Nach dem recht klaren Abend am Donnerstag mit der schwierigen Mars-Bedeckung steht heute ein einfacheres Thema auf dem Programm, nämlich Jupiter und Jupitermonde. Die Frage, die sich zunächst aber stellt, ist, ob das Wetter halten wird. Denn pünktlich zum Wochenende ist eine Gewitterfront angesagt. Skeptisch werden Wettermodelle betrachtet, der letzte Dienstag ist uns noch zu gut in Erinnerung. Also ist Zunächst einmal Wetterbeobachtung angesagt.

Ein mächtiger Gewitterschirm im Westen
Zunächst steht da ein mächtiger Gewitterschirm im Westen, er gehört zu den schweren Unwettern im Raum Steyr, rund 150km westlich von unserem Beobachtungsort. So ein Schirm beunruhigt uns nicht. Die hohen Cirren lösen sich im Regelfall auf. Und schon können wir nicht nur Arktur und Vega, sondern auch Jupiter im Fernrohr bestaunen - und auch zeigen.
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Langsam hat sich unsere Beobachtungstätigkeit auf der Sofienalpe schon herum gesprochen. Viele Spaziergänger kommen ganz bewußt vorbei, um einen Blick durchs Fernrohr zu riskieren. Und viele wissen auch, dass es vorab gut ist, auf unserer Homepage nachzuschauen, ob heute beobachtet wird oder nicht.
Die Cirren des Gewitterschirms lösen sich auf, doch es kommt doch noch etwas nach. Für kurze Zeit denken wir, dass wir rasch abbauen sollten. Drohend schwarz wälzt sich da etwas von Westen auf uns zu ...

Dramatische Momente auf der Sofienalpe
Man kann im Nachhinein nicht sagen, ob es Instinkt, Sturheit, "Coolness" oder ein Anflug von Verzweiflung ist, dass niemand abbaut. Ich tippe eher auf Instinkt. Denn gerade, als die Situation am bedrohlichsten aussieht, erkennen wir, dass es nicht so schlimm wird. Was da über unsere Köpfe zieht, ist eine Kaltfront im Taschenformat! Gerade einmal rund 60° an der breitesten Stelle, kann sie maximal ein Drittel des Himmels abdecken. Während im Osten noch blauer Himmel strahlt, wird es auch im Westen schon wieder blau. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Der Wind hat von Süd auf West gedreht und ist angenehm, die Temperatur von weit über 30°C auf rund 21°C gefallen - und das alles ohne einen einzigen Tropfen Regen. Es kann weitergehen.
Ein wesentliches Ziel unserer Astropraxis ist, in der Gruppe Erfahrungen zu sammeln. Das ist besonders wichtig, wenn es um die ersten Schritte am Teleskop geht. Und heute erleben wir eine Astropraxis der schönsten Art, denn es gibt viele erste Schritte und gleich drei Fernrohre erleben an diesem Abend ein "First Light". Ganz unterschiedlich groß, entsprechend unterschiedlich auch die Probleme.
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Neben der First Light-Geräten sind noch ein 10" LX200GPS, mein 12" LX200 und Rolands 18" Obsession da, somit ist es ein beachtliches Teleskoptreffen. Wir erleben Astropraxis von der schönsten Seite, denn heute geht es wirklich um Hilfestellung bei den ersten Schritten. Tipps, Tricks, Objektempfehlungen und Zubehörtausch dominieren das Programm.
Daneben gibt es visuelle Touren, denn einige sind nur zum Schauen gekommen. Vor allem nahe dem Zenit ist der Himmel klar und wir erfreuen uns an hellen Doppelsternen (Alcor-Mizar, Albireo, Epsilon Lyrae) und auch Deep Sky Objekten (M57, M3, M5, M13, M92). Kein Marathonprogramm, sondern Genießen ist angesagt, und vor allem Vergleichen der Objekte in den unterschiedlichen Rohren und Einstellen üben. Jupiter steht schon zu tief. Den Transit von Ganymed beobachten wir angesichts eines Seeings von rund 20" verständlicher Weise nicht.
Als die dunkle Wolke herannahte, dachte wohl niemand daran, dass es noch so ein schöner, gemeinsamer Astro-Abend werden würde.
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Allmählich wird die Astropraxis zur zentralen Aktivität der WAA, und so sollte es von Anfang an sein: Gemeinsam die wichtigen Hürden meistern, lernen durch Erleben, die Freude an der Sache weitergeben. Hätten wir nur immer so einen Sommer, das würde unsere Arbeit erheblich erleichtern. Aber wir hatten hier so eine Stimmung schon bei beißenden -16°C ...
Der Himmel wird milchiger und gegen Mitternacht bauen wir ab. Seit heute gibt es ein paar begeisterte Freizeitastronomen mehr.
Text und Fotos: Alexander Pikhard