beeindruckend. Als es dann finster ist und dank gutem Seeing steht bei 154fach im Pentax 14mm ein brillianter Jupiter mit den vier Monden im Okular, mit vielen Details in den Bändern. Schon jetzt spüre ich: das war alles andere als ein Fehlgriff und die Gewißheit steigt den ganzen Abend über an. Auch 205fach mit dem Pentax 10,5mm sind noch keine leere Vergrößerung. Spiegelbildlich sind die Eindrücke als ich zu Saturn wechsle, auch wenn dieser schon recht tief steht. Den Abschluß des Planetenreigens bildet Mars, der nur mehr ein kleines rötliches Scheibchen zeigt und praktisch keinerlei Strukturen mehr erkennen läßt, hätte ich nur im Herbst schon den Takahashi gehabt. Mit Wolfgang Vollmann gemeinsam wird dann versucht eine extrem harte Nuß zu knacken, den Doppelstern Gamma Virginis, u.a. Gegenstand des Seminars am Nachmittag, derzeitiger Abstand ca. 0,6 Bogensekunden, also am Limit des Mewlon 180. Bei 205fach mit dem Pentax 10,5mm läßt sich noch keine definitive Entscheidung treffen. Dann gehen wir zur Sache und nehmen das Nagler-Zomm 3-6mm. Bei 360fach mit 6mm kann dann Wolfgang nach einigen Momenten ruhigen Seeings die Erkennbarkeit einer Einschnürung bestätigen, ein typisches Merkmal eines sehr engen Doppelsternsystems. Wenn man einmal weiß, worauf man achten muß, fällt das Nachvollziehen deutlich leichter. Das Sternscheibchen szintilliert bei dieser hohen Vergrößerung heftig, aber in ruhigen Augenblicken ist die Einschnürung klar auszumachen. Ich wechsle zum Doppelsternklassiker Epsilon Lyrae. Das Trennen der Hauptkomponenten mit rd. 2,5 Bogenminuten kann man ja gar nicht mehr Trennen von Doppelsternen nennen. Die Subkomponenten 1a + 1b und 2a + 2b haben eine Separation von 1,7 bzw. 2,3 Bogensekunden und sind damit auch eine leichte Pflichtübung, liegen sie doch das 3 bzw. 4-fache über dem theoretischen Auflösungsvermögen. Um 22:30 Uhr gibt es das Schauspiel eines künstlichen Veränderlichen, nämlich einen Iridium-Flare mit vorausgesagter Magnitude von +5. Zum erwarteten Zeitpunkt leuchtet am vorgesehenen Ort auch für wenige Sekunden ein Satellit auf, doch nach übereinstimmender Meinung keine +5mag. Wir wollen schon zur Tagesordnung übergehen, als der echte Flare kommt und in wenigen Sekunden nahezu die Helligkeit der Landescheinwerfer der immer wieder über uns hinwegziehenden Flugzeuge erreicht. Knapp vor der Sommersonnenwende sind wir vom Ende der astronomischen Dämmerung noch einiges entfernt als sich schon die Aufhellung des aufgehenden Mondes bemerkbar macht. Keine gute Nacht also für Deep Sky Objekte. Trotzdem hole ich mir noch schnell M13 ins Okular, sehe aber nichts berauschendes, denn die Hintergrundhelligkeit ist einfach zu hoch. Bei indirektem Sehen läßt sich andeutungsweise erahnen, was bei dunklem Himmel möglich sein muß. Wie nicht mehr anders zu erwarten sicherlich sehr viel. Gegen 23:00 blicke ich noch schnell auf den Mond. Da schon fast Vollmond ist, erwarte ich einen ziemlich strukturlosen flächigen Anblick, doch zweierlei überrascht mich. Zum einen ist heute wirklich gutes Seeing, denn für die wenigen Grade über Horizont ist das Bild erstaunlich ruhig. Die zweite Überraschung ist das gestochen scharfe Bild, das feinste Strukturen und zarteste Helligkeitsunterschiede zeigt. Alex ist gerade auch am Mond unterwegs und ich höre seine DSLR im Dauerfeuer rattern. Das animiert bei nächster Gelegenheit Gleiches zu tun. Ein einziger Wermuthstropfen beleibt: trotz Hauptspiegelfokusierung (übrigens praktisch shiftingfrei) ist das Baader-Großfeldbino nicht in den Fokus zu bekommen, da wird noch an einer Verkürzung des Strahlenganges zu basteln sein. Aber dann ist der Takahashi eine absolut perfekte Astromaschine. Damit ging ein wahrlich astronomischer Sonntag zuende. Zuerst ein sehr praxisbezogenes interessantes Seminar, gefolgt von einem höchst erfreulichen First Light in der netten Gesellschaft unserer WAA-Runde.
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