| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||
| Datum: | 16. 08. 2006 | ||||||
| Zeit: | 22.00 bis 23.30 MESZ | ||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Canon EOS 350D | ||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Die Ausläufer des Italientiefs verziehen sich an diesem Abend unglaublich rasch. Recht spät strahlt über mir ein sehr klarer Himmel. Zu spät, um noch irgendwo hinzufahren. Ich baue mein Teleskop auf der Terrasse auf; ein Blick zu Jupiter zeigt ganz schlechtes Seeing. Was tun? Der Vorschlag der IAU zur Definition, was in unserem Sonnensystem ein Planet ist und was nicht, ermuntert mich dann zu einem Ausflug ins äußere Sonnensystem. Ich möchte sehen, ob es mit der "ganz normalen" Canon EOS 350D möglich ist, Pluto zu fotografieren. Es ist, und noch dazu ganz leicht.
Ich verkürze die Brennweite auf f/6.3 und los geht's. Mit 1600 ISO und 20 Sekunden Belichtungszeit ist der ferne Planet (?) ganz gut zu sehen. Der Rest ist Ebenenausgleich, um das helle Hintergrundlicht wegzubekommen. Ich identifiziere Pluto mit TheSky und verifiziere die Position sicherheitshalber noch mit dem Ephemeris Generator des JPL, aber die Positionen stimmen überein. Charon wird ein spezielles Projekt werden. Mit rund 16 mag gar nicht so schwach, aber nur maximal eine Bogensekunde von Pluto entfernt! Ob das zu schaffen ist mit Amateurgeräten? Jetzt mache ich mich, eigentlich nur "scherzhalber", an Uranus und Neptun. Bei dem Seeing sind Aufnahmen mit der Webcam sinnlos und sie würden ohnedies nur die kleinen Scheibchen zeigen. Also nehme ich nur die Sternfelder rund um die beiden Planeten mit der EOS 350D auf. Dann aber ist die Überraschung groß.
Was ich nicht erwartet hätte: Bei dieser recht geringen Brennweite (von knapp unter 2m) und bei dieser recht kurzen Belichtungszeit ist auch der Neptunmond Triton (13,5 mag) ganz deutlich zu erkennen! Aber logisch, denn Pluto ist ja auch nicht heller.
Jetzt überrascht es mich nicht, dass auch die beiden hellsten Uranusmonde, Titania und Oberon, gut zu erkennen sind (rund 14 mag). Man beachte die Lage! Das Uranussystem steht nächstes Jahr in Kantenstellung, das passiert nur alle 42 Jahre. Und da macht sich die Achsneigung von 98° deutlich bemerkbar. Die drei Aufnahmen waren ganz einfach, eigentlich fast Schnappschüsse. Und mit einem 8" Instrument muss man halt statt 20 vielleicht 30 Sekunden belichten. Spätestens jetzt erscheint es ganz und gar unverständlich, dass populäre astronomische Jahrbücher die Monde von Uranus und Neptun einfach verschweigen. Aber dafür gibt es ja Starry Night und ähnliche Programme. |