| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 24. 06. 2006 | ||||||||||||||
| Zeit: | 19.00 bis 01.30 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Hohe Wand, beim Gasthof Postl | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Canon EOS 350D, Philips ToUCam Pro | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Nach langer Zeit kommt endlich wieder einmal der Gedanke an eine Deep Sky Nacht auf. Ein makelloser Tag geht zu Ende, Wochenende, und auch wenn die Dunkelheit um diese Jahreszeit nur kurz ist, etwas weiter weg von Wien würde man sicher gut beobachten können. Die Hohe Wand soll das Ziel sein. Lichtmäßig nicht ganz so gut, aber näher als die Ebenwaldhöhe, die für nur etwas mehr als eine Stunde guter Dunkelheit eine doch etwas zu lange Anreise hat. Anfangs stehen im Süden noch die Reste von mächten Gewittern über der Steiermark und dem Burgenland, doch diese lösen sich bald auf. Auf der Hohen Wand herrscht Wachablöse. Die letzten Hängegleiter landen, die Flieger verstauen ihr Gerät. Aber auf der gleichen Wiese bauen die Astronomen ihre Geräte auf.
Ein toller, strahlend klarer Sonnenuntergang leitet eine schöne Beobachtungsnacht ein. Die letzen Gewitterwolken im Süden, von der untergehenden Sonne farbenfroh beleuchtet, verschwinden bald.
Noch in der hellen Dämmerung ist Merkur leicht aufzufinden, obwohl er nur mehr 0,9 mag hell ist. Die Phase ist im Fernrohr extrem gut zu erkennen. Erstaunlicher Weise erlaubt das Seeing sogar noch eine Aufnahmeserie mit der Webcam.
Wenig später kann auch Jupiter schon gut beobachtet werden, und zum allgemeinen Erstaunen ist das Seeing in jener Himmelsregion, in der der Riesenplanet steht, sehr gut. Wunderbar, denn der Grosse Rote Fleck steht im Zentralmeridian und mit ihm sein kleiner Bruder "Red Junior".
GRF und Red Junior sind einander schon sehr nahe gekommen. Zwischen den beiden Sturmsystemen hat sich eine auffällige dunkle Wolkenbarriere gebildet. Es wird interessant werden, wie sich dieses Gebiet entwickelt. Nicht minder interessant: Das SEB. Es erscheint praktisch dreigeteilt. Und das NEB zeigt nicht nur seine bekannten blauen Girlanden, die in die EZ ragen, sondern eine neue Feature in Form eines dünnen, weissen Bandes, das sich durch das NEB schlängelt. Jupiter gibt wirklich sehr viel her, das überbrückt die lange Dämmerung. Am Himmel herrscht reger Verkehr. Erst passiert uns die Internationale Raumstation ISS ...
... und dann noch ein -7mag heller Iridium-Flare knapp über dem Löwen.
Doch dann beginnt die Deep Sky Nacht.
Endlich wieder Milchstraße! Wie lange habe ich sie schon nicht gesehen. Die letzten Schönwetterperioden waren alle um den Vollmond herum gefallen, die Neumondperioden durch Schlechtwetter ausgefallen. Doch heute klappt es. Ich nütze die Gelegenheit, mit der auf einem Stativ fix stehenden EOS 350D den Himmel einzufangen.
Eindrucksvoll stehen Schütze und Skorpion im Süden. Epsilon Scorpii und die Stachelsterne sind gut zu erkennen, auf der Aufnahme erkennt man auch leicht die beiden südlichsten Messier-Objekte, die offenen Sternhaufen M6 und M7. Erste Milchstraßenwolken werden sichtbar. Mehr geht mit Bildverarbeitung.
Ermuntert von diesen Sternfeldaufnahmen, die eigentlich nur durch die Lichtverschmutzung limitiert werden, wage ich mich an Aufnahmen durch das LX200 mit auf f/6.3 verkürzter Brennweite. Die Aufnahmen zeigen Möglichkeiten aber auch Grenzen auf. Jedenfalls vorab: Mehr als 20 Sekunden Belichtungszeit sind mit einem azimutal montierten Teleskop ohne Autoguider einfach unmöglich. Fokussierung mit Scheinerblende. Langwierig! Alle Aufnahmen sind verkleinerte Bildausschnitte.
Zwei Effekte: Erstens wird das Seeing jetzt wirklich schlecht. Zum anderen hat sich mein Rohr, offenbar infolge Spiegelshifting, defokussiert. Ich habe das leider nicht bemerkt. Ich wollte ohne PC fotografieren. Das kommt davon.
Ich habe wieder viel gelernt. Zum einen: Zum Fotografieren braucht man eine parallaktische Montierung. Ich werde meine Polwiege aktivieren. Seufz, noch ein paar Kilogramm mehr. Zweitens: Ohne Autoguider wird auch das nur beschränkt möglich sein. Also doch mit Computer im Feld. Die MX916 wird's freuen, sie wird doch nicht eingemottet. Drittens: Ohne Computerunterstütung auch kein vernünftiges Fokussieren. Fazit also: Ade der Traum von Astrofotografie ohne Laptop. Oder obige Bilder sind die Grenze. Ich stöbere noch ein wenig visuell in der Gegend herum. Einfach toll, der Anblick von M13 oder M27 (letzterer mit O-III-Filter). Dann noch zu ein paar alten Bekannten: Cirrus-Nebel, Crescent-Nebel. Wird noch lange dauern, bis ich diese Objekte mit der EOS 350D aufnehmen kann ... 1.30 Uhr; bald wird die astronomische Dunkelheit wieder enden, und da ich heute noch ein Seminar plus Astropraxis auf der Sofienalpe leiten muss, sollte ich doch abbauen und mir etwas Schlaf gönnen. Es war jedenfalls nach langer Zeit wieder einmal eine tolle Deep-Sky-Nacht. |