Jupiter und Deep Sky in der Großstadt

Wien 12, 17. 07. 2006

20060717api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:17. 07. 2006
Zeit:21.30 bis 00.15 MESZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:24 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:kein
Bericht:

Erneut ein wunderbarer, wolkenloser Tag mit herrlicher Durchsicht; angesichts von drei Nächten "im Feld" beschließe ich heute allerdings, von zu Hause aus zu beobachten. Jupiter und hellere Deep Sky Objekte sind meine Ziele.

Schon der erste Blick zu Jupiter zeigt, dass das Seeing heute wirklich gut ist. Man erkennt tolle Details und Io ganz, ganz knapp vor einer Bedeckung. Könnte so ein Seeing nicht herrschen, wenn GRF und Red Junior zu sehen sind?


Jupiter um 21.20 Uhr MESZ, ganz am Rand Io am Beginn der Bedeckung. Rechts Ganymed.
12" LX200 bei f/15 (F=4,5m), ToUCam pro. Zentralmeridian: System I = 212°, System II = 318°.

Mit fortschreitender Dämmerung widme ich mich dann wieder der Deep Sky Fotografie mit der Canon EOS 350D. Ich nehme heute einheitlich mit f/6.3 auf (F=1890mm am 12" LX200), Belichtungszeit jeweils 20 Sekunden bei 800 oder 1600 ISO. Ich nehme, je nach Objekt, fünf oder mehr Bilder auf und stacke sie mit AstroArt. Die Bilder sind auf ca. 16% ihrer Originalgröße verkleinert. Einziger Wermutstropfen jetzt: Das Seeing wird merklich schlechter.


M4, 10 x 20 Sekunden bei 1600 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

M4 steht schon sehr tief, da ist der Hintergrund (Südosttangente!) nicht mehr wegzubekommen. Der Zentralbalken dieses lockeren Kugelsternhaufens (es ist der nächsgelegene seiner Art) kommt sehr deutlich heraus.


M22, 11 x 20 Sekunden bei 1600 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

Der tief stehende M22 ist ein selten beobachtetes Objekt, dabei handelt es sich um den größten und hellsten Kugelsternhaufen, den man aus unseren Breiten sehen kann. Er schlägt sogar M13 und wird am Himmel nur mehr von den beiden Prachtexemplaren Omega Centauri und 47 Tucanae übertroffen, die man von uns aus leider nie zu sehen bekommt. Auch hier kann ich den Himmelshintergrund nicht mehr ganz wegbekommen, ohne die schwächsten Sterne zu verlieren.


M25, 5 x 20 Sekunden bei 800 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

Bei diesem an sich sehr schönen offenen Sternhaufen im Schützen sind die fast zwei Meter Brennweite einfach zu viel, der Haufen verliert sich als reiches Sternfeld. Vorher scheinbaren Durchmesser anschauen wäre angebracht gewesen.


M28, 10 x 20 Sekunden bei 1600 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

Der Kugelsternhaufen M28 steht sehr tief und gar nicht so weit von M22 entfernt. An sich kann er es durchaus mit den höher stehenden "Stars" wie M92 oder M15 aufnehmen, doch seine ungünstige Lage (und die mächtige Konkurrenz seiner helleren Artgenossen) macht ihn in unseren Breiten eher zum Exoten. Hier hat auch die Nachführung noch unexakter als sonst gearbeitet.


M26, 8 x 20 Sekunden bei 800 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

Der (zurecht) unbekanntere Messier-Haufen im Schild besticht bei näherer Betrachtung durch seine Sternfarben. Er liegt in der Milchstraße eingebettet, kann aber mit M11 nicht mithalten.


M11, 10 x 20 Sekunden bei 1600 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

Eben. M11 ist ein Klassiker und immer wieder schön anzuschauen. Auch dieser dichte Haufen liegt mitten in der Milchstraße.


M15, 8 x 20 Sekunden bei 1600 ISO, 12" LX200 @ f/6.3, verkleinert.

M15 ist ein weiteres Prachtexemplar von Kugelsternhaufen und eine Herausforderung durch seine extrem schwachen Sterne.

Die Sache mit dem Hintergrund ist leider nicht so simpel. Im Zeitalter der LCD-Bildschirme schauen die Aufnahmen auf jedem Monitor anders aus. Während auf einem der Hintergrund schwarz ist, zeigt sich auf dem anderen - noch dazu abhängig vom Blickwinkel - doch noch eine Hintergrundvigenttierung. Für Bildbearbeitung sollte man also nach wie vor einen Röhrenmonitor verwenden, wie die Grafikprofis auch.

Nach drei Nächten im Feld jedenfalls ein netter Astrofoto-Abend.