Wir sind ja heuer nicht gerade verwöhnt worden mit schönem Wetter, umso mehr erfreut uns die derzeit anhaltende Schönwetterperiode; so kann auch unsere seit langem geplante Astropraxis an diesem Abend stattfinden, doch dazu unter herrlichen Bedingungen. Auch wenn es am Nachmittag noch nicht unbedingt danach aussieht ...

Ein mächtiges Gewitter über dem Wiener Becken
Doch Gewitter vergehen wieder, dieses zieht überhaupt südlich und östlich an Wien vorbei. So erwartet uns die Sofienalpe einmal mehr bei sommerlich ungetrübten Bedingungen. Ein wunderschöner Abend.

Wieder trübt keine Wolke den Sonnenuntergang
Zwei Dinge stehen heute auf dem Programm dieser Astropraxis. Zum einen Merkur und die restlichen Planeten des Abends - es gibt heute eine Begegnung von Mars und Saturn. Zum anderen Meade Autostar. Der geplante Workshop wurde auf den Abend verlegt. Die lange Dämmerung würde viel Zeit bei Tageslicht geben, um Probleme zu lösen, und der klare Himmel würde zur Praxis einladen. Viele kommen heute mit Teleskopen, allein: Nur ein einziges ETX mit Autostar I, sonst durchwegs ältere LX200 mit Magellan, etliche Celestrons, diverse Exoten und auch Dobsons. Aber - keines mit Autostar II. So kann es einem gehen ...
Es beginnt ein sommerliches Teleskoptreffen auf der gemähten Wiese.
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Endlich geht die Sonne unter, mit einem Sonnenuntergang, der so gar nicht in unsere Breiten passt. Wo sind die Giraffen der Serengeti im Vordergrund oder das Rauschen der Südsee? Natürlich sind es die Gewitterreste, die dem Sonnenuntergang seine Farbe geben, eben wie in den Tropen.

Jenseits von Afrika? Nein, es ist die Sofienalpe.
In der Dämmerung jagen wir natürlich die horizontnahen Planeten im Nordwesten. Schon lange vor Sonnenuntergang hat mein LX200 den Merkur aufgestöbert, und bald ist er kontrastreich genug für die Webcam. Wenig später auch Saturn. Das Seeing ist wirklich gut. Die Phase des sonnennahen Planeten kommt sehr gut heraus, er ist schon eine dünne Sichel (und entsprechend lichtschwach, mit freiem Auge schaffen wir es nicht mehr). Auch Saturn ist wunderschön, trotz der geringen Höhe. Der 6,75 mag helle Stern HIP 42970 wird von vielen für Titan gehalten, doch er ist zu hell. Beide Planeten nehme ich mit der Webcam mit F=3m (f/10) auf.
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Bei schwächster Vergrößerung sind Mars und Saturn in der Tat auf einmal im Gesichtsfeld zu erkennen. Mit einer auf unter 1m (f/3.3) reduzierten Brennweite kann ich die Konjunktion mit der EOS 350D im Bild festhalten. Man erkennt Saturn mit seinem Ring und den roten Mars - dessen Flächenhelligkeit viel größer ist als die des Saturn.

Mars (oben) und Saturn (unten) im Gesichtsfeld
Durch eine kreisförmige Maske kann ich den Eindruck im 50mm Okular nachstellen. Die Vignettierung bei f/3.3 ist leider enorm, ich kann sie aber teilweise kompensieren, indem ich die Aufnahme als ihr eigenes Flatfield verwende (ich radiere einfach die Planeten aus). Ganz geht es aber leider nicht. Etwas später sieht man das Doppelgestirn Mars-Saturn schon mit freiem Auge, zusammen mit Castor und Pollux, die im Nordwesten gerade noch zu sehen sind.

Saturn und Mars (links) mit Castor und Pollux (rechts von der Bildmitte knapp über den Bäumen)
Einmal mehr ist natürlich Jupiter der Star des Abends. Sein Anblick ist bei dem guten Seeing wirklich beeindruckend und anfänglich sind Vergrößerungen jenseits der 400x durchaus möglich. Im Lauf des Abends wird das Seeing etwas schlechter, aber immer noch passabel.

Jupiter am 12" LX200 bei F=4,5m (f/15). Zentralmeridian: System I = 346°, System II = 313°
Schade, dass die ruhigere Seite des Planeten ohne die Roten Flecken zu sehen ist. Aber auch diese Seite zeigt überraschend viele Details, heute auch in den Polarregionen. Und die Turbulenzen in der EZ sind markant wie eh und je mit den charakteristischen blauen Girlanden. Das SEB (oben) zeigt ein auffälliges dunkles Band in seiner Mitte.
Nach Jupiter kommen, bevor es für Deep Sky dunkel genug ist, Doppelsterne dran. Ich versuche, einige von ihnen mit der EOS 350D bei f/6.3 aufzunehmen, mit durchaus gutem Erfolg. Die Belichtungszeiten variieren enorm, des Effekts wegen.
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70 Ophiuchi, 1 Sekunde bei 200 ISO, ein guter Kompromiss
Die drei hier wiedergegebenen Bilder sind jeweils verkleinerte Bildausschnitte.

Der Skorpion über der Lichtglocke von Wien. Rechts Jupiter.
Endlich ist es dunkel genug für Deep Sky. Zuerst die Klassiker M13 und M57, doch bald locken noch andere Ziele. Der Skorpion steht so klar wie schon lange nicht über dem Horizont und daher steuern wir M4 an. Der lockere Kugelsternhaufen ist nicht überwältigend, aber zu erkennen. Deutlicher ist schon M80, ein seltenes Ziel, ein netter, kleiner Kugelhaufen, am Rand gut aufgelöst.
Auch M10 und M12 im Schlangenträger sind heute sehr schöne Objekte. Aber ein Objekt stellt alle in den Schatten: M5. In Rolands Dobson ist er einfach eine Wucht. Seltsam, warum M5 nicht so häufig beobachtet wird. Er kann es locker mit M13 aufnehmen, falls er nicht sogar schöner (weil konzentierter) ist. An Kugelsternhaufen kommen noch M56 und M92 dran, dann der Hantelnebel. Schließlich geht es zu den Galaxien.
M81 und M82 sind sehr deutlich und durchaus beeindruckend. Bei M51 ist die Durchsicht nicht mehr ganz so gut. Es blitzt auch im Südwesten. Aber der Grund für die schwindende Durchsicht ist heute die Feuchtigkeit. Die letzten Nächte waren staubtrocken, heute tropft gegen Mitternacht alles. Ok, morgen Früh beginnt ein Arbeitstag, alles ist waschelnass, das ist die Kombination zu Abbauen. Es war einmal mehr eine sehr schöne Beobachtungsnacht hier auf dem Wiener Astronomie-Hausberg.
Text und Fotos: Alexander Pikhard