Die späte Dunkelheit hat auch ihre Vorteile. Nach dem interessanten Astrotreff im Plutzerbräu mit Reinhard Tlustos' Vortrag über die Raumfahrt im Kalten Krieg bleibt genug Zeit, um auf die Sofienalpe zu fahren und sogar noch bei Tageslicht die Instrumente aufzubauen. Heute haben wir einiges vor, daher dieser ungewöhnliche Sondertermin.
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Das eigentliche Ziel des heutigen Abends ist der Erdbahnkreuzer 2004 XP14, der gegen Mittag in nur 1,1-facher Mondentfernung an der Erde vorbeigeflogen ist und der jetzt am Abend gut zu sehen sein sollte. Doch zunächst ist es noch zu hell, so dass der Mond unser erstes Ziel ist.
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Das Seeing ist nicht allzu gut, auch leichte Cirren liegen noch über dem Mond. Doch für ein paar schöne Blicke durchs Fernrohr reicht es, auch für eine Serienaufnahme mit der 350D und ein paar Webcamsequenzen.
Auch Jupiter sollte heute interessant sein, denn es steht eine Passage des GRF ins Haus, und dieser Tage passiert ja das Oval BA, besser bekannt als Red Junior, diesen Fleck. Was wird passieren? Jupiter steht leider schon tief und daher sind die Webcamaufnahmen, gewonnen am 10" LX200 mit 1,5-facher Brennweitenverlängerung (F=3750mm) nicht allzu detailreich, vor allem gegen Ende.
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In der Tat steht Red Junior knapp beim GRF; die dunkle Wolke, die die beiden Stürme trennt, ist zur Seite gedrängt worden. Es sieht wirklich so aus, als würden die Stürme einander berühren. Es wird spannend! Nächste Chance zur Beobachtung am Donnerstag, 6. Juli.
Doch nun zu 2004 XP14. Ich habe mit dem Ephemeris Generator des JPL eine genaue Ephemeride gerechnet und daraus eine Suchkarte erstellt. Wir finden leicht das Sternfeld im Drachen und jetzt wird am 10" LX200 und einem 12" Dobson, zeitweise auch am 18" Dobson, beobachtet. Visuell.
Nichts bewegt sich. Minutenlanges Schauen. Alle Sterne scheinen sich zu bewegen, fatal, eine optische Täuschung. Nach fast einer Stunde geben wir auf. Warum haben wir 2004 XP14 nicht gefunden? Vielleicht war er doch schwächer als erwartet, es gab leichte Cirren; vielleicht war die Ephemeride nicht mehr ganz aktuell, ich hatte sie vor einigen Tagen gerechnet. Erde und Mond stören die Bahn des Asteroiden, doch das sollte doch berücksichtigt sein beim JPL; die Ephemeride habe ich topozentrisch für diesen Ort gerechnet, an der Parallaxe kann es also auch nicht liegen.
Ich denke, die Erklärung ist viel banaler: Wir sind zu müde für diese Beobachtung! Ausgelaugt vom gestrigen 11-stündigen Marathon, der sich Super Schnupper Startfest vom Ferienspiel nannte. Sonst hätten wir ihn gefunden.
Ich lese erleichtert, das Wolfgang Vollmann es geschafft hat. So ist das Team erfolgreich. Und wir hatten einen netten Beobachtungsabend.
Text und Fotos: Alexander Pikhard